Seminar
Zur Lawinenpraxis auf den «Gletscher»

«Ein Glück dass es den Schwangauer Gletscher gibt», antwortete Bergführer Reiner Blöchl auf die Frage, wo der Praxisteil des Pfrontener Lawinenseminars stattfindet. Er meinte damit die schneesichere Skipiste der Tegelbergbahn. In der Nähe der Bergstation fanden die 50 Teilnehmer ein geeignetes Gelände, um unter Anleitung von vier staatlich geprüften Bergführern, unterstützt von Fachübungsleitern der Alpenvereinssektion Pfronten, den Umgang mit der Notfallausrüstung zu trainieren. Denn nicht nur der Umgang mit dem Verschütteten-Suchgerät (VS-Gerät), sondern auch das Sondieren und Ausschaufeln will geübt sein. Statt eines Tourenaufstiegs benutzten sie zur Zeitersparnis die Bahn.

Starkregen und Wärmeeinbruch hatten der zur Jahreswende noch guten Schneelage zugesetzt. Nur in höher gelegenen Schattenhängen wie am Tegelberg war noch eine geschlossene Schneedecke anzutreffen. Trotz der schwierigen Schneeverhältnisse war das Seminar nach Meinung von Teilnehmern ein voller Erfolg. «Es hat Spaß gemacht. Ein Lob an die Organisation und die Ausbilder», zog Barbara Lerch aus Hopferau ein positives Fazit.

Bereits zum sechsten Mal veranstalteten Pfrontener Alpenvereinssektion, Bergwacht Bayern, Bergführervereinigung Altissimo und Schuh-Sport Trenkle in Zusammenarbeit mit der Firma Ortovox das Lawinen-Seminar für Ostallgäuer Schneesportler.

Organisator Christoph Trenkle freute sich, dass die Veranstaltung erneut komplett ausgebucht war: «Unser Konzept mit einem ortsnahen Angebot, dem überschaubaren Teilnehmerkreis und dem Üben in Kleingruppen hat sich bewährt.» Nächstes Jahr soll das Seminar wiederholt werden.

Nicht nur Einsteiger nutzten den Kurs, um den Umgang mit der Notfallausrüstung zu üben, sondern etwa zur Hälfte auch «Wiederholer», um ihr Wissen aufzufrischen. «Man kann nicht oft genug üben und wiederholen», erklärte Helge Rust aus Pfronten, der schon einmal dabei war. «Es nutzt wenig, ein VS-Gerät mit sich rumzutragen, wenn man nicht weiß, wie man es zu bedienen hat», ergänzte Josef Bergmüller aus Pfronten.

Risiko lässt sich verringern

«Risikomanagement» wird großgeschrieben. «Bereits durch einfache Maßnahmen lässt sich das Lawinenrisiko reduzieren», erklärte Bergführer Thomas Hafenmair, der am Vorabend den theoretischen Teil bestritt. Entlastungsabstände auf der Tour gehören dazu, beim Aufstieg und bei der Abfahrt, Kleingruppen, Gefahrenzeichen unter-wegs und natürlich der Lawinenlagebericht (LLB).

«Er ist die Grundlage jeder Tourenplanung, ersetzt aber nicht die Einzelfallbeurteilung vor Ort», betonte Hafenmair. Der LLB informiert über die aktuelle Gefahrenstufe in einem Berggebiet, enthält aber darüber hinaus eine Reihe von Zusatzinformationen, die für die Beurteilung von Ort nützlich, aber den meisten Tourengehern unbekannt sind, wie eine Untersuchung des Deutschen Alpenvereins ergeben hat. Deshalb empfahl Hafenmair, den LLB auch auf Tour zur Hand zu nehmen.

Schon wenn auf steile Hänge verzichtet wird, lässt sich nach Expertenmeinung das Risiko einer Lawinenauslösung deutlich reduzieren.

«Der Kurs war ein Einstieg. Jetzt muss das Wissen vertieft werden», so Teilnehmerin Lerch.

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