Amtsgericht
Ein Polizist auf der Anklagebank

Nach dem Plädoyer der Staatsanwältin in einem Einzelrichter-Verfahren vor dem Amtsgericht Sonthofen war der Beschuldigte regelrecht geschockt. Es handelte sich um den Polizisten einer Allgäuer Dienststelle, der über viele Jahre hinweg dazu beigetragen hatte, Recht und Gesetz zu wahren. Nun saß er selbst auf der Anklagebank und sollte wegen Vorwürfen der Untreue im Amt, des Diebstahls und des Betrugs mit einer achtmonatigen Bewährungsstrafe und obendrein einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 35 Euro büßen. So wollte es die Staatsanwältin.

Sehr ausführlich schilderte der tief geknickt wirkende Polizist seine persönliche Situation. Er hatte schon öfters mit dem Gerichtsvollzieher zu tun gehabt. Mittellos, wie er war, ließ er dennoch seine Haustiere verarzten und blieb der Ärztin mehr als 400 Euro schuldig. Zwischenzeitlich ist das Geld gezahlt worden. Dennoch Straftatbestand Betrug. Nur dies floss in das Urteil ein. Nicht aber die weit schlimmeren Vorhaltungen, die im Verdacht der Untreue im Amt gipfelten.

Es ging um Verwarngelder, die der Polizist bei Verkehrswidrigkeiten von Verkehrssündern einzunehmen berechtigt war. Laut Dienstvorschrift hätte er diese Gelder allmonatlich in der Polizeidienststelle abrechnen müssen. Zur hausinternen Gegenkontrolle dienen die Verwarnblöcke, die die Polizisten mit sich führen.

Doch die Dienstvorschrift, so stellte sich vor Gericht heraus, wurde nicht allzu streng gehandhabt. So kam es, noch begünstigt durch Krankheit und Urlaub, dass seine Abrechnung erst Monate später erfolgte - und zwar unter denkbar ungünstigen Umständen. Denn dem Polizisten war vorgeworfen worden, drei Autoräder mit Winterreifen aus einer Abstellkammer bei der Polizei gestohlen zu haben. Zwei Räder zog er bei seinem eigenen Auto für eine Übergangszeit auf. Die Räder gehörten indes einem Kollegen.

Vor Gericht machte der Beschuldigte geltend, dass er ja die Fahrzeugteile habe zurückgeben wollen. Auch legte er ausführlich dar, dass er die von ihm eingenommenen 640 Euro Verwarngelder nie für sich behalten wollte.

Am Tag, als er vom Inspektions-Chef des Diebstahls bezichtigt wurde, holte er sofort aus dem Polizeispind 300 Euro hervor und wollte laut eigener Aussage auch den Nachweis erbringen, wo das andere Geld geblieben sei. Doch der Chef erteilte ihm sofort Hausverbot.

«Vertrauen missbraucht»

Als der Beschuldigte den Gerichtssaal verließ, müssen ihm die scharfen Worte der Staatsanwältin in den Ohren geklungen haben: «Sie haben das Vertrauen, das Sie als Polizist genießen durften, missbraucht.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by Gogol Publishing 2002-2019