Eishockey
Fast unbemerkt hat Füssens Kapitän Eric Nadeau sein Dasein als Profi beendet

Er ist ein Kämpfer. Ein Vorbild. Und von manchen seiner Teamkollegen beim EV Füssen könnte er auch der Vater sein. Theoretisch zumindest. Eric Nadeau ist ein Spieler, der immer hundert Prozent gibt. Das sagen die Fans. Das sagt sein neuer Arbeitgeber, die Firma Schanner Eishockeyartikel, und das sagt er selbst.

"Das Leben ist nicht einfach, da muss jeder seinen Weg finden", weiß der ehemalige Eishockeyprofi. Mit seinen inzwischen 37 Jahren bastelt er gerade an seiner zweiten Karriere: als Einkäufer für Eishockeyausrüstung.

Als Nadeau seine erste Karriere als Spieler beginnt, weiß er, dass sie endlich ist. 'Man kann nicht als Profi Eishockey spielen, bis man sechzig ist. Dafür ist der Sport zu hart', sagt er. Deshalb studierte der gebürtige Kanadier neben dem Sport Betriebswirtschaftslehre. Vor zwölf Jahren kam er nach Deutschland und spielte seitdem als Profi für die EA Kempten, den EV Füssen und in der zweiten Bundesliga für die Ravensburg Tower Stars.

'Mittlerweile habe ich eine Frau, zwei Kinder, einen Hund und Verantwortung', sagt der Kapitän des EV Füssen. 'Ich habe zwar keine Angst, aber ich muss auch sehen, wie es bei mir weitergeht.' Ans Aufhören aber denkt der ins Amateurlager gewechselte Stürmer längst nicht. 'Ich möchte so lange spielen, wie es geht.' Am liebsten natürlich in Füssen, wo er nun ins Berufsleben eingestiegen ist.

Als Profi kaufte er seine Ausrüstung stets bei der Firma Schanner in Füssen. 'Wir wussten schon immer, dass der Eric gut zu uns passen würde', sagt Geschäftsführer Marc Meier. Als dann der Chefeinkäufer in Altersteilzeit geht und eine rechte Hand für den neuen gesucht wird, bewirbt sich Nadeau um den Posten.

'So wie er auf dem Eis ist, ist er auch in der Firma: zielstrebig, verantwortungsbewusst, ehrgeizig und vorbildhaft', schwärmt Meier. Eric Nadeau spricht fließend deutsch, englisch und französisch und ist damit prädestiniert für den Einkauf auf dem kanadischen Markt. Zudem kennt er die Produkte aus eigener Erfahrung. 'Das ist eine wirkliche Win-win-Situation', sagt Meier.

Eric Nadeau selbst findet, dass er das große Los gezogen hat: 'Ich sehe die neuesten Schläger – und bleibe in Kontakt mit dem Eishockey.' Zwar sind die Tage nun länger und stressiger, doch als Ausgleich wartet das Training beim EV Füssen.

Der beliebte Stürmer arbeitet täglich von acht bis 17 Uhr in der Firma, dienstags, mittwochs und donnerstags ist im Anschluss Training, dafür ist freitags um 13 Uhr Feierabend – wären da nicht die Spiele am Wochenende. 'Es gibt Tage, da gehe ich um sieben Uhr aus dem Haus und komme erst um neun Uhr abends oder noch später wieder', sagt Nadeau. 'Ohne die Unterstützung meiner Frau wäre das nicht möglich.'

Trotzdem fühlt er sich auf dem Eis so stark wie eh und je: 'Meine Kondition hat nicht nachgelassen.' Zumal er tagsüber eher mental arbeite und abends auf dem Eis dann körperlich. 'Manchmal fehlt nach einem Auswärtsspiel am Sonntagabend nur die Zeit zur Regeneration', verrät er. Schließlich muss er am Montagmorgen wieder am Schreibtisch sitzen, während sich einige Kollegen im Bett noch einmal umdrehen können.

Für das Heimspiel am Sonntag um 18 Uhr gegen die Passau Black Hawks ist Nadeau gewappnet: 'Es tut mir leid für unseren ehemaligen Trainer Dave Rich, aber wir werden ihm und seiner neuen Mannschaft sicher nichts schenken.' Schließlich wolle Füssen nach der Hauptrunde unter den vier ersten Mannschaften im Süden bleiben, um sich in der Qualifikationsrunde den Heimvorteil zu sichern.

Dafür braucht das Team von Georg Holzmann jeden Punkt. 'Der vergangene Monat war bedingt durch die vielen Verletzungen sehr anstrengend, aber wir spielen, um zu gewinnen', sagt Eric Nadeau und ist einmal mehr Vorbild für seine jungen Teamkollegen. Würden sie ihn fragen, er hätte auch noch einen väterlichen Tipp für sie parat: 'Macht die Schule oder die Lehre zu Ende, im Eishockey weiß man nie, was kommt.'

Ein unermüdlicher Kämpfer: Auch mit inzwischen 37 Jahren geht Eric Nadeau auf dem Eis noch mit gutem Vorbild voran. Sein Dasein als Profi hat Füssens Kapitän aber aufgegeben und ist künftig nur noch als Amateur im Einsatz. Archivfoto: Köhntopp

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