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Video vom Eisbaden in der Iller
Bei Minusgraden ins Wasser gehen - Verrückt oder doch eher gesund?

Eileen Schwaninger (24) geht in die Iller.
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  • Eileen Schwaninger (24) geht in die Iller.
  • Foto: Benjamin Liss
  • hochgeladen von Eileen Schwaninger

Draußen hat es eisige Temperaturen und am liebsten möchte man sich in die warme Badewanne legen. Doch warum nicht einfach mal ins kalte Wasser springen? Den Begriff Eisbaden oder Winterbaden kennt man eventuell schon, aber was genau bringt Eisbaden? Tut man sich und seiner Gesundheit damit wirklich einen Gefallen?

all-in.de hat bei Dr. Rudolf Nelissen nachgefragt, der selbst Hobby-Eisbader ist. Dr. Nelissen gehört schon seit  30 Jahren zu den "Eisbadern" und ist damit als Arzt für den gesundheitlichen Aspekt der perfekte Ansprechpartner. 

Was ist Eisbaden denn überhaupt?

Winterbaden, oder auch Eisbaden genannt, hat in vielen Ländern eine lange Tradition. Gerade in den nördlichen Breitengraden rund um Finnland und Russland ist Baden in einem Eisloch durchaus angesehen und beliebt. Winter- oder Eisbaden ist das Baden bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt. Man steigt bis zur Brust ins Wasser. Regelmäßiges Eisbaden kann das Immunsystem stärken und so vor Infekten schützen. 

Eintauchen in das kalte Wasser soll die körperliche Leistungsfähigkeit steigern. Der Körper reagiert auf die niedrigen Temperaturen mit der Ausschüttung von wertvollen Stoffen wie Adrenalin, Endorphinen und entzündungshemmenden Hormonen. 

Eileen Schwaninger (24) geht in die Iller.
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Wie schnell oder langsam sollte man ins Wasser gehen?

"Langsam ins Wasser", rät der Arzt Dr. Nelissen. "Je plötzlicher und ausgedehnter der Kältereiz, desto stärker die vegetativen Reaktionen." Wasserschocks sind auch schon bei 20 Grad Wassertemperatur möglich. Das bedeutet: Es kommt nicht so sehr auf die Wassertemperatur an, als vielmehr auf die Temperaturdifferenz zwischen Wasser- und Umgebungstemperatur. "Das ist die Grundlage der alten Baderegel: Nicht überhitzt oder nach starker Sonneneinstrahlung plötzlich ins Wasser", so Dr. Nelissen.

Wichtig zu beachten ist auch, dass man nie alleine ins Wasser gehen sollte, beziehungsweise immer eine Person dabei hat, falls etwas passiert. 

Hat Eisbaden positive Auswirkungen auf die Psyche oder auf den Körper?

"Wissenschaftliche Untersuchungen gibt es dazu nicht. Was ich persönlich sagen kann, ist, dass es hinterher euphorisch macht. Hängt wohl mit der Adrenalinausschüttung zusammen", so Dr. Nelissen. Einige Eisbader behaupten, dass durch das Eisbaden ein gewisser "Abhärtungseffekt" gegen Kälte entstehen würde. Dr. Nelissen hält das allerdings für übertrieben. 

Für wen ist Eisbaden tabu?

Wer Herz- oder Gefäßprobleme hat, für den ist Eisbaden tabu. Auszuschließen vom Eisbaden sind alle, die unter folgenden Krankheiten leiden:

  • erhöhten Blutdruck
  • Herzkranzgefäßerkrankungen
  • Weißfingerkrankheit
  • Grüner Star
  • Flammer-Syndrom
  • Herzschwäche
  • schlecht schließende Herzklappen
  • Neigungen zu Herzrhythmusstörungen
  • Kälte-Allergie

Generell darf man vor dem Eisbbaden keinen Alkohol trinken. Wer sich krank oder körperlich nicht fit fühlt, sollte an Land bleiben. Damit man sich nicht unterkühlt, ist es wichtig, nicht zu lange im kalten Wasser zu bleiben, und nach dem Bad sollte man sich nicht zu schnell aufwärmen.

Was passiert beim Eintauchen ins eisig kalte Wasser?

Der Anfang ist wohl am schwierigsten, denn nicht nur körperlich, sondern auch psychisch ist es eine Herausforderung, ins kalte Wasser zu gehen. Sobald man die ersten Schritte ins kalte Wasser wagt, merkt man schnell, wie Adrenalin ausgeschüttet wird. Man gerät in eine Art Schockzustand, der Atem wird ganz schnell und die Gedanken sind plötzlich verschwunden. Man ist nur noch im Hier und Jetzt. 

Laut Dr. Nelissen lassen sich die körperlichen Reaktionen beim Eintauchen in Eis-Wasser in vier Stadien einteilen. Stadium 1 und Stadium 2 lassen sich hierbei trainieren. 

Stadium 1 - (auch Wasserschock oder Eintauchschock) genannt:

  • Die Hautgefäße verengen sich, um den Wärmeabfluss zu minimieren. Dabei kann der Blutdruck drastisch ansteigen. Ebenso hat man einen starken Zwang zum Einatmen, was bei ungewollten Stürzen ins Wasser zum unmittelbaren Ertrinken führen kann. 
  • Typisch ist außerdem eine stark erhöhte Herzfrequenz, die im schlimmsten Fall zum Herzstillstand führen kann.

Bei diesem Stadium macht es laut Dr. Nelissen einen großen Unterschied, ob man gewollt oder ungewollt, bekleidet oder unbekleidet ins Wasser eintaucht. Für Untrainierte kann ein ungewollter Sturz ins Wasser möglicherweise tödlich enden. 

Stadium 2 - muskuläres Schwimmversagen:
Nach ungefähr drei Minuten im Eiswasser tritt Stadium 2 ein. Relevant ist das vor allem für diejenigen, die im Eiswasser eine Strecke schwimmen wollen bzw. müssen.

  • Die Muskelkraft sinkt im Eiswasser rapide.  
  • Bei einem Temperaturabfall von 37 auf 20 Grad halbiert sich die Kraft bereits. Auch die Nervenleitgeschwindigkeit und somit auch die muskuläre Koordination sinken.

TEST: Unterarme 10 Minuten in Eiswasser legen und dann sofort Schuhe binden oder die Haustüre aufschließen. Es wird nicht gelingen. 

Stadium 3 und 4 - Unterkühlung/Untertemperatur und Nachkühlung:
Für Eisbader/Eisschwimmer (von den ganz harten Streckenschwimmern abgesehen) nicht relevant. Hier tritt nach etwa 60 Minuten (je nach Strömung, Kleidung, Körperbau und Körperposition) der Tod durch Unterkühlung ein. 

Die Wim-Hof-Methode

Die wissenschaftlich anerkannte Methode des niederländischen Extremsportlers Wim Hof besteht aus einer speziellen Atemtechnik. Diese Atemtechnik soll dabei helfen, den Körper, vor allem aber die eigene Widerstandskraft zu stärken. Durch das bewusste Atmen soll man Hitze ebensogut ertragen können wie Kälte.

Eileen Schwaninger (24) geht in die Iller.
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