Abschied
Von Füssen in die Dominikanische Republik

Gestern war es soweit: Nach 46 Jahren bei der Stadt Füssen endete für Edeltraud Maria Fischer ein langes Arbeitsleben. Die bei Kollegen beliebte Verwaltungsangestellte – sie war Stellvertreterin des Kassenverwalters – wurde von Bürgermeister Paul Iacob offiziell verabschiedet. Doch die größte Veränderung steht erst bevor: Mit ihrem Ehemann Federico de Jesus Mojica zieht 'Mausi', so ihr Spitzname, nach Mittelamerika. 'Die Füssener Wohnung wird in den nächsten Wochen komplett aufgelöst. Wir werden in einem Haus am Strand in der Dominikanischen Republik leben.' Wobei die Ruheständlerin ihre Brücken zur Heimatstadt wohl nicht ganz abbrechen wird.

Dabei hatte sich während der Lehrzeit keineswegs eine 46-jährige Verwaltungslaufbahn im Füssener Rathaus abgezeichnet. Ihr damaliger Chef sei entsetzt gewesen, als sie (offen, wie sie schon als Fräulein Fischer war) mitgeteilt hatte: 'Sobald ich die Prüfung bestanden habe, bin ich weg!'

Ehrlich, direkt und bei Bedarf auch kritisch: 'Sie war es, die für den Zusammenhalt über unsere Abteilung hinaus gesorgt hatte', sprach Kämmerer Helmut Schuster vielen Kollegen aus dem Herzen. Wobei es aufgrund flexiblen Arbeitszeiten schwieriger geworden sei, die von ihr als 'sehr wichtig' erachtete Kollegialität in der immer schnelllebigeren Zeit zu pflegen – etwa bei gelegentlichen Treffen nach Feierabend.

Dass die Mehrzahl der Hauseigentümer und Gewerbetreibenden in Füssen der Sachbearbeiterin bei Telefonaten oder früher häufig bei persönlichen Begegnungen das Leben 'nicht schwer gemacht haben', freute die Ruheständlerin besonders.

Nur ganz wenige Bürger seien 'auch mal ausfallend geworden' und hätten 'keinerlei Einsicht in Sachen Steuer' gezeigt, berichtet sie. Solche schlechte Manieren ließ sie sich freilich nicht bieten und legte in diesem Fall auch mal den Hörer auf.

'Zuwider waren mir die Mahnbescheide', erinnert sich die Angestellte. 'Diese Aufgabe habe ich richtig gehasst.' Insgesamt jedoch habe sie ihre Arbeit zumeist sehr gern gemacht.

'Mausi' Fischer engagierte sich im Personalrat und machte als lebenslang Lernende manch technische Neuerung mit – etwa mit Kollege Computer, den sie manches Mal auch als 'Blechtrottel' bezeichnete. Gleichwohl habe die elektronische Datenverarbeitung auch Etliches erleichtert. Bei ihrem Berufsstart beschäftigte die Stadt in der Kasse noch sechs Mitarbeiter, 'heute sind es drei.' Entsprechend hoch sei die Arbeitsbelastung.

Sie gehe nun 'mit gemischten Gefühlen', bekennt Fischer – und verrät zum Schluss augenzwinkernd, was es mit 'Mausi' auf sich hat. 'In der Füssener Volksschule wurde ich Mausel genannt.' Leicht abgewandelt, ist ihr dieser Kosename bis heute geblieben.

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