Religionsgespräch
Dr. Wolfgang Schürger diskutiert in Sonthofen über vernünftige und verantwortungsvolle Ernährung

Für viele, durch die katholische Tradition geprägte Menschen steht in der Fastenzeit die geringere Nahrungsaufnahme im Vordergrund. Viele Abnehmprogramme greifen dies auf und propagieren das bewusste weniger Essen. Einen anderen Weg stellte Dr. Wolfgang Schürger, Beauftragter für Umwelt- und Klimaverantwortung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vor: Die Ethik des Essens bewusst zu beachten.

Es geht darum, ein sorgfältig hinsichtlich Nachhaltigkeit und fairen Handel ausgewähltes Essen zu genießen und so durch seinen Lebensstil die Verantwortung gegenüber der Schöpfung wahrzunehmen.

'Gscheit essen' bedeute, tüchtig und genug zu essen, aber auch vernünftig. Ernährung sei ein Schlüsselthema der Nachhaltigkeit, so Dr. Schürger. Bei ihr werde versucht, so zu leben, dass auch künftige Generationen auf der Erde noch genug an Nahrungsmitteln und Rohstoffen, gesunder Luft und Natur haben.

Ein wichtiger Punkt seien die niedrigen Lebensmittelpreise und ihre Folgen: Niedrige Preise seien nur durch Massentierhaltung, Bodenverschlechterung mit steigendem Düngemitteleinsatz sowie der folgenden Schadstoffbelastung der Gewässer zu bekommen, wobei die kleineren Bauern und Nahrungsproduzenten oft zu kurz kommen.

Letztlich gehe dies auch zu Lasten der Gesundheit der Verbraucher. Stattdessen schonten eine artgerechte Tierhaltung und Ökolandbau die Böden und Gewässer und produzierten gesunde Lebensmittel.

Durch die Agrochemie entstünden eher Allergien, und der hohe Fleischkonsum ziehe Zivilisationskrankheiten nach sich. Außerdem sänken durch häufigeren Genuss von Gemüse die CO2-Emissionen, da Fleisch mit viel mehr Aufwand hergestellt werden müsse.

Nachhaltiges Essen genüge vier Kriterien: Es sei umweltverträglich, wirtschaftsverträglich, sozialverträglich und gesund. Deshalb lohne es sich, Nahrungsmittel bewusst einzukaufen.

Wie in der Diskussion deutlich wurde, haben die Verbraucher es in der Hand, regionale und saisonale Produkte bevorzugt zu kaufen und damit die heimischen Erzeuger zu unterstützen. Das Allgäu mit seiner kleinräumigen Struktur sei für solche Gedanken eher aufgeschlossen, wie der Erfolg etwa der 'Von hier'-Produkte zeige.

Nächster Vortrag:

Der nächste Abend des Sonthofer Religionsgespräches am Mittwoch, 7. März, um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Michael beleuchtet Nahrungsgenuss und Nahrungsverzicht – beispielhaft – in den Weltreligionen Islam und Christentum: 'Religion geht durch den Magen'.

Referenten sind Imam Sidigullah Fadai von der islamisch-afghanischen Gemeinde in München und Dr. Andreas Renz, Fachreferent für Ökumene und Interreligiösen Dialog im Erzbischöflichen Ordinariat München.

Während das Fasten aus religiösen Gründen für die Christen heute - im Gegensatz zum Mittelalter - meist keine sehr große Rolle mehr spielt, wird es in den islamisch geprägten Gesellschaften im Fastenmonat Ramadan praktiziert.

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