Lautenmacher
Wie vor 450 Jahren die Füssener Tradition der Instrumentenbauer entstand

Was war der Grund dafür, dass der Lautenbau in der Stadt Füssen begann und später deren Künstler im norditalienischen Raum wie Venedig oder Padua sesshaft wurden und ihr Handwerk dominierten? Urs Langenbacher, Zupfinstrumentenbaumeister in Füssen, verstand es im Rahmen einer Führung im Museum der Stadt Füssen, darauf Antworten zu geben. Äußerer Anlass war das Jubiläum der Lautenmacherzunft als Wiege des gewerbemäßigen Lautenbaus, die in Füssen seit 450 Jahren besteht.

'Zum einen war es die Suche nach Möglichkeiten einer Beschäftigung und damit verbundenen Einkünften in der Winterzeit, wenn die Landwirtschaft ruhte', so Langenbacher. Hinzu kam, dass der Rohstoff für den Bau der Lauten vor der Haustüre wuchs.

Hölzer des Bergwalds wie die der Fichte, des Ahorns oder der Eibe verhalfen der Laute zu ihrem unverwechselbaren Klang. Auch die Aufenthalte von Kaiser Maximilian I. waren für das Handwerk sehr förderlich: Die kaiserlichen Besuche boten die einzigartige Chance, direkte Kontakte zu dessen Kapelle herzustellen, deren Bedarf an Saiteninstrumenten zu befriedigen und darüber hinaus europaweite Beziehungen zu knüpfen. Hinzu kam die strategisch günstige Lage, zum einen die Via Claudia und zum anderen die damals betriebene Lechflößerei.

'Diese Verkehrsanbindung ist nicht zu unterschätzen und die wirtschaftliche Verflechtung, schon alleine die Fugger in Augsburg als zahlungskräftige Kunden, tat ihr Übriges' verdeutlichte Langenbacher.

Die Lauten als solche gelangten vermutlich über das maurische Spanien, dort al’ud genannt, nach Europa und trugen in der europäischen Musikgeschichte entscheidend zur Entwicklung der Mehrstimmigkeit bei. 'Zunächst gab es im Lautenbau keine Normierung in Form und Größe, auch der harmonische Klang ließ zu wünschen übrig.'

Zunft sorgt für Qualität

Erst nachdem sich 1562 die in Füssen ortsansässigen Meister, zu dieser Zeit gab es rund 20 Werkstätten, zu einer Zunft zusammengeschlossen hatten, wurde hier eine Qualitätsverordnung erlassen. Sie besagte, dass derjenige, der als Meister anerkannt werden wollte, 'alle Teile einer Laute von Hand zu fertigen und der Meisterkandidat sein Meisterspiel selbst vorzuspielen hatte'. Durch diese Regelung sollte die Zunft auch wirtschaftlich zusammengehalten werden.

Im 16. und 17. Jahrhundert schwärmten die Füssener Lautenmacher aufgrund des Niedergangs der Handelsrouten vor Ort in Richtung Süden aus und dominierten dieses Handwerk dort fast wie ein Monopol.

Interessant dabei ist, dass sie auch ihren Namen 'italienisierten': So nannten sich beispielsweise Matthäus und Georg Seelos nun Matteo und Giorgio Sellas, aus Magnus Lang wurde Magno Longo und Michael Hartung nannte sich Michelle Harton.

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