Drogenprozess
An der weichen Droge gehen viele kaputt

Beim vermeintlich verharmlosenden Wort von den «weichen Drogen», etwa Marihuana, gerät Richterin Brigitte Gramatte-Dresse regelmäßig in Rage. So auch gestern bei einem Drogenprozess vor der Schöffeninstanz des Amtsgerichts Sonthofen, dem bereits ein Verhandlungstermin Ende Dezember vorausgegangen war. Nunmehr ist ein 23-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten als Rauschgift-Dealer verurteilt worden, wobei die Beihilfe zu einer Drogen-Beschaffungsfahrt nach Holland eine wichtige Rolle einnahm. «Cannabis macht einen Großteil der Menschen kaputt», reflektierte die Richterin ihre Justiz-Erfahrungen mit Beschuldigten und Opfern der «weichen Droge».

Die Wahrheitsfindung geriet, wie schon beim vorausgegangenen Gerichtstermin nicht so schulmäßig, wie es Beobachter für gewöhnlich erleben. Stellenweise ging es im Gerichtssaal chaotisch zu, was auch an dem herbeizitierten Hauptzeugen lag, der beim letzten Mal gefehlt hatte und dem seinerzeit aufwendig hinterhertelefoniert worden war.

Heftige Wortwechsel

Diesmal tauchte er zwar nach einer Schreckviertelstunde des Vermisstendaseins auf. Sonst hätte das Verfahren erneut vertagt werden müssen. Doch was der Freund des Angeklagten vortrug, begriff die Richterin weitgehend als Entlastungsversuch. Dass Brigitte Gramatte-Dresse den Zeugen derart in die Mangel nahm, brachte zwischendrin auch den Verteidiger des Angeklagten auf.

Es gab manchen heftigen Wortwechsel im Gerichtssaal, zumal bei der Zeugenbefragung offenkundig wurde, dass der Angeklagte und der alte Kumpel vor dem jetzigen Fortsetzungstermin Kontakt miteinander hatten. Richterin und Staatsanwalt witterten eine Absprache.

Der bereits zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte Freund hatte sich auf eine Reise nach Holland begeben, um dort für 3500 Euro weit mehr als ein Pfund «Gras» zu besorgen und dann in Oberstdorf in der lokalen Rauschgiftszene mit Gewinn abzusetzen. Er wurde allerdings auf der Rückreise in Rheinland-Pfalz von der Polizei geschnappt.

«Ehrenwerter Geschäftspartner» sollte der Angeklagte sein, obwohl der Zeuge zugleich nach Strich und Faden versuchte, seinen Freund zu entlasten und einen dritten jungen Mann im Bunde als Drahtzieher und Mittelpunkt der hiesigen Drogenszene zu brandmarken.

Nur ein Laufbursche?

So habe jener - er ist bereits wegen Drogenhandels verurteilt - damit geprahlt, pro Monat 30 bis 50 Kilogramm Rauschgift in den Niederlanden zu besorgen und drei Kurier-Autos am Laufen zu haben. Sein Freund sei hingegen nur «Neger» gewesen, wie es in der Szene heißt, ein Laufbursche. Der Verteidiger wollte über seinen Mandanten allenfalls eine siebenmonatige Bewährungsstrafe verhängt wissen. Der Richterin schwante schon während des zähflüssigen Ablaufs, dass lediglich die Spitze des Eisbergs im lokalen Drogenhandel zu erkennen sei.

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