Bundeswehr
Ein Soldat berichtet am Gymnasium Sonthofen über seine Erlebnisse in Afghanistan

Am Anfang wird im Physiksaal des Gymnasium Sonthofen noch geflüstert und gelacht. Wenig später ist es still im Raum: 'Erinnere Dich an mich' heißt ein Film, der Männer und Frauen in Bundeswehruniformen zeigt. Und: 'Im Moment sind rund 4800 deutsche Soldaten in Afghanistan, die jeden Tag ihr Leben riskieren, und keinen interessiert’s.'

Diese emotionale Einleitung wählte Paul Boos für den Vortrag eines Soldaten über den Afghanistan-Einsatz. Boos engagiert sich für die Initiative 'Gelbes Band der Solidarität mit unseren Soldaten im Auslandseinsatz' und hat den Vortrag im Gymnasium organisiert.

Sozialkundelehrer Christian Volz nennt es eine seltene Gelegenheit für die Schüler, Fragen, die Lehrer nicht beantworten können, zu stellen.

Stabsfeldwebel Stefan Pomper war insgesamt vier Monate in Afghanistan. 'Es ist ein schwieriges und armes Land – mit Deutschland nicht zu vergleichen', erzählt er. Und schildert die große Belastung: 'Solange man im Einsatz ist, hat man keine Privatsphäre. Das Wasser ist knapp und man ist einer ständigen Bedrohung ausgesetzt. In Afghanistan wird jeden Tag gestorben.'

Pomper selbst musste 'zum Glück' nicht an Gefechtshandlungen teilnehmen. Für die Soldaten sei die Unterstützung der eigenen Familie und der Freunde sehr wichtig. Doch Pomper hatte auch Kameraden, deren Familien ihr Auslandseinsatz vollkommen egal war. 'Das ist schon hart.'

Die Schüler haben sich durch Gespräche und Referate im Unterricht vorbereitet. Gedanken übers Thema machte sich so auch der 19-jährige Benedikt Wachter aus Jungholz: 'Wie geht es den Menschen mit den Herausforderungen eines solchen Einsatzes und fühlen sie sich durch die Erlebnisse belastet?'

Vom Grundsatz her findet Wachter es gar nicht so schlecht, dass die Bundeswehr in Afghanistan ist: 'Da unten gibt es zum Beispiel keine Demokratie und da ist es gut, wenn geholfen wird.'

Dass Soldaten sterben, sei aber nicht schön. Wachter ist der Meinung, dass das Thema unbedingt in Schulen behandelt werden soll und ein Erlebnisbericht eine tolle Möglichkeit ist. Er hatte aber gehofft, mehr darüber zu erfahren, wie Gefechte und Kampfhandlungen ablaufen.

'Es hätte emotionaler sein können', sagt Stefanie Näbrig, 18 Jahre, aus Sonthofen. Sie fand es aber sehr gut, dass der Soldat viel von seinen persönlichen Erfahrungen erzählt hat. Durch die vielen Bilder sei alles sehr anschaulich gewesen. Wenn Stefanie in der Zeitung über den Einsatz liest, gehen ihr verschiedene Gedanken durch den Kopf. Unter anderem, dass hinter jedem Soldaten ein Mensch steckt, der Familie und Freunde hat.

Weihnachtsmann auf dem Kamel

Nicht alles, was Pomper aus dem Einsatz erzählte, war ernst. Es gab ja auch schöne Erlebnisse: 'Am Heiligen Abend hatten wir einen Christbaum und der Weihnachtsmann kam auf dem Kamel ins Lager geritten.' Darüber können auch die Schüler im Physiksaal lachen.

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