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Das Klausentreiben im Algäu: Einer der ältesten überlieferten Kulturbräuche aus der heidnischen Zeit

Das Klausentreiben ist ein überlieferter Brauch im alemannischen Alpenraum, bei dem am 5. oder auch 6. Dezember junge Männer verkleidet und vermummt mit Ruten auf den Straßen der Stadt oder des Dorfes die Schaulustigen schlagen und dabei viel Lärm veranstalten.

Der Ursprung des Brauches ist umstritten. Sicher ist: Das Wilde Treiben ist eines der ältesten Kulturbräuche aus der heidnischen Zeit und hat sogar die Christianisierung im 7. und 8. Jahrhundert überstanden. Selbst im Schwedenkrieg wurde dieser Brauch nicht ganz eingestellt.

Besonders der kalte und dunkle Winter war für die Menschen in früherer Zeit beherrscht von dunklen Gestalten, Dämonen, Windsbräuten und vor allem von der Wilden Jagd. Dabei verkleideten sich die ledigen Burschen mit Fellen und Tierhäuten aller Art und banden sich Schellen und Ketten um den Leib, um so mit möglichst viel Lärm in der Nacht durch die Orte und die Häuser zu poltern.

Durch die Hörner und das wilde Häs (Gewand), aber vor allem auch durch lautes Rufen, Kettenrasseln und das Läuten mit Schellen und Glocken wollte man diese Gesellschaft fernhalten, erschrecken und vertreiben. Dies war der Versuch, die winterlichen Dämonen zu täuschen. Man wollte diesen vorgaukeln, dass hier bereits Geister ihr Unwesen treiben.

Dabei versuchten die 'Hästräger" stets so furchterregend wie nur möglich auszusehen, um jeden, der sie erblickte, zu verjagen. Die wilden Hiebe auf Passanten und Gegenstände rührten daher, dass alles, was sich bewegte oder verdächtig aussah, vertrieben werden sollte.

Das traditionelle Gebäck zum Klausentag sind heute 'Laible" und 'Klausenmändle". Auch sie werden gerne mythologisch interpretiert als Sonnenrad und Naturgottheit, deren Kraft mit dem Essen übertragen werden soll.

Die christliche Tradition, die mit diesen Gebäckstücken verbunden war, ist wohl heute vergessen. Mürbes Gebäck oder Lebkuchen in Form des Bischofs Nikolaus oder mit seinem aufgeklebten Bild waren noch um 1910 in vielen Orten übliche Geschenke zum Nikolaustag. Die Paten und Patinnen haben sie an ihre Schützlinge ausgeteilt.

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