Amtsgericht
Amtsgericht Sonthofen verurteilt 22-Jährigen wegen Brandstiftung zu Freiheitsstrafe auf Bewährung

Die Stichflamme - ja, an die Stichflamme könne er sich noch erinnern. Viel mehr konnte der 22-jährige Angeklagte nicht beitragen zur Aufklärung einer Nacht, in der er gleich zweimal in Sonthofen Feuer gelegt hatte.

Was die Staatsanwaltschaft bei dem jetzigen Verfahren vor dem Amtsgericht Sonthofen dem Angeklagten zur Last legte, liest sich wie ein Beziehungsdrama: Vor der Wohnung seiner Ex-Freundin, die ihn wenige Monate zuvor verlassen hatte, kippte der 22-Jährige - nach einer durchzechten Nacht - einen fremden Motorroller um und entzündete mit einem Feuerzeug das auslaufende Benzin.

Außerdem legte er Feuer im Tank des Autos seiner Ex-Freundin, die zu dem Zeitpunkt in ihrer Wohnung schlief und von alledem nichts mitbekam. Dann ergriff der junge Mann die Flucht, wobei er einer Zeugin begegnete. << Er war ein bisschen nervös und aufgedreht >>, sagte die junge Frau vor Gericht aus. << Außerdem kam er direkt aus der Richtung, wo es brannte und hatte nicht die Feuerwehr verständigt.

>> Das sei ihr verdächtig erschienen, so die Zeugin. Der Roller geriet so stark in Brand, dass umstehende Fahrzeuge und das anliegende Gebäude beschädigt wurden. Nur durch das beherzte Eingreifen der verständigten Polizisten, die den Brand weitgehend unter Kontrolle brachten, bis die Feuerwehr eintraf, kamen durch die Tat keine Personen zu Schaden. Der mutmaßliche Täter schlief derweil bei einem Freund seinen Rausch aus.

Vor Gericht gab sich der 22-jährige Oberallgäuer geständig. Er erinnere sich zwar nicht, aber er gehe davon aus, dass er auch den Brand in dem Auto gelegt habe. Das hatte er auch bereits kurz nach der Tat seiner Ex-Freundin gebeichtet, der er zusicherte << er wolle ihr nichts Böses.

>> Auch den entstandenen Schaden hat der junge Mann weitgehend beglichen. Dazu musste er bisher rund 3500 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Dennoch wurde er vom Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt und muss eine Geldbuße von 1500 Euro bezahlen. Ist eine Verurteilung von mehr als einem Jahr Gefängnis zu erwarten, muss die Schöffeninstanz beim Amtsgericht ran.

Die Strafe wurde auf Bewährung ausgesetzt. Auch weil der Angeklagte einwilligte, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, um seine Probleme in den Griff zu bekommen. Zudem erhielt er als Bewährungsauflage, keinen Alkohol mehr zu trinken und sich regelmäßig auf Drogen untersuchen zu lassen. << Ich bin schon lange auf der Suche danach, was an mir anders ist als an einem anderen Kerl >>, schilderte der Angeklagte - emotional bewegt - vor Gericht.

<< Aber ich glaube, dass es jetzt geht und endlich vorbei ist. >> Der vorbestrafte Mann war bereits zweimal unter Alkoholeinfluss gewalttätig geworden. Ein psychologisches Gutachten bescheinigte dem Angeklagten, der seit dem Alter von 13 Jahren Drogen konsumiert, starke Stimmungsschwankungen, die er versuche im Sinne einer << Selbstmedikation >> mit Drogen auszugleichen.

<< Dem Verbrechen liegt eine psychische Störung zugrunde und nicht nur Alkoholkonsum >> begründete Richterin Brigitte Gramatte-Dresse das Urteil. Sie ließ aber keinen Zweifel daran, dass es die letzte Chance für den Angeklagten sei. << Sie haben immer noch die eigene Entscheidung, damit aufzuhören >>, sagte Gramatte-Dresse. Die Richterin rief dem Angeklagten aber gleichzeitig die Schwere seiner Tat in Erinnerung.

<< Was Sie getan haben, ist ein Verbrechen >>, so die Richterin. << Dabei hätten Menschen zu Schaden kommen können. >> Der Angeklagte signalisierte, das Urteil annehmen zu wollen. Er bat sich aber Bedenkzeit aus.

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