«Kinderreich»
Ein Reich für Kleinkinder

Johannes schüttet ganz beflissen Kastanien aus der großen Box in eine Schüssel. Jakob stellt fest «Kastana!» und streckt die Hand nach den braunen Kugeln aus. Maja düst auf allen Vieren von Pia zu Monika. Ein ganz normaler Vormittag in der Rettenberger Schule - mit einem Dreijährigen, einem Zweijährigen und einer Eindreivierteljährigen. Sie lernen hier, wie man laut und wie man leise in ein Rohr trötet, dass man «pfiat di» sagt, bevor man geht - und vieles, vieles mehr. Das Lernen steht aber zumindest in diesem Klassenzimmer nicht im Vordergrund. Hier ist das «Kinderreich», eine private Kinderkrippe von Pia Adelgoß und Monika Götzfried.

Wobei man Kinderkrippe eigentlich nicht sagen darf. «Großtagespflege» ist die korrekte Amtsbezeichnung dafür, dass die beiden ausgebildeten Erzieherinnen in dem ehemaligen Klassenzimmer bis zu zehn Kinder gleichzeitig betreuen dürfen. Bis an das Bayerische Landesjugendamt mussten sie sich wenden, um ihre Idee einer privaten Kleinkind-Betreuung verwirklichen zu können.

Vor Ort genießt das Projekt die volle Unterstützung der Gemeinde. Als Adelgoß und Götzfried Bürgermeister Oliver Kunz nach einem Raum fragten, bot er das Zimmer in der Schule an. Das wurde nach dem Wegfall der Teilhauptschule als Gruppenraum genutzt. Jetzt steht es dem «Kinderreich» kostenlos zur Verfügung. «Von dieser Lösung profitieren beide. Wir haben vor Ort ein Angebot und für die Gemeinde ist es günstiger, als wenn wir selbst eine Krippe gebaut hätten», sagt Kunz.

Und so verlegte die Gemeinde auch einen neuen Wasser- und Stromanschluss in das Zimmer und beteiligte sich an den Materialkosten für die große Holz-Trennwand, die Spiel- und Schlafbereich trennt. Gebaut wurde alles in Eigenregie, und das im Rekordtempo. «Wir hatten drei Wochen Zeit, um alles umzugestalten - von der Planung bis zur Ausführung», erinnert sich Monika Götzfried. «Zum Glück haben wir alles in der Familie: Vom Maler über den Polsterer bis hin zum Zimmerer.» So wurde aus einem alten Nachtkästchen ein Spültisch für alle Puppenmamas, aus ein paar Brettern ein Spielhaus und vom Rest haben Götzfried und Adelgoß vieles gebraucht über Zeitungsanzeigen erstanden.

Derzeit toben sich zwischen den vielen bunten Schätzen zwei Mädchen und fünf Buben aus. Von Dienstag bis Donnerstag hat das Kinderreich geöffnet, je vier Stunden am Vormittag. Franziska Lingenhöhl, die Mutter von Johannes, findet das Kinderreich «super». Sie merkt, dass der Kontakt zu anderen Kindern ihrem Sohn gut tut. «Seitdem schwätzt er wesentlich mehr.» Und auch Kathleen Rasthofer ist von dem Angebot angetan. Vorher hatte sie versucht, in Immenstadt einen Krippenplatz für ihre Tochter Maja zu bekommen. Ohne Erfolg.

Sollte das «Kinderreich» bei noch mehr Eltern voll einschlagen und alle Plätze belegt sein, werde die Gemeinde es wohl zu einer Krippe erweitern, sagt der Bürgermeister. Bis dahin werden Johannes und Jakobs «Kastana» aber sicher verschrumpelt sein.

Informationen unter Telefon 08327 / 7296 (Pia Adelgoß) und -7617 (Monika Götzfried).

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