Klezmer
A Glezele Vayn - Weinen und Lachen in Sonthofen

'A Glezele Vayn' – allzu wörtlich nahmen sie ihren jiddischen Namen (ein Gläschen Wein) nicht. Auf der Bühne der Sonthofer Kultur-Werkstatt sah man brav und korrekt nur Wasser kursieren. Trotzdem war die Stimmung auf der Bühne und entsprechend auch im Saal sehr beschwingt, als das Quartett durch die Musik Osteuropas reiste. Mit kleinen Abstechern in die Alpen.

Melodien aus jüdischer Quelle oder 'normaler' Balkan-Folk sind die Quellen, aus denen das Quartett schöpft. Manchmal ist auch ein Ländler oder anderes alpiner Herkunft dabei. Doch egal woher das Stück stammt: Das 'Glezele' drückt jedem Stil seinen Stempel auf. Beim Musikstudium in Hildesheim (bei Hannover) lernten sie sich kennen.

Klarinettist Achim Rinderle stammt aus dem Allgäu, lebt inzwischen auch wieder hier (Immenstadt), die anderen reisten aus dem Norden an: Szilvia Csaranko (Akkordeon), Jacobus Thiele (Percussion und Gitarre) und Johannes Keller (Bass).

Rinderle entlockt seiner Klarinette die glucksenden, lachenden und weinenden Klezmer-Töne, die wir von Giora Feidman kennen. Mit seinem Instrument singt und spricht er, ist er verwachsen. Drei verschiedene Hüte werden je nach musikalischem Genre getauscht. Seine Stimme hört man nicht nur mit trockenem Humor bei den Ansagen, sondern manchmal auch als Sprechgesang auf lautmalende Silben in die Musik hineingemischt.

Ein schwarzhumoriges Lied

Csaranko umspielt die Melodie auf dem Akkordeon. Eine perfekte Verbindung. Keller baut ein stabiles Fundament auf dem Bass. Und Thiele schlägt den Rhythmus auf hölzernen Löffeln, einer Trommel vor dem Bauch – oder auf der Darbuka so geschickt, wie das sonst nur Orientalen auf dieser Kelch-Trommel können.

Zwischendurch wechselt der Rhythmus in krumme Regionen (Fünf und Sieben), Csaranko spielt auch die Klavier-Tasten, oder Rinderle singt ein selbstgemachtes schwarzhumoriges Lied wie 'Der Klarinettenhasser'. Bis nach Rumänien und Armenien geht die weite Reise.

Jene typische Mischung aus Fröhlichkeit und Melancholie, den Nährboden dieser Musik, haben die vier so verinnerlicht – schließt man die Augen, würde man nicht vermuten, dass hier vier Deutsche am Werk sind.

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