Dorfleben
Bürger machen sich für Laden stark

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«In Niedersonthofen geht uns der Dorfladen schwer ab,» sagte bei der Mobilen Redaktion in Waltenhofen Peter Nessler. Hermann Siegel bekräftigte, dass es früher etliche Läden gab. «Aber einer nach dem anderen hörte auf. Es gibt auch keine Poststelle mehr.» Nessler, Siegel und andere Mitstreiter versuchen nun mit Unterstützung der Gemeinde ein Dorfladenkonzept umzusetzen, das ein Lebensmittelgeschäft mit dem Tourismusbüro und einer Kräuterwerkstatt kombinieren soll.

Vor rund einem Jahr machte der Dorfladen in Niedersonthofen dicht, weil die Betreiberin mit fast 70 Jahren aufhörte. Ein Nachfolger war nicht in Sicht. «In einem Dorf mit 890 Einwohnern kann sich so ein Laden alleine gar nicht tragen,» ist Nessler überzeugt. «Da braucht man ein Gesamtkonzept und eine gute Frequentierung.» Deshalb sei die Idee mit Kräuterwerkstatt und Tourismusbüro geboren worden. Übers gemeindliche Tourismusbüro soll den Betreibern ein Grundeinkommen gesichert werden. Warum engagiert sich Nessler (er ist auch Gemeinderat der Grünen) so intensiv für seine Heimat? «Weil unser Dorf einfach schön ist,» sagt der Landwirt und weist auf das «ausgeprägte kulturelle Leben» hin. Beim Allgäuer Jodlertag sei Niedersonthofen beispielsweise oft mit den meisten Gruppen vertreten.

Es gebe eine attraktive Dorfmitte mit Kirche und schöner Wirtschaft, ein Fernsehgeschäft sei am Ort sowie ein kombinierter Foto- und Schreibwarenladen, eine Bäckerei, ein Getränkemarkt, eine Bankfiliale und kleine Handwerksbetriebe. «Wie wichtig ein Lebensmittelladen für unser Dorf ist, merken wir erst jetzt», ergänzt Hermann Siegel. Ohne solch ein Geschäft fehle der Treffpunkt.

80-Stunden-Woche

Viel los ist hingegen im Heggener Dorfladen. Kinder kaufen Süßes für ein paar Cent, Bauarbeiter holen sich Wurstsemmeln und Familienmütter besorgen Milch, Eier und Mehl. Und doch sagt Marktleiter Cornelius Baur: «Der Umsatz ist zurückgegangen.»

Seit 1982 betreibt der Ronsberger das Lebensmittelgeschäft in Hegge. Früher hatten der 59-Jährige und seine Frau drei Mitarbeiter, heute beschäftigen sie nur noch eine 400-Euro-Kraft. Die Arbeitstage (Montag bis Samstag) beginnen um halb fünf Uhr. Den Stammkunden - viele ältere Menschen, die schlecht zu Fuß sind - liefern Baurs das Gewünschte nach Hause. Großeinkäufe macht kaum einer mehr im kleinen Laden. «Die erledigen die Heggener Familien wohl auf der Heimfahrt von der Arbeit,» vermutet das Ehepaar.

Und wie gehts weiter? Bis zu seiner Rente will Cornelius Baur auf alle Fälle weitermachen. Allerdings glaubt er nicht daran, einen Nachfolger finden zu können. «Wer will schon 80 Stunden pro Woche arbeiten?»

«Ich brauche nicht viel»

Renate König leitet den Miniladen in Oberdorf seit 17 Jahren. Ihre frühere Chefin war in Rente gegangen «und ich mach das jetzt weiter, so lange es gesundheitlich geht».

Das Arbeiten macht der 69-Jährigen Spaß. «Wäre ich nur noch daheim, würde mir etwas fehlen.» Sie hat auch den Eindruck, dass die Oberdorfer den kleinen Lebensmittelladen vor Ort schätzen. Reich werde sie durch die Einnahmen nicht, «aber ich brauche nicht viel».

 

 

 

Intaktes Dorf mit schöner Wirtschaft, Kirche und kleinen Läden: Niedersonthofen. Vor einem Jahr machte jedoch das Lebensmittelgeschäft zu. Die Niedersonthofener entwickeln eine Art Dorfladenkonzept, um die entstandene Lücke zu schließen. Foto: Ernst

 

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