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Pfrontener Bergsteiger will in den Anden alle Seven Summits besteigen

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Der Pfrontener Bergsteiger Toni Freudig will alle 'Seven Summits' der Anden in Südamerika besteigen. Fünf dazu zählende Gipfel hat er bereits in der Tasche und schon in wenigen Wochen könnte er mit großer Wahrscheinlichkeit der erste Europäer sein, der diese sieben Gipfel Lateinamerikas alle bestiegen hat.

Freudig, 54 Jahre alter Bergführer, fehlen noch der Ritacuba Blanco (5.410 Meter) in Kolumbien und der 4.978 Meter hohe Pico Bolivar in Venezuela. Die fünf anderen Gipfel hatte der Ostallgäuer Alpinist bereits in den vergangenen Jahren bestiegen, darunter der Aconcagua - fast 7.000 Meter hoch.

Soweit Freudig bekannt, hat bisher erst ein Bergsteiger aus Guatemala und ein weiterer aus Costa Rica alle 'Seven Summits' der Anden bestiegen. Doch der Inhaber einer Bergschule möchte die Gipfel auch noch zusätzlich sehr sportlich bezwingen. Das heißt: alleine, ohne Hochlager und ohne fremde Hilfe. Außerdem will er möglichst schnell unterwegs sein.

Wir haben uns einen Tag vor seiner Abreise nach Südamerika mit Toni Freudig in Pfronten getroffen.

Bei welchem Berg bzw. welcher Nummer sind Sie denn jetzt aktuell?

Nummer sechs und Nummer sieben sind jetzt dran, fünf habe ich bereits hinter mir. Vergangenen Juli gelang mir derHuascaran. Das war eigentlich die größte Nummer. 2.150 Höhenmeter waren zu bewältigen. Der Berg ist stark vergletschert, folglich für jemanden, der alleine unterwegs ist etwas gefährlich. Da musste ich gut aufpassen. Normalerweise geht man den Berg mit Seilsicherung, aber das hat ganz gut geklappt.

Man wünscht sich dann immer etwas schneller gewesen zu sein, aber ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Zeit. Ich lege Wert darauf das auch einigermaßen schnell hinzubekommen. Beim Huascaran habe ich 7 ¾ Stunden gebraucht. Das ist nicht schlecht, normalerweise sind Bergsteiger von dem Ausgangspunkt aus so drei bis vier Tage unterwegs.

Warum lassen Sie sich nicht auch drei Tage Zeit? Woher kommt ihr Ehrgeiz mit der Zeit?

Aus der einen Sicht ist es einfach ein sportlicher Anreiz. Aus der anderen Sicht hat es sich so ergeben, weil ich nicht so viel Zeit hatte. Der dritte Anreiz besteht wohl darin, dass es noch niemanden gibt, soweit bekannt, der es in einer bestimmten Zeit versucht hat. Es gibt überhaupt noch kaum Leute die die Seven Summits der Anden gemacht haben.

Es sind eigentlich nur zwei bekannt, einer aus Costa Rica und einer aus Guatemala und die haben das in der normalen Besteigungszeit durchgeführt. Und jetzt war es ein besonderer Reiz das so zu machen, dass man eine gute Zeit hat um somit der Schnellste gewesen zu sein. Mir ist ganz klar ich bin nicht mehr der Jüngste und auch nicht der Beste. Es ist durchaus möglich, dass meine Zeit bald mal getoppt wird. Also 'bald' in Anführungszeichen, denn in der Regel dauert es schon ein paar Jahre, bis man so eine Sammlung zusammen hat.

Versuchen Sie Nummer sechs und sieben in der gleichen Zeit zu schaffen, ist das realistisch?

Nummer sechs könnte ganz gut gehen, da sind es lediglich so 1.300/1.400 Höhenmeter. Das machen sehr viele Leute an einem Tag. Der Berg ist auch nicht so stark vergletschert in Kolumbien. Ritacuba Blanco heißt er. Voraussichtlich wird das die einfachste Geschichte, allerdings vom Wetter her nicht so stabil. Ich lasse mich mal überraschen, aber der dürfte nicht so tragisch sein.

