Musiksommer 1
Bayerisches Landesjugendorchester gibt beim Oberstdorfer Musiksommer beeindruckendes Konzert

Hell heben sich die Hosenträger vom dunklen Hemd ab. Unkonventionell wie sein Dress wirkt auch das Programm, das Dirigent Olivier Tardy mit dem Bayerischen Landesjugendorchesters für den Oberstdorfer Musiksommer einstudiert hat. Drei Werke aus den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts bilden das Zentrum, höchst anspruchsvoll nicht nur für die Musiker.

Auch den Hörern in der Sonthofer Kirche St. Michael wird einiges abverlangt - und sie antworten darauf mit Begeisterungsstürmen. Denn der französische Dirigent lässt die jungen Musiker nicht nur frisch, forsch und ausdrucksvoll aufspielen, er erweckt mit ihnen auch präzise und stilvoll den Charakter der einzelnen Werke.

Tor zur Welt der Wiener Klassik

Schon der Auftakt, Mozarts Ouvertüre zur << Zauberflöte >>, ist alles andere als eine Pflichtübung: Schwungvoll im Tempo, schlank im Ton und spannungsvoll in der Dramaturgie öffnet das Opernvorspiel das Tor zur Welt der Wiener Klassik. Jenem Reich, dem auch das Flötenkonzert des Dänen Carl Nielsen Reverenz erweist. 1926 in Paris uraufgeführt, offenbart es eine gänzliche Abkehr von der Spätromantik.

Kammermusikalische Transparenz und kräftige dissonante Pointen beherrschen das zweisätzige, farbenreiche Werk, in dem auch die schöne Melodie nicht zu kurz kommt - von Solistin Andrea Lieberknecht in weiten Bögen angestimmt. Den Geist mediterraner Heiterkeit, den die aus Augsburg stammende Flötistin und das Orchester hoch differenziert beschwören, verscheucht die Tanzsuite von Béla Bartók.

1923 entstanden, verarbeitet der Komponist darin Volksgut aus Ungarn, Rumänien, der Slowakei und Arabien. Das glutvolle Temperament und der dunkle, erdige Ton der sechs Sätze verdeutlichen das ungekünstelte und ungebändigte Wesen dieser Folklore.

Mit erstaunlich filigranen Klangspielereien einerseits und Spannungsentladungen von schockierender Gewalt andererseits bereitet das bestens disponierte Orchester damit den Weg zu Ausschnitten aus dem Ballett << Romeo und Julia >> von Sergej Prokofjev.

Dort gebären dann Hochmut und Hass einen monströsen Dämon, der zwei junge Liebende an verblendeten Menschen verzweifeln und scheitern lässt. Plastisch-drastisch schildern die Musiker dieses Schicksal nach Shakespeare, spätromantisches Pathos, kühle Sachlichkeit und klassizistische Musizierlust immer wieder anklingen lassend.

Der Bayerische Rundfunk sendet eine Konzertaufzeichnung am Montag, 22. August (10.05 Uhr), auf BR-Klassik.

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