Reportage
Wenn Weihnachten zur Nebensache wird

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Weihnachten ist das Fest der Liebe - die Tage im Jahr, an denen Menschen auf der ganzen Welt innehalten. Innehalten, um im Kreis der Familie zu feiern, gemütlich beisammenzusitzen - und die Arbeit guten Gewissens Arbeit sein zu lassen. Aber nicht alle Menschen können das Fest der Liebe in Ruhe genießen. Ob Polizist, Krankenschwester oder Altenpfleger - sie alle haben eines gemeinsam: Für sie sind die Festtage ganz normale Arbeitstage. Sie sorgen dafür, dass andere in Ruhe feiern können. Die Allgäuer Zeitung hat drei von ihnen an Weihnachten besucht.

Heiligabend, 16 Uhr. Innere Station des Krankenhauses Füssen: Ein Patient kann seine Freude kaum fassen, er wird pünktlich zum Fest entlassen. Von Krankenschwester Cathleen Köppe, die ihren Dienst mit Pfleger Johannes Bergmann um 13 Uhr begonnen hat, will der Mann noch genau wissen, wann er seine Medikamente einnehmen muss. Dann wünscht er im Rausgehen noch «frohe Weihnachten» - und ist weg. Die 45-jährige Köppe bleibt: Ihr Dienst geht noch bis 21.30 Uhr, den Heiligabend verbringt sie überwiegend arbeitend. Danach übernehmen Kollegen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag war sie erneut im Einsatz.

Alle Jahre wieder und das bereits seit zwanzig Jahren ist Familie Köppe wegen der Schichtdienste an Heiligabend viel später als andere Familien komplett. Aber ist das nicht gerade für die Kinder traurig? Cathleen Köppe schüttelt den lockigen Kopf. Sie lacht, als sie ihr kleines Geheimnis lüftet: «Ich stamme aus Malta. Da findet die weihnachtliche Bescherung traditionell erst am ersten Feiertag statt. Wir feiern also trotz meiner Arbeit in der Klinik auch dieses Jahr schöne Weihnachten.»

Seniorenheim St. Michael. Gerade macht Pierre Burske eine kleine Pause. «Zum ersten Mal habe ich Weihnachten nicht frei», sagt der 21-Jährige, der den Beruf des Altenpflegers erlernt. Schlimm ist das für den jungen Mann aber nicht - allenfalls ungewohnt.

Ob jetzt Weihnachten, ein anderer Feiertag oder ein ganz normaler Sonntag: «Wer sich wie ich bewusst für den Beruf des Altenpflegers entscheidet, weiß doch schon vorher, dass man regelmäßig dann arbeitet, wenn andere Leute Freizeit haben.» Zudem habe er an den drei Tagen jeweils um 19.45 Uhr Schluss. «Nach Feierabend kann ich daher mit meinen Eltern und meiner Freundin feiern», sagt er.

Nach seiner Pause schiebt Burske eine Seniorin im Rollstuhl in ihr Zimmer: «So, jetzt sind alle gut versorgt. Viele Heimbewohner haben Besuch oder sind zum Essen und zur Kirche von Verwandten abgeholt worden.» Es ist ruhiger geworden.

Polizeistation Füssen, erster Weihnachtstag, halb zwölf. Für die Kollegen der Schicht D ist gleich Schluss. Nach sechs Stunden im Einsatz geht es nach Hause - vorerst. Denn auch die zwölf Stunden der Nachtschicht übernehmen die Beamten um Gruppenleiter Rainer Lutz, die heuer am meisten Dienst haben. «An drei Tagen ist unsere Schicht insgesamt 30 Stunden im Einsatz», erklärt der 49- Jährige bei einem Besuch auf der Wache. Bei diesem Mammutprogramm gerät das Fest der Liebe nahezu zur Nebensache. «Weihnachten fällt aber nicht gleich aus», erklärt der Familienvater. «Es wird eben nur etwas komprimiert.» So sei er an Heiligabend wie andere Menschen auch in der Kirche gewesen.

In seiner über 30-jährigen Dienstzeit bei der Polizei ist es nicht das erste Fest, das Lutz auf der Wache verbringt. Inzwischen schätzt er gar die ruhige Atmosphäre an Weihnachten. Und für seine drei Kinder zwischen 14 und 19 Jahre sej das auch keinerlei Problem. «Wir schauen schon, dass Kollegen mit kleineren Kindern frei haben.» Das war bei ihm früher auch so gewesen. (ha/map)

 

Findet den Dienst an Weihnachten nicht schlimm: Pierre Burske. Fotos (2): Hacker

 

Bescherung war bei Krankenschwester Cathleen Köppe am ersten Weihnachtstag.

 

Hat einen ruhigen Dienst verbracht: Polizist Rainer Lutz. Foto: Peter

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