Stellungnahme beim Landratsamt Oberallgäu eingereicht
BUND Naturschutz: Grünten-Ausbaupläne "sind nicht genehmigungsfähig"

Der BUND Naturschutz hat eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, weshalb die Ausbaupläne für den Grünten nicht genehmigt werden sollten.
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Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens zu den Ausbauplänen am Grünten in den Allgäuer Alpen hat der BUND Naturschutz (BN) eine umfangreiche Stellungnahme beim Landratsamt Oberallgäu eingereicht. Der BN hält die Ausbaupläne der Familie Hagenauer für nicht genehmigungsfähig, da die Pläne zu verharmlosend und zu überdimensional seien und vieles nicht berücksichtigt hätten. 

Der BN lehnt das geplante Vorhaben am Grünten ab

Der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe brachte die Gründe des BN gegen das Projekt auf den Punkt: "Die überdimensionierten Ausbaupläne am Grünten stehen im krassen Gegensatz zu den dringenden Klima- und Nachhaltigkeitszielen. Der Tourismus in den Allgäuer und Bayerischen Alpen muss qualitativ verbessert und nicht quantitativ ausgebaut werden", so Geilhufe bei der Vorstellung der Stellungnahme. Der geplante Sommer- und Winterausbau am Grünten ist laut BN mit erheblichen Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden. Der Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu Julia Wehnert zufolge drohen durch das Projekt Beeinträchtigungen von Schutzgebieten (FFH-Gebiet, Landschaftsschutzgebiet). Damit verbunden sind die Zerstörung und Beeinträchtigung von ca. 10 ha geschützten Offenland-Biotopen, die Rodung von 3,3 ha Bergwald und eine Flächenversiegelung von ca. 5,5 ha. Wehnert bewertete die geplanten Eingriffe und Nutzungen als weitaus schwerer und dauerhafter als in den teils verharmlosenden Planunterlagen beschrieben: "Das gesamte Projekt ignoriert die Prognosen des Klimawandels, gleichzeitig werden der Verlust an Biotopflächen, an Biodiversität und erhebliche Eingriffe ins Landschaftsschutzgebiet in Kauf genommen". 

Der BUND Naturschutz hat eine umfangreiche Stellungnahme abgegeben, weshalb die Ausbaupläne für den Grünten nicht genehmigt werden sollten.
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Projekt nimmt Artensterben in Kauf

Dem Artenschutzexperten der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu Alfred Karle-Fendt nach zu urteilen, droht außerdem eine erhebliche Beeinträchtigung der Tier- und Pflanzenwelt am Grünten. "Auf den Felsräumen am Grünten gibt es Lebensräume von Tieren und Pflanzen mit großer Bedeutung. Die sind teils jetzt schon stark geschädigt oder sogar schon zerstört. Es herrscht bereits massiver Handlungsbedarf.", sagte Karle-Fendt. "Die Pläne und der Skitourismus werden zum Beispiel das Aussterben des Birkhuhns in dieser Region bewirken", erklärte der Experte. Laut Karle-Fendt ist die Population des Birkhuhns bereits gefährdet. Gab es in den 70er Jahren am Grünten noch Plätze mit 10 balzenden Hähnen, so sind es jetzt nur noch ein bis zwei Hähne auf einem Platz. Julia Wehnert ergänzte zudem, dass extrem geschützte Falter, Insektenarten und Pflanzenarten vermutlich dadurch nicht erhalten werden könnten.

Skibetrieb nur noch mit extremem Aufwand möglich

Der BN führte außerdem an, dass durch die immer weiter fortschreitenden Auswirkungen der Klimakrise ein Skibetrieb in dieser Höhenlage (Seilbahn zwischen 900 und 1.450 m) nur noch mit einem immensen Aufwand an künstlicher Beschneiung möglich wäre. Die Pläne sehen vor, die künstliche Beschneiung von ca. 9 auf ca. 24 ha auszuweiten. Dazu soll ein neues, zwei Fußballfelder großes Speicherbecken mit einem Volumen von über 43.000 m3 gebaut werden, dessen Dämme 15 Meter hoch würden. 

Kommerzialisierung des Berges und zusätzliche Klimagasemissionen

Weiterhin kritisierte der BN, dass mit der Sommerseilbahn eine Kommerzialisierung des gesamten Berges verbunden wäre. "Die Großgastronomie und die Seilbahn sollen sogar zweimal pro Woche bis 24:00 Uhr für Feiern und Veranstaltungen betrieben werden", sagte der BN-Regionalreferent für Allgäu und Schwaben Thomas Frey. Daneben sollen in Shops auch diverse Outdoorangebote, wie Gleitschirmfliegen oder ein Kletterausrüstungsverleih angeboten werden. Außerdem würden mit dem Projekt zusätzliche  Klimagasemissionen durch Bau, Anlage und Betrieb einhergehen. Geplant sind zum Beispiel bis zu vierstöckige Bauwerke als Talstation, Mittelstation und Bergstation.

Anwalt: Massive Eingriffe sind nicht genehmigungsfähig

Der Rechtsanwalt des BUND Naturschutz Dirk Teßmer ergänzte, das es auch rechtlich an allen Ecken und Enden an den grundlegenden Voraussetzungen für das Projekt fehle. Teßmer kritisierte, dass die vorgelegten Pläne die Beeinträchtigungen nicht ansatzweiße ausreichend beachten würden. "Die massiven Eingriffe in ein Landschaftsschutzgebiet mit erheblichen Auswirkungen auf das europäische Fauna-Flora-Habitat-Gebiet am Gipfelstock des Grünten sind nicht genehmigungsfähig", schloß Teßmer.

Die ausführliche Stellungnahme des BUND Naturschutz zu den Ausbauplänen des Grünten finden sie hier. 

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