Rechtsextremismus
Vortrag über Rechtsextremismus am Gymnasium Füssen

Über den 'modernen Nazi' und seine neuen Methoden, Jugendliche zu ködern, klären Referenten Schüler bei Forum des Kreisjugendrings unter dem Motto 'Bunte Vielfalt statt braun' im Füssener Gymnasium auf. Es gibt zwar nicht gerade viele im Füssener Land: 'Uns sind hier etwa 15 rechtsgesinnte Personen bekannt', berichtet Michael Estenfelder. Wie der Leiter des Kommissariats Staatsschutz in Kempten betont, darf aber auch im ländlichen Ostallgäu die Gefahr von rechts nicht unterschätzt werden:

Gerade Jugendliche schlitterten meistens über Musik oder das Internet in die Szene hinein, weiß Wolf-Dieter Schuster, Regionalbeauftragter für Demokratie und Toleranz.

Um junge Menschen darüber aufzuklären, wie rechte Organisationen neuerdings versuchen, sie von ihrem alten Gedankengut zu überzeugen, hatte der Kreisjugendring (KJR) zum Forum 'Bunte Vielfalt statt braun' ins Füssener Gymnasium eingeladen.

Gleichzeitig ging es darum, den Schulterschluss zwischen allen im Kreistag vertretenen Parteien und dem KJR aufzuzeigen, dass man geschlossen gegen Rechtsextremismus steht. Den knapp 180 Schülern – von der Füssener Realschule, Mittelschule, Förderzentrum und den beiden Gymnasien mit Hohenschwangau – erklärt Referent Thomas Witzgall, was 'der moderne Nazi' im Schilde führt.

'Er hat sein Auftreten stark modernisiert', hat der Jurastudent beobachtet, der die rechte Szene seit gut sieben Jahren im Auge hat.

Rechtsextreme und Neonazis hätten sich aktuellen Umständen angepasst, aber 'noch immer dieselbe menschenverachtende Ideologie'. So würden politische Inhalte mit moderner Musik, beispielsweise Heavy Metal, und Kleidungsstil verbunden, um sich auf andere Jugendkulturszenen auszubreiten.

'Springerstiefel werden durch Turnschuhe ersetzt, die Bomberjacke durch sportliches Outfit', so Witzgall. Auch lange Haare statt kurze, Baseball-Caps oder Buttons an Taschen und Rucksäcken gehörten inzwischen dazu.

Soll heißen: Wer nationalistisch denkt, müsse sich keinem Kleidungsstil mehr unterwerfen und könne in der Szene mitmachen – 'solange er vom Denken her ein Nazi ist'. Darüber hinaus setzten rechte Gruppen sehr stark aufs Internet, weil sie sonst keinen Zugang zu Massenmedien hätten.

Online könnten sie ihre Berichterstattung diktieren und sich eine eigene ungefilterte Infrastruktur schaffen. Jugendliche sollen etwa mit Mobilisierungsvideos über die Plattform YouTube oder mit speziellen Seiten über das Netzwerk Facebook geködert werden.

'Und zwar über soziale oder emotionalisierte Themen, wie Kinderschänder, Zeitarbeit oder Antikapitalismus', so Witzgall. Dabei merke der Umworbene erst gar nicht, dass ihn ein 'moderner Nazi' anspricht. Dieser sei in Wirklichkeit aber antidemokratisch, rassistisch und parteienfeindlich.

'Es ist einfach, in die rechte Szene hineinzurutschen, aber ganz schwer, dort wieder herauszukommen', warnt Wolfgang Meyer von der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz.

Die NPD fahre derzeit ein 'Konzept der seriösen Radikalität', um keine Ansatzpunkte zu liefern, dass sie verfassungsfeindlich sei. Auch im Ostallgäu gebe es einen Kreisverband. Dessen Mitglieder würden aber kaum zutage treten.

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