Projekte
Der Liberale und die Verlockungen in Sonthofen

Spätestens im Frühjahr will der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer sein aktuelles Projekt fertiggestellt haben, 'um noch rechtzeitig einen Diskussionsbeitrag zu liefern'. Denn in seinem neuesten Film, an dem er derzeit arbeitet, wird es um die Windkraft gehen.

Bei einer Lesung aus teilweise noch nicht veröffentlichten Texten im Möggenried-Haus in Sonthofen machte Hiemer keinen Hehl aus seiner kritischen Haltung gegenüber neuen Windkraftanlagen im Allgäu. Er sei grundsätzlich nicht gegen die Nutzung der Windenergie, aber: „Ein menschliches Maß sollte gewahrt bleiben.“

'Warum sollte sich das Allgäu seinen touristischen Ast absägen, in dem es vertikale Industrieanlagen errichtet?' lautet eine der Thesen Hiemers. Der mögliche Profit durch solche Anlagen sei für einige verlockend, 'aber alle müssen mit den Anlagen leben'.

Und so fürchtet er, dass auch sein Blick von Kaufbeuren in Richtung der Allgäuer Bergwelt bald 'versperrt wird von Windkraftanlagen, die die höchsten Kirchtürme in den Schatten stellen'.

'Den Energiehunger zügeln'

Wenn schon aktuelle Anlagen nicht rentabel seien – 'was passiert dann mit den neuen Anlagen, wenn auch sie einmal keinen Profit mehr versprechen? Werden sie dann zu Aussichtstürmen auf das Land?' Hiemers Ansicht nach sehnen sich die 'Städter' nach dem Landleben. Sei das Allgäu erst einmal von Windkraftanlagen geprägt, 'ziehen sie weiter'.

Sein Appell: 'Wir alle müssen den Aus-Knopf finden und unseren Energiehunger zügeln.' Das Thema reize ihn und daher wolle er mit seinem neuesten Film 'in die Diskussion eingreifen und den Menschen die Augen öffnen'.

Anhänger der deutschen Einheit

Doch nicht nur diesen Film kündigte Leo Hiemer in Sonthofen an. Noch vor Weihnachten erscheint ein neues Buch von ihm, in dem er auf die revolutionären Zeiten 1848/49 im Allgäu eingeht. Und die Lesung daraus entführte die Zuhörer in eine Zeit, in der die 'Allgäuer zeigten, dass sie so gar nicht rückständig und primitiv sind, wie mancher glaubte', wie Hiemer festhielt.

Nicht nur Frankfurt oder München seien Schauplatz der Geschichte gewesen, auch 'zwischen Weiler, Immenstadt und Kempten gründeten sich viele März-Vereine'. Allein 10000 Demonstranten habe es im Frühjahr 1849 in Kempten gegeben.

Allein in Immenstadt hatten sich 90 Anhänger der deutschen Einheit zu einem März-Verein zusammengeschlossen. Unter ihnen: Carl Hirnbein aus Wilhams.

Auf ihn geht Hiemer in den Auszügen aus seinem neuen Buch immer wieder ein. Nicht nur ein Erneuerer des Allgäus durch die Einführung der Milchwirtschaft sei er gewesen, sondern ein politisch aktiver Liberaler.

Die Frage aus dem Publikum, ob Hirnbein denn nun 'Gutmensch oder Kapitalist' gewesen sei, vermag Hiemer nicht eindeutig zu beantworten. 'Er wollte das Allgäu voranbringen, hat aber auch auf seinen eigenen Vorteil geschaut.'

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