In Venezuela wartet dann der Pico Bolivar. Das ist der Berg, der zwar die geringste absolute Höhe hat, aber klettertechnisch am Schwierigsten ist. Da gilt es den dritten Schwierigkeitsgrad zu meistern im oberen Bereich und wenn man schon ziemlich ausgepowert ist und der Fels brüchig, muss man sehr aufpassen. Der liegt mir schon noch etwas schwer im Magen.

Wie bereiten Sie sich auf so ein Vorhaben vor?

Wenn man Zeit hat, trainiert man natürlich Zuhause. Allerdings hatte ich diesen Sommer und Herbst keine Zeit, also gab es kein Training. Aber ich bin ja zuvor mit einer Gruppe zwei, drei Wochen unterwegs, da werden auch Berge bestiegen und da kann sich der Körper gut akklimatisieren. Und diese Akklimatisation ist sehr viel wert. Vielleicht zum Vergleich, wir haben hier vor der Haustür den Breitenberg, der hat 1.000 Höhenmeter. Wenn man Berge mit 6.000 Metern besteigt und auch eine relative Höhe von 1.000 Metern zu bewältigen hat, dann ist die Anstrengung mindestens zwei- bis dreimal so hoch.

Wenn man akklimatisiert ist, kann man wiederum die Zeit in etwa halbieren. Allerdings, wenn man so lange unterwegs ist in solchen Ländern, gibt es noch eine andere Kurve, die nach unten zeigt. Das allgemeine körperliche Befinden. In diesen Ländern isst man weniger, weil man hat gar nicht so die Gelegenheit dazu hat, dadurch nimmt man ab und wird körperlich geschwächt. Auch kann man sich leicht irgendeine Erkrankung hohlen und auch psychisch natürlich kann es sein, dass man nicht mehr die Kraft hat so etwas durchzuziehen.

Wie motivieren Sie sich, wenn Sie an so einen Punkt kommen?

Ich kann nicht sagen woher die Motivation kommt. Ich denke, das steckt in den Menschen einfach drin, das sie Ehrgeiz entwickeln können oder auch nicht.

Wieso laufen Sie alleine und nicht im Team, wo man sich gegenseitig unterstützen kann?

Ich laufe nicht immer alleine. Ich bin zuvor mit einer Gruppe unterwegs und das ist auch sehr schön. Aber so ein Projekt im Team durchzuziehen ist für mich einfach nicht möglich. Ich hänge es ja an die Reise hinten an und bräuchte dann einen Partner, der erstens natürlich die entsprechenden sportlichen Voraussetzungen hat, zweitens die Zeit und den Urlaub zusammen bringt und bereit ist einiges zu zahlen, weil es ja dann auch teuer wird. Daher hat es sich einfach so ergeben, dass ich das alleine mache.

Jetzt fahren ja viele in Ihrem Alten einfach nur Ski oder gehen klettern. Warum machen Sie so etwas Extremes? Was reizt sie daran?

Ich möchte sagen das Besondere. Wie eingangs erwähnt, sind ja diese Gipfelkollektionen nicht neu und es hat einen besonderen Reiz so etwas zu machen, was andere Leute halt noch nicht gemacht haben. Auch liegt ein besonderer Reiz darin, dass man so Sammlungen vervollständigt.

Wie lange sind Sie schon dabei?

Die Idee an sich ist noch nicht so alt, erst ein knappes Jahr. Der erste Berg den ich in dieser Art bestiegen habe, war der Aconcagua. Das war im Jahr 2010, aber da habe ich noch nicht an diese Idee gedacht. Da hatte ich eine andere Idee im Kopf. Die drei Pole Amerikas. Aber das hat nicht funktioniert. Das habe ich dann aufs Eis gelegt. Schließlich war ich am Chimborazo in Ecuador, also dem höchsten Berg von Ecuador, diesen habe ich auch alleine und auf Zeit gemacht. Erst danach gebar die Idee die Seven Summits von Amerika zu besteigen.

Wann planen Sie wieder zurück zu sein?

So Mitte Dezember ist der Rückflug geplant. Wenn alles gut läuft könnte es sein, dass es sich um ein paar Tage verfrüht.

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