Wochenende
Zeitreise auf dem Grund des Forggensees

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Wenn man Geschichte und Geschichten des Allgäus in konzentrierter Form sehen und erfahren will, dann ist ein Ausflug zum oder noch besser im Forggensee ein heißer Tipp. Der Füssener Magnus Peresson ist Forggenseespezialist. all-in.de war mit ihm unterwegs.

Auf den ersten Blick eine riesige karge, sandige Fläche. Hier ein bewachsener Hügel, da ein kleiner Wasserlauf, ansonsten Fläche. Beim Betreten des Seegrundes bläst einem der Wind heftig ins Gesicht. 'Ich hab’s Ihnen ja gesagt, ziehen Sie sich was Warmes drüber', sagt Magnus Peresson und gibt der Fotografin seinen Schal.

'Manchmal gibt es hier richtige Sandstürme!' Tatsächlich erinnert der scharfe Wind eher an eine Wattwanderung an der Nordsee, als an einen heimeligen See im beschaulichen Ostallgäu.

Peresson ist DER Kenner eines Sees, der die meiste Zeit des Jahres ohne Wasser auskommen muss, des Forggensees. Von Juni bis Mitte Oktober ist der Forggensee neben seiner Hauptaufgabe, der Energieerzeugung, Auffangbecken für Schmelz- und Hochwasser. Und inzwischen auch ein Naherholungsgebiet. Anfang der 50er Jahre wurde mit dem Bau der Talsperren begonnen, 1954 der Forggensee erstmals aufgestaut.

Nicht zimperlich

So wie uns, führt Magnus Peresson ein paar Mal im Jahr Touristen und interessierte Einheimische durch den Forggensee und erzählt die Geschichte und Geschichten. Geschichten über die Menschen, die hier noch bis vor wenigen Jahrzehnten gelebt haben.

Geschichten von Menschen, die wegziehen mussten, die mit Polizeigewalt aus ihren bereits überfluteten Häusern geholt wurden. 'Zimperlich waren die damals nicht mit den Bewohnern von Forggen', sagt Peresson. 'Hier sind die Kinder früher nach Schwangau zur Schule gegangen', sagt der 64-jährige Heimatkenner plötzlich. Tatsächlich, wir gehen auf einer Straße.

Wenn man genau hinsieht, erkennt man, wie sich ein Weg aus Kieselsteinen vom übrigen Seegrund abhebt. Sehr viel ist nicht übriggeblieben von den Höfen, die hier das Dorf Forggen bildeten. 'Alles, was man von den Häusern noch gebrauchen konnte, haben die damals mitgenommen', sagt Magnus Peresson.

Deshalb findet man auch nur wenig, was an die damalige Zeit erinnert. Ab und zu gibt der See ein Stück einer alten Dachziegel frei oder befördert alte Metallteile eines Ofens an die Oberfläche.

Gespenstische Stimmung

Betonfundamente von Ställen, Wege, die von der Dorfstraße zum Wohnhaus führten, das Fundament der alten Forggenmühle. Dazwischen der trockene, rissige Sandboden. Das alles wirkt gespenstisch. Es ist keine jahrhundertealte Keltensiedlung, sondern im Prinzip wenige Jahre her.

Von den Menschen, die damals vertrieben wurden, leben viele heute noch. Wenige allerdings am Forggensee. Sie haben die Zerstörung ihrer Heimat nicht überwunden, sind in alle Richtungen zerstreut.

Magnus Peresson lässt durch seine Geschichten das Dorf wieder entstehen. Die riesige karge, sandige Fläche lohnt einen zweiten Blick. Aber ziehen Sie sich was drüber!

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