Eishockey
Interview mit Kapitän des EV Füssen in der DNL vor dem Derby heute gegen Kaufbeuren

Natürlich habe er Zeit. Sogar viel Zeit, sagt Joseph Lewis beinahe schon zynisch. Arbeiten? Momentan nicht drin. Eishockey? Erst gar nicht dran zu denken. Der 19-Jährige hat sich vor einer Woche beim Spiel des EV Füssen sein Handgelenk gebrochen. Ausgerechnet jetzt, da für die Mannschaft in der Deutschen Nachwuchsliga die wohl wichtigste Phase der Saison anbricht. Ausgerechnet jetzt, vor dem großen Derby: Heute, Samstag, gastiert um 18.30 Uhr Erzrivale Kaufbeuren beim EVF. Nie war das Duell für die Nachwuchsteams beider Vereine so wichtig wie jetzt. Kapitän Joseph Lewis aber ist nur Zuschauer.

Wann hast Du gemerkt, dass etwas mit der Hand nicht stimmt?

Joseph Lewis: Während des Spiels gegen Mannheim schon. Ich habe nach einem Check einen Schlag auf meine Hand gekriegt und bin vom Eis. Ich konnte aber mein Handgelenk bewegen und dachte, dass nichts gebrochen ist.

Nach der Partie musstest Du aber doch ins Krankenhaus – und da kam die Diagnose: Handgelenk gebrochen! Was ist Dir durch den Kopf gegangen?

Lewis: Ich habe geweint. Ich habe gedacht, dass alles futsch ist: die Saison, mein Platz als bester Scorer der Liga. Dass ich dem Team jetzt nicht mehr helfen kann, dass ich nicht mehr hier in Deutschland bleiben kann. Alles.

Und dann kam das Spiel gegen Kaufbeuren heute in Füssen in den Sinn

Lewis: Genau. Ich würde gerne spielen. Im letzten Spiel gegen Kaufbeuren lief es für uns und auch für mich selber richtig gut. Jetzt nicht spielen zu können, tut richtig weh.

Wie lange wirst Du ausfallen?

Lewis: Tauno (Teamarzt Tauno Zobel, Anm. der Redaktion) hat gesagt, dass es ganz gut aussieht: Es ist ein glatter Bruch. Aber fünf oder sechs Wochen kann ich mindestens nicht dabei sein.

Dann wäre die reguläre Saison rum.

Lewis: Ja, aber ich hoffe, dass sich die Mannschaft für die Play-offs qualifiziert. Die beginnen Anfang März: Da will ich dann wieder mitspielen.

Bis dahin musst Du zuschauen, das wird sicher nicht leicht, oder?

Lewis: Das war am Sonntag, im zweiten Spiel in Mannheim schon schwer. Und es wird gegen Kaufbeuren noch mal schwerer. Nur zuschauen zu können, weil man verletzt ist, ist für jeden Sportler schlimm. Aber ich gebe auch auf der Tribüne alles.

Das müssen Deine Teamkollegen unten auf dem Eis auch: In der Liga ist es eng. Von Platz vier bis zum Abstieg ist alles möglich

Lewis: Es geht in die wichtigste Phase der Saison: Wir brauchen jetzt am besten schnell vier Siege, um uns ein bisschen Luft zu verschaffen. So hätten wir auch mit dem Abstieg nichts mehr zu tun.

Und Ihr braucht dringend ein Erfolgserlebnis: Die letzten sieben Spiele gingen alle in die Hose. Was war los?

Lewis: Wir hatten Probleme, weil wir nicht immer komplett waren. Es haben die Spieler aus der ersten Mannschaft gefehlt. Dazu kam vielleicht auch, dass wir ein bisschen müde waren. Insofern war die Pause vielleicht ganz gut für uns. Auch wenn wir mit zwei Niederlagen in Mannheim gestartet sind.

Nach einer furiosen ersten Saisonhälfte mit Platz vier und nun sieben Pleiten in Folge stellt sich die Frage: Wo steht der EV Füssen denn nun?

Lewis: Wenn wir komplett sind, dann können wir auch alle schlagen. In der Liga sind Mannheim, Berlin und Bad Tölz sicher die stärksten Mannschaften. Danach könnten wir schon kommen. Wir haben abgesehen von Berlin, Mannheim und Tölz alle anderen Teams geschlagen. Wenn die vor uns stehen, kann was nicht stimmen.

Aber erst in den nächsten Spielen wird sich entscheiden, wohin die Reise für den EV Füssen geht.

Lewis: Ja. Wir müssen in den nächsten neun Spielen zeigen, wo wir hingehören. Jetzt sind Charakter, Herz und Zusammenhalt gefragt. Alle anderen Mannschaften sind bereit. Wir müssen es auch sein.

Welche Bedeutung kommt dem Spiel gegen Kaufbeuren zu?

Lewis: Ich denke, dass es ein Knackpunkt sein kann. Wenn wir gewinnen, wovon ich ausgehe, verschaffen wir uns wieder etwas mehr Luft und einen Vorsprung im Rennen um die Play-offs. Sollten wir verlieren, dann wird es eng – und sicher sehr schwer.

Weil dann auf einmal der Abstieg Thema ist?

Lewis: Ja. Da müssen wir vorbeugen, am besten erst einmal die vier nächsten Spiele gewinnen. Aber wir brauchen wieder ein Erfolgserlebnis.

Welche Rolle spielt, dass ausgerechnet Kaufbeuren mit einem Erfolg in Füssen an Euch vorbeiziehen kann?

Lewis: Das wäre bitter. Das will keiner von uns – deshalb werden wir uns auch mit aller Kraft dagegen wehren. Und ich bin sicher, dass das klappt.

Was macht Dich so zuversichtlich?

Lewis: Ich weiß, dass wir das bessere Team haben. Klar ist aber auch, dass der Druck bei uns liegt. Aber ich bin mir sicher, dass auch Kaufbeuren gewinnen will – und genau liegt wieder unsere Chance.

Wie geht man am besten ins Derby gegen den großen Rivalen?

Lewis: Wir müssen aufpassen, dürfen uns auf keinen Fall provozieren lassen. Wir sind stärker, die Jungs müssen an sich glauben. Vor Kaufbeuren muss man keine Angst haben: Deren Defensive ist verwundbar – und wir haben starke Stürmer.

Wie wichtig ist ein Erfolg der Mannschaft für den verletzten Kapitän ?

Lewis: Das wäre super für mich: für die Psyche und die Moral. Es würde mir helfen, keine Frage.

Dein Tipp, wie geht das Spiel aus?

Lewis: Es fallen viele Tore. 6:4 für uns.

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