Eishockey
Erschöpft, aber glücklich

Am Ende eines langen Abends sollte Veit Holzmann recht behalten: Zwar war der Jungspund des EV Füssen erst einige Minuten in der Arena, doch das Geschehen auf dem Eis hatte er von der Tribüne aus bereits analysiert - und er wusste, wie die Partie des EV Füssen gegen Tabellenführer EC Bad Tölz ausgehen würde. «Entscheidend wird sein, wer nach hinten raus mehr Kraft hat», sagte der Stürmer, der am Mittag bereits für die Junioren im Einsatz war und daher am Sonntagabend nur Zaungast war, in der zweiten Pause. Zeitgleich war er sich der 18-jährige Sohn des Trainers bereits sicher: «Kräftemäßig sind wir im Vorteil - und sollten auch gewinnen.» Holzmanns Prophezeiung trat eine gute halbe Stunde später ein: In der Verlängerung traf Füssens Torjäger Sascha Holz zum 3:2 und sorgte in der mit 1549 Zuschauern nicht einmal halb vollen Arena für lautstarken Jubel unter Füssens Anhängern.

«Schönes Gefühl», gestand Kapitän Eric Nadeau, der sich mit seinem Team noch kurz von den Fans feiern ließ, erschöpft. Tatsächlich hatten die Leoparden in den beiden Stunden zuvor einen Kraftakt vollbracht: Kaum drei Reihen konnte Georg Holzmann zu Beginn des Duells der beiden Altmeister aufbieten: Der wiedergenesene Marc Bernier und Kollege Sebastian Wolsch schoben in der Defensive bereits Doppelschichten. Als dann im Verlauf der Partie zudem Johannes Mayr und Joel Tisch ausschieden, war der Trainer gezwungen, auf nur noch zwei Reihen umzustellen. Und doch hatte der EV Füssen das bessere Ende für sich. «Das war eine Energieleistung, die ich so nicht erwartet hatte», gestand Holzmann. «Ich ziehe vor jedem Spieler den Hut», adelte er seine Mannen.

Ohne ihren vierten Block konnten beide Teams aber nicht ihr gewohntes Spiel aufziehen: «Es war zu wenig Dampf drin», urteilte auch Gästetrainer Florian Funk. «Ich hatte von beiden Mannschaften ein völlig anderes Spiel erwartet.» Doch auch so boten die Kontrahenten Spannung bis zum Schluss. Der EV Füssen jedoch muss sich den Vorwurf gefallen lassen, den berühmten Sack nicht schon viel früher zugemacht zu haben - Möglichkeiten dafür waren genug da. Bereits im ersten Drittel verbuchten die Leoparden ein deutliches Plus an Chancen. Doch Tölz ging mit einem 1:0 in die Pause, tauchte aber kaum gefährlich vor dem Tor von André Irrgang auf.

Im zweiten Abschnitt brach Andrej Naumann den Bann: Er besorgte den Ausgleich und legte ein Drittel später die Führung nach, die der Tabellenführer indes noch in der regulären Spielzeit egalisierte.

Der Rest ist bekannt: In Überzahl markierte Holz in souveräner Manier das 3:2 nach Verlängerung. «Wir hatten am Ende die besseren Reserven», resümierte Holzmann senior. Daran hatte auch der einstige Nationalspieler nie gezweifelt. «Da waren Vater und Sohn wohl mal einer Meinung», scherzte er am Ende des Abends.

 

«Wir hätten eigentlich das 3:1 machen müssen.»

EVF-Coach Georg Holzmann

Hätte Georg Holzmann (rechts) einen Hut gehabt: Er hätte ihn vor seinen Spielern gezogen. Denn der Trainer war von der Leistung seines Teams angetan. Foto: Köhntopp

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