Medizin
«Schwester Verah» soll Hausärzten helfen

Einige Oberallgäuer Hausärzte machen sich Sorgen um die Auswirkungen eines zu wenig attraktiven Berufs: Frage ist nicht, ob es für die Allgemeinmediziner in zehn Jahren noch Arbeit gibt, sondern, wie sie sie bewältigen können. Denn die Zahl der Hausärzte wird massiv schrumpfen. Das meint Boris Ott, Vorsitzender des Hausärztevereins Oberallgäu. Hoffnungen setzen er und andere Mediziner nun auf «Schwester Verah». Dahinter verbirgt sich keine besonders fleißige Arzthelferin, die von Praxis zu Praxis eilt, sondern die Abkürzung für «Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis (VERAH)» - also speziell geschulte Mitarbeiter.

Sie sollen Hausärzte bei der täglichen Arbeit und der Versorgung chronisch kranker Menschen entlasten. Die 44-jährige Birgit Porkert ist Arzthelferin in Blaichach. Als geschulte «VERAH»-Kraft darf sie Hausbesuche machen und im Auftrag des Arztes Verschiedenes allein machen - etwa Verbände wechseln, Blutdruck messen oder die Einnahme von Medikamenten überwachen. Die Herausforderungen sind dabei größer, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Beispiel Tabletten: Mancher Senior nimmt seine Wassertabletten heimlich doch nicht oder vergisst es, und wundert sich dann, wenn die Füße immer dicker werden.

«Da ist es von Vorteil, wenn man seine Patienten kennt», sagt Porkert. Auch im Vergleich zu Pflegediensten, wo es immer wieder mal wechselndes Personal gebe. Dazu kommt laut Ott, dass der Arzt auch seine Versorgungsassistentin kennt und ihr Urteil einschätzen kann. Schließlich soll «Schwester Verah» ihren Hausarzt entlasten und ihm Zeit für andere Aufgaben verschaffen, ohne dass die Qualität der Versorgung leidet. Im Gegenteil. Die Fortbildung für medizinische Fachangestellte und Arzthelferinnen in Hausarztpraxen soll die Qualität sichern.

Die Hausärzte seien ja gefordert, ihren Praxisbetrieb auf die Zukunft einzustellen, so Ott. Denn da gibt es wohl deutlich mehr Patienten für weniger Ärzte. Im südlichen Oberallgäu seien nur noch zehn Prozent der Hausärzte unter 40 Jahre alt und zwei Drittel über 50.

Es sei für ältere Kollegen immer schwieriger, Nachfolger für ihre Hausarztpraxis zu finden, so Ott. Und es wird nicht besser mit dem Nachwuchs: Zuletzt machten in Bayern demnach ganze sieben junge Mediziner die Prüfung als Allgemeinarzt.

«Schwester Verah» wird also im Qualitätsmanagement der Hausarztpraxen eine immer größere Rolle spielen. Sie macht nicht nur Hausbesuche, sondern übernimmt auch Koordinierungsaufgaben, unterstützt bei Prävention und Praxisorganisation. Die Fortbildung dazu umfasst zwölf Tage, eine Hausarbeit und eine mündliche Prüfung.

«Ganz wesentlich ist: Man muss sich trauen», sagt Birgit Porkert aus ihrer bisherigen Erfahrung. Und je öfter man alleine Hausbesuche mache, desto besser laufe es. Ihre Grenzen könne sie auch dank der Ausbildung gut abschätzen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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