Erntezeit
Ein Leben mit dem Apfelbaum: Bad Hindelangerin hat eine besondere Sorte in ihrem Garten

Schon als Dreijährige saß Erika Otten gerne in dem großen Apfelbaum im Garten ihrer Eltern. Sie beobachtete von ihrem Posten aus, was geschah auf dem Hindelanger Friedhof gegenüber oder wer am Garten vorbeikam. Und keiner sah sie.

Ab und zu biss sie in einen gepflückten Apfel, ab und zu half sie das Streuobst sammeln, wenn die Mutter rief. Heute ist Erika Otten 73, der Garten noch immer voll Äpfel, Birnen und Mirabellen, und ihre fast dreijährige Enkelin Nicola ist nirgends lieber als dort, Streuobst sammeln. Und nicht nur sie freut sich über die süßen Früchte. Die Bäume werfen so viel ab, dass die Ottens die ganze Nachbarschaft beschenken. Jedes Jahr Massen an Äpfeln. Doch was ist das Geheimnis des fruchtbaren Gartens?

Tatsächlich hat der große, alte Apfelbaum schon Spezialisten vom Bodensee nach Hindelang gelockt. Eine so robuste und fleißige Sorte hat viele Bewunderer. Doppelter Prinzenapfel oder Bohingen Wirtschaftsapfel - Die Experten sind sich uneins, welchen sagenhaft fruchtbaren Baum sie da vor sich haben. Auf 80 Jahre schätzt ihn Erika Otten. << Dies ist ein wilder Garten. Wir kümmern uns nicht groß darum >>, sagt Otten.

Alle paar Jahre schneide ihr Sohn die wilden Triebe und abgestorbenen Äste im Februar, wenn der Baum nicht im Saft steht. Mehr Pflege brauche er nicht. Mit einem Trieb haben die Ottens veredelt und so für Nachwuchs gesorgt, dass die Sorte nicht ausstirbt. In direkter Nachbarschaft sprießen auf dem Klon schon so viele Äpfel, wie auf dem Ursprungsbaum.

Auch der Williams-Birnenbaum im Garten trägt heuer körbeweise süße Früchte. << Einfach essen, backen oder verschenken >>, will Otten die Birnen, wenn sie nach dem Viehscheid reif sind. Mit dem Fallobst macht sie gerne Gelee, Apfelmus und Kuchen. Den Rest pflückt sie Ende September und presst Saft. << Fallobst muss man gleich verarbeiten, gepflückte Äpfel kann man lagern >>, weiß die Hindelangerin.

Nicht ganz unschuldig an der saftigen Pracht seien auch die fleißigen Nachbarn. Zwei Straßen weiter gebe es einen Imker, dessen Bienen im Frühjahr auch in der Kirchstraße ganze Arbeit leisten und die Blüten der Obstbäume bestäuben. Sind also Bienen des Rätsels Lösung? Trotz Bienen war auch in Ottens Garten schon für so manchen Obstbaum Schluss. << Bis vor Kurzem hatten wir auch noch eine Zwetschge.

Doch die hat das Zeitliche gesegnet. Dafür hat unser Nachbar, der Pfarrer, einen schönen Zwetschgenbaum >>, sagt sie und winkt freundlich Karl-Bert Matthias zu, der gerade in eine große Tüte die kräftige Ernte klaubt.

Erika Ottens robuster Apfelbaum war noch nie krank. Er tut jährlich seine Pflicht. Im Frühjahr bewundert sie die zarte Blütenpracht und lauscht dem Bienensummen. Im Herbst ist Erntezeit. Am liebsten bäckt sie dann Apfelstrudel (Rezept siehe Kasten) für die ganze Familie. Die 73-Jährige hofft, dass es noch lange so weitergeht. Ein Leben mit einem Apfelbaum.

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