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Tierhandel
Ein Haustier als neues Statussymbol? - Illegaler Welpenhandel boomt im Allgäu

Hund "Mia" wurde auch aus Mallorca gerettet
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  • Hund "Mia" wurde auch aus Mallorca gerettet
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Auch im Allgäu boomt der Handel mit Hundewelpen und Katzenbabys. Erst vergangenes Wochenende wurde ein illegaler Tiertransporter auf der A7 bei Vöhringen kontrolliert. Darin waren 40 Tiere. "Auch im Allgäu boomt der Welpenhandel und die Dunkelziffer ist hoch", so Iris Thalhofer vom Tierheim in Immenstadt. Ist der Hund oder die Katze jetzt ein neues "Statussymbol" oder sind die Tiere noch der beste Freund des Menschen? "Mittlerweile kann man das nicht mehr richtig sagen", so Thalhofer.

Tierheime sind leer

Die Tierheime sind leer. Auch Kleinanzeigen im Internet von ansässigen Züchtern gibt es kaum mehr. Einzige Gäste aktuell im Tierheim: Katzen und schwer vermittelbare Hunde. "Durch Corona haben die Menschen viel Zeit. Sie sind im Homeoffice und sind viel draußen. Viele holen sich dann ein Haustier", so die Tierschützerin. Da die Tierheime aber leer sind und in diversen Anzeigeportalen nichts mehr zu finden ist, fallen viele "Tierfreunde" auf dubiose Vermittlungsseiten aus dem Ausland herein. "Die Tiere kommen dann so gut wie immer aus Ostblockstaaten. Die Hundemütter werden unter katastrophalen Bedingungen gehalten, sie werden geschlagen, sind krank oder haben kaum Platz. "Es ist einfach schrecklich", so die Leiterin.

Mütter zu früh von Welpen getrennt

Nachdem die Mütter ihre Welpen auf die Welt gebracht haben, werden sie meist zu früh von der Mutter getrennt und dann anschließend für viel Geld nach Deutschland verschachert, so Thalhofer. Doch viele machen sich keine Gedanken wie es den Tieren geht. Oft fällt die Entscheidung unüberlegt. Kann ich mir ein Tier leisten? Habe ich 10 bis 15 Jahre Zeit, mich um mein Tier zu kümmern? Viele denken darüber nicht nach, so Iris Thalhofer. Ein Hund oder auch eine Katze sollten als Familienmitglied angesehen werden und nicht wie ein Gegenstand, den man behandeln kann, wie man will oder wieder abgibt, wenn man keine Lust oder Zeit mehr hat. Sollte man sich darüber Gedanken gemacht haben, so rät Iris Thalhofer, sollte man als erstes zum örtlichen Tierheim gehen. Dort werden regelmäßig Hunde und auch Katzen abgegeben, die jung, lieb und auch familienfreundlich sind. Sollte im Tierheim nicht der richtige Partner auf vier Pfoten sein, kann man sich bei einem Züchter oder einer wirklich seriösen Organisation melden.


Hundemafia macht großes Geschäft

Doch warum muss es ein Hund aus dem Ausland sein? Viele wollen Tiere aus dem Ausland retten. Doch Welpen von illegalen Händler kaufen? "Wir haben in den Tierheimen gut vermittelt. Bei den Zuchtverbänden und auch bei privaten Züchtern gibt es schon Wartelisten. Viele Menschen haben einfach keine Geduld und wollen von jetzt auf gleich ein Tier. Da kommt dann die Welpenmafia ins Spiel. Meist aus Ostblockstaaten, werden die Tiere dann tausende Kilometer weit durch Europa gefahren, um viel Geld zu verdienen. "Aber das dann zum Leid der Tiere", so Thalhofer.

Tiere werden beschlagnahmt

Sollte die Polizei Glück haben und durch Zufall einen meist gut getarnten, illegalen Tiertransporter stoppen, werden die Tiere meistens beschlagnahmt. "Die Tiere sind in den meisten Fällen krank, die Impfpässe gefälscht oder es fehlen wichtige Impfungen. Die Tiere kommen dann ins Tierheim", so die Tierschützerin. Die Tiere werden ärztlich versorgt und aufgepäppelt. Anschließend müssen sie in Quarantäne und erst dann wird entschieden, wie es weitergeht. Werden die Tiere vermittelt oder dürfen sie wieder zurück zu ihrem Besitzer? "Die Besitzverhältnisse müssen erst geklärt werden. Erst dann kann entschieden werden, wie es mit den Tieren weitergeht", so Thalhofer.

Tierheime sind Ansprechpartner

Wer Geld und vor allem auch Zeit für einen Hund hat, sollte sich also zuerst bei seinem Tierheim vor Ort erkundigen. Sollte er da kein passendes Tier finden, ist der nächste Weg der Züchter oder eine seriöse Tierschutzorganisation - egal ob in Deutschland oder im Ausland. "Auch wenn ich langsam das Gefühl habe, sollten Hunde nicht zum Statussymbol werden", so Thalhofer.

Hund "Mia" wurde auch aus Mallorca gerettet
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Auch wir haben unseren Hund gerettet

Auch ich habe meinen Hund damals aus Mallorca "gerettet". Meine Mischlingshündin Mia lag damals zusammen mit ihren zehn Geschwistern und ihrer Mutter in einer Mülltonne. Die wie Müll entsorgte kleine Familie wurde durch eine bekannte Organisation gerettet und aufgepäppelt. Ich habe mich sofort dazu entschieden, einen der Hunde zu retten und ihm ein neues zu Hause zu geben. Doch bevor die  zwölf Wochen alte Hündin nach Deutschland durfte, wurden ich durch einen Mitarbeiter der Organisation besucht. Er machte sich selbst ein Bild, wo der Hund dann leben wird. So rät es auch Tierheimleiterin Thalhofer. "Dubiose Organisationen wollen einfach Geld. Ihnen ist es egal, wie der Hund aufwächst. Sie geben die Tiere einfach jedem, der eins will."

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