Amtsgericht
Brutaler Fußtritt gegen Opfer, das am Boden liegt

Die Szenerie erinnert in fataler Weise an die Exzesse Jugendlicher, die erst vor Kurzem in München wegen ihres brutalen Vorgehens gegenüber Passanten zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Vor dem Jugendschöffengericht in Sonthofen mussten sich jetzt vier Burschen verantworten, weil sie im März am Bahnhof der Kreisstadt zwei andere junge Leute zusammengeschlagen hatten. Besonders erschreckend, wie der Haupttäter sich vergessen hatte. Als das eine der beiden Opfer, getroffen von Faustschlägen und Fußtritten längst am Boden lag, trat er den Hilflosen noch mit voller Wucht gegen den Schädel. Dafür muss der junge Mann nun drei Jahre ins Gefängnis einrücken. Die weniger belasteten Mittäter kamen mit Jugendarrest davon. Sie müssen Schmerzensgeld an den Verletzten bezahlen, der in die Intensivstation einer Klinik gebracht werden musste.

Vor bleibenden Schäden bewahrt

Im Zuhörerraum des Gerichtssaals stöhnte immer wieder eine Frau auf, als Zeugen das brutale Vorgehen des Hauptangeklagten schilderten. «Nur mit viel, viel Glück stehen Sie nicht wegen versuchten Mordes vor Gericht», verdeutlichte die Vorsitzende Richterin Brigitte Gramatte-Dresse dem jungen Mann den Ernst der Lage. Das Opfer konnte bei dem letzten brutalen Übergriff gerade noch die Hände vors Gesicht halten. So blieb er vor bleibenden Schäden verschont. Er und sein ebenfalls verprügelter Freund sagten ebenso vor Gericht aus wie unbeteiligte Zeuginnen, die versucht hatten, dem Treiben ein Ende zu setzen.

Das Quartett mit den lockeren Fäusten war bereits schwer angetrunken, bevor man sich vom Bahnhof aus in einen Partybus nach Marktoberdorf setzen wollte. «Vorglühen» heißt das unter jungen Leuten. Auch die beiden Opfer, mit denen es zunächst nur ein «Geschubse» gegeben hatte, waren berauscht.

Erst nach einigen Ermahnungen durch die Richterin rückten drei der Vier mit der vollen Wahrheit über den Ablauf der Schlägerei heraus. Zudem entschuldigten sie sich bei dem besonders malträtierten Opfer für ihr Tun, das der Verteidiger in seinem Plädoyer für den Hauptangeklagten als «Kampfhahn-Gehabe» bezeichnete. Seiner Forderung nach einem bloßen Jugendarrest für seinen Mandanten entsprach das Schöffengericht nicht. Es ging dagegen sogar beim Haupttäter über das vom Staatsanwalt geforderte Strafmaß von einem Jahr und neun Monaten hinaus.

«Wer schlägt, der sitzt», hatte es der Staatsanwalt formuliert.

Verhängte Strafe mit Missmut quittiert

Dies war auch die Maxime für die Richterin und ihre beiden Schöffen. Sie hatten bei ihrem Urteil über den Haupttäter dessen Vorstrafen und dessen vorgefundenen «schädlichen Neigungen» berücksichtigt. Mit Missmut quittierte der Verurteilte die verhängte Strafe, während seine drei Kumpel die Jugendarreste postwendend akzeptierten.

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