Special Wirtschaft im Allgäu SPECIAL

"Milchpreise wie vor 45 Jahren"
BDM demonstriert mit 100 Traktoren in Heimenkirch gegen "beschissene Marktstellung"

Mit rund 100 Traktoren und 200 Teilnehmern hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Freitag vor der Firma Hochland SE in Heimenkirch demonstriert.
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  • Mit rund 100 Traktoren und 200 Teilnehmern hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Freitag vor der Firma Hochland SE in Heimenkirch demonstriert.
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Mit rund 100 Traktoren und 200 Teilnehmern hat der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) am Freitag vor der Firma Hochland SE in Heimenkirch demonstriert. Der BDM fordert eine Erhöhung des Milchpreises um 15 Cent. "Aktuell liegt der Milchpreis mit 36 Cent, so hoch wie vor 40 bis 45 Jahren", so BDM-Ehrenvorsitzender Romuald Schaber. "Das kann doch nicht sein."

BDM will Marktstellung verbessern

Manfred Gilch, BDM-Landesvoristzender in Bayern, stellte gleich zu Beginn der Demo klar: "Wir sind heute nicht hier, um für ein oder zwei Cent mehr zu betteln." Stattdessen gehe es dem BDM zentral darum, die "beschissene Marktstellung" der Bauern zu verbessern, um so mittel- und langfristig deutlich höhere Milchpreise erzielen zu können.

Das gehe nur, wenn man die Lieferbeziehungen mit den Molkereien verbessern würde. Doch vor allem die großen Molkereien würden Veränderungen ablehnen und gegen Vorschläge des BDM "mauern". Um das zu symbolisieren, bauten die Demonstranten auch eine sieben Meer lange und zwei Meter hohe Mauer auf, die dann unter dem Motto "Schluss mit Mauern" von den Landwirten umgeschmissen wurde.

Aktivisten sehen Politik in der Verantwortung 

Laut Gilch würden sich die großen Molkereien beim Milchpreis gegenüber der Politik mit der Argumentation herausreden, dass im Vergleich zum Durchschnitt höhere Milchpreise bezahlen würden. So zahlt Hochland sogar den zweithöchsten Milchpreis in ganz Bayern. Gilch wirft der Politik eine "Branchen-Gläubigkeit" vor. Denn allgemein sei das Grundniveau des Milchpreises viel zu niedrig. "Die Aktion soll daher auch ein Fingerzeig in Richtung der Politik sein", meint Gilch. Die Interessen der Milchbauern und der Molkereien seien zu unterschiedlich, als dass eine Einigung erzielt werden könne. Daher müsse die Politik Vorgaben machen und rote Linien ziehen.

Auch Maria Heubuch von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht die Politik in der Verantwortung. Von selbst werden die Molkereien nichts unternehmen, um die Situation der Milchbauern zu verbessern. Dafür seien die Interessenslagen zu unterschiedlich.

Bauern werden zum "Spielball der Molkereien"

In einem sind sich alle Redner auf der Demonstration einig: So wie jetzt kann es nicht bleiben. Die Situation der Bauern sei unhaltbar geworden, so Gilch. Während die Produktionskosten stetig gestiegen sind, blieb der Milchpreis "stabil niedrig" und das obwohl sich der Milchmarkt deutlich nach oben entwickelt habe, erläuterte Gilch. Beim Milchpreis sei die Steigerung nicht angekommen. Er beklagt außerdem, dass die Bauern immer mehr "zum Spielball der Molkereien" werden würden. Die Molkerei zu wechseln, werde für die Landwirte immer schwieriger. Außerdem seien die Bauern stark von den Molkereien abhängig. 

Ortsdurchfahrt gesperrt 

Neben der Aktion in Heimenkirch demonstrierte der BDM auch in Niedersachsen vor zwei Molkereien. Dass die Wahl in Bayern auf Hochland fiel, ist kein Zufall, denn der Hochland-Vorstandsvorsitzende Peter Stahl ist gleichzeitig auch der Vorsitzender des Milchindustrieverbands (MIV) und "hat daher bei Milchpreis eine ordentliche Portion mitzureden", wie es Gilch formulierte. Wegen der Demonstration war die B32 in der Ortsdurchfahrt Heimenkirch zwischen der Bachstraße und Tannenfelsstraße zwischen 9:00 Uhr und 14:00 Uhr vollständig für den Verkehr gesperrt.

Milcherzeugergemeinschaften stellen sich gegen Protest vor Hochland

Allerdings stehen nicht alle Milcherzeuger hinter der Demonstration in Heimenkirch. Laut einem Bericht von agrarheute haben sich acht Milcherzeugergemeinschaften (MEG), die Vertragspartner von Hochland sind, gegen die Demonstration vor der Firma Hochland ausgesprochen. Demnach betonten die MEG-Vorsiztenden in einer Erklärung "überhaupt kein Verständnis" für die "exemplarische Auswahl der Molkerei Hochland für die Protestaktion" zu haben. Die Protestaktion würde ein Unternehmen treffen, das nicht nur Vorreiter im Milchpreis sei, sondern überdies soziale Verantwortung beweise, wird Thomas Bertl, der Sprecher der Hochland-Milcherzeugergemeinschaften in dem Bericht zitiert. 

Für höheren Milchpreis: BDM demonstriert am Freitag vor Hochland in Heimenkirch

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