Special B12-Ausbau: Der Allgäu Schnellweg Special

Riesige Folie neben der B12
BUND Naturschutz kämpft mit Aktion gegen "Allgäu-Autobahn"

Aktion des Bund Naturschutzes: Eine große schwarze Folie soll den Flächenverbrauch durch den Ausbau der B12 darstellen.
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  • Aktion des Bund Naturschutzes: Eine große schwarze Folie soll den Flächenverbrauch durch den Ausbau der B12 darstellen.
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"Wir müssen eine zukunftsfähige Verkehrspolitik betreiben, sonst haben unsere Kinder und Enkel keinen Spaß mehr mit uns", mahnt Josef Kreuzer, Vorsitzender der Kreisgruppe Kaufbeuren-Ostallgäu des Bund Naturschutzes am Mittwoch neben der B12 bei Germaringen. Dort kamen am Mittag rund 50 Mitglieder zusammen, um ein Zeichen gegen den geplanten Ausbau der Bundesstraße zu setzen und den daraus resultierenden Flächenverbrauch darzustellen.

"Zukunftsfähige Verkehrspolitik statt Allgäu-Autobahn" heißt es auf einem Transparent des Vereins. Dann breiten die Naturschützer eine etwa 400 Quadratmeter große schwarze Folie aus, die die zusätzliche Fläche der B12 nach dem Ausbau darstellen soll. "Ich glaube, da hat man heute mal in etwa eine Vorstellung davon bekommen, was dieser Ausbau an Flächenverbrauch bedeutet", so Kreuzer weiter. Bisher habe man die Pläne nur auf Papier gesehen, die tatsächlichen Ausmaße könne man sich damit aber nur schwer vorstellen.

Laut Bauamt: "Ausbau ist zwingend notwendig."

Vor Ort waren auch rund zehn Mitarbeiter des Staatlichen Bauamts Kempten. Der Behörde war es wichtig, dem Bund Naturschutz die realistische Darstellung des Ausbaus mit dieser Aktion zu ermöglichen, erklärt Thomas Hanrieder, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt in Kempten und zuständig für die Planung von Großprojekten. Die Mitarbeiter des Bauamts übernahmen an der B12 die Verkehrssicherung.

Trotz der "Corona-Nachwehen" stelle das Amt fest, dass der Verkehr "leider wieder fast auf dem Niveau angekommen ist, wie er vorher war", so Hanrieder weiter. Das sei auch einer der Angriffspunkte des Bund Naturschutzes. Laut dem Abteilungsleiter sei die Hoffnung, dass irgendwann ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinde. "Aber die Realität ist momentan eine andere", ergänzt Hahnrieder. Auch für die nächsten zehn bis 20 Jahre zeichne sich auch ohne den Ausbau eine Zunahme des Verkehrs ab. Dieser müsse leistungsfähig und sicher abgewickelt werden.

Für das Bauamt steht deshalb fest: Der Ausbau ist zwingend notwendig. Als weiteren Grund spricht Hanrieder auch die vielen Fahrzeuge an, die jeden Tag die etwa 50 Kilometer lange strecke fahren: rund 15.000 bis 20.000. Die Straße sei schon heute am Anschlag der Leistungsfähigkeit. Dadurch komme es auch zu mehr Unfällen. In einem Zeitraum von fünf Jahren komme es laut Hanrieder zu etwa 350 bis 400 Unfällen, zehn Unfalltoten und etwa 85 schwerst Verletzten. "Das soll kein Totschlagkriterium sein, aber das sind die Fakten", so der Abteilungsleiter weiter. "Das macht den Ausbau zwingend notwendig."

Keine weitere Rennstrecke für Münchner und Augsburger

Etwas anders sieht das der Vorsitzende der Kreisgruppe Kaufbeuren-Ostallgäu. Nach Meinung von Kreuzer würde ein durchgehender dreispuriger Ausbau von Buchloe nach Kempten mit einem Überholverbot für Lkw ausreichen. Außerdem meint der Vorsitzende: "Es macht keinen Sinn, eine weitere Rennstrecke für die Münchner und Augsburger zu bauen, damit man noch schnell für einen Tagesausflug im Allgäu ist". Und das besonders vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen um die zahlreichen Ausflügler im Allgäu.

Als Alternativen zum B12-Ausbau schlägt der Bund Naturschutz stattdessen zum Beispiel die Elektrifizierung der Bahnstrecke Buchloe-Kempten vor. Mit dem Geld für die vierspurige Allgäu-Autobahn könne die parallel-verlaufende Bahnstrecke problemlos elektrifiziert werden. Der Vorteil: So könnten, laut Bund Naturschutz, Emissionen eingespart und der Anschluss an die Großstädte verbessert werden. Im Zuge des Bahnausbaus könnten außerdem neue Haltepunkte in Aitrang, Ruderatshofen, Wildpoldsried, Betzigau, Kaufbeuren-Nord und Pforzen/Rieden errichtet werden. Und für die Verkehrssicherheit schlägt der Bund vor, an Gefahrenstellen Geschwindigkeitsbeschränkungen, Überholverbote und eventuell auch kleinräumige bauliche Maßnahmen umzusetzen.

Eine "echte Alternative"

"Tolle Vorschläge, was den öffentlichen Nahverkehr betrifft, haben wir zuhauf auf dem Tisch", ergänzt Kreuzer. "Aber jeder von uns weiß: Der öffentliche Nahverkehr wird nur akzeptiert, wenn er gut ist, wenn er wohnortnah ist und wenn er zu merkfähigen, überschaubaren, regelmäßigen Zeiten ist." Ein Ausbau und eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs könnte laut Kreuzer eine echte Alternative sein.

"Jeder Bürger kann seine persönlichen Einwände noch geltend machen."

Noch bis zum 15. August könne jeder Bürger seine persönlichen Einwände gegen den geplanten Ausbau der B12 geltend machen, erklärt der Kreisgruppen-Vorsitzende. Der erste Abschnitt, von Buchloe nach Untergermaringen, liege schließlich jetzt erst aus.

"Wir haben noch fünf Planungsabschnitte vor uns. Und selbst wenn das passieren würde, was ich nicht hoffe, dass dieser Abschnitt sechs so ausgebaut wird, dann hindert uns niemand daran, den Abschnitt fünf bis eins anders zu bauen", erläutert Kreuzer. Er sei guter Dinge, wenn er heute sehe, "dass es nicht mehr nur so ein versprengtes Häufchen verträumter Bund-Naturschutz-Leute ist, die da irgendwie bunten Träumen nachhängen". Stattdessen seien es auch Landwirte, die durch den Flächenfraß in ihrer Existenz bedroht sind.

Abschließend zieht Kreuzer ein positives Fazit: "Ich denke, wenn wir hier zusammenhalten und auch den Bürgern klar machen, dass ein dreispuriger Ausbau bis Kempten reichen wird, dann bin ich guter Hoffnung." Naturschützer seien zudem pathologische Optimisten, fügt er lachend hinzu.

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