Instrumentenbau
Vom Maß der Dinge - Geigenausstellung in Füssen

Stradivari, Guarneri, Amati – bei diesen Namen schlagen die Herzen von Geigen-Fans höher. Der Faszination der legendären Geigenbauer aus Cremona (Norditalien) lässt sich bis 9. September in der Ausstellung 'Cremona – 500 Jahre Metropole des Geigenbaus' im Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang nachspüren.

'Die Cremoneser haben die Tradition der großen Namen', sagt der Füssener Geigenbauer Pierre Chaubert. Fünf unsterbliche Namen verbergen sich hinter den Instrumenten, die in den Schaukästen zu sehen sind: Andrea Amati, Francesco Rugeri, Antonio Stradivari, Giuseppe Guarneri del Gesu und Enrico Ceruti.

'An diesen Großen kommt kein Geigenbauer vorbei', sagt Geigenbauer Andreas Ott. Sein Meisterwerk ist eine Viola nach dem Modell von Antonio Stradivari. Da ist er nicht allein. Schon 200 Jahre vor ihm hat der bekannte Füssener Geigenbauer Franz Geißenhof, der nach Wien ausgewandert ist, Stradivari als Vorbild genommen.

Für Chaubert ist Stradivari die Koryphäe. Es ist kein Geheimnis, dass die Geigen des Cremonesers ein Optimum der Form und des Klanggehaltes bieten. So ist in der Ausstellung die von ihm gebaute Violine ' Il Vesuvio' ein Magnet, zumal man ihr mit dem auffällig roten Lack 'eruptive Kraft' zuschreibt.

'Freilich ist es für die Besucher eine Herausforderung, Unterscheidungen zu finden', räumt Achim Hofer, ein weiterer Geigenbauer ein. Doch Geige sei nicht gleich Geige. Die Füssener Geigenbauer sind sich einig, dass man aber auch als Laie beim Betrachten von Details sehr wohl Unterschiede feststellen kann.

Als Beispiele nennen sie die Wölbung der Instrumentendecke und des Instrumentenbodens, die Ausarbeitung der Schnecke, die Gestaltung der F-Löcher, die Verzierungen und Intarsien, die Lackierung und Abnützungserscheinungen.

Die Instrumente Guarneris mit ihren oft etwas kleineren Formaten, können nach Meinung Hofers ' optisch den Geigen Stradivaris das Wasser nicht reichen.' Trotzdem klingen sie für ihn besser.

Unbestritten ist, dass Andreas Amati kurz nach Mitte des 16. Jahrhunderts jene Formen und Proportionen für die Geigen entwickelte, die bis heute gültig sind und damit die Norm setzten. Dies wird offensichtlich bei der von ihm ausgestellten Geige, die ein Instrument aus der Hofmusik Karls IX. ist.

Nebenbei ernten bei dieser Violine vor allem die herrlichen Intarsien, Verzierungen und die Bemalung mit dem Wappen des Königs Bewunderung.

Ein Videofilm in einem weiteren Raum zeigt anschaulich, welch große handwerkliche Kunst dahinter steckt. Heute sind die Rugeri-Instrumente, die in der Tradition seines Lehrmeisters Nicolo Amati stehen, genau so wertvoll.

Die elegante Wölbung des Klangkörpers und die harmonisch geformten F-Löcher fallen bei seiner Violine Riccio auf. Für Geigenbauer Oliver Radke kann eine gut klingende Geige, die im Erscheinungsbild vielleicht billiger ausschaut, weil der Lack abblättert, wie bei der Violine von Ceruti, einen besonderen Charme haben.

Beim Antonio-Stradivari-Wettbewerb treffen sich alle drei Jahre die bedeutendsten Hersteller der Welt in Cremona. Betrachtet man in Füssen die Instrumente der 'Goldmedaillengewinner', so bleiben sie 500 Jahre nach Andrea Amati in der Tradition.

So stellt sich die Frage, weshalb es keine Veränderungen gibt. Es gab doch die Entwicklung von der Schoßgeige (Viola da Gamba) zur Violine oder wie bei dem Füssener Urs Langenbacher ersichtlich, die Entwicklung von der Laute zur Gitarre.

'Geigenbauer reagieren nur dann, wenn von der Gesellschaft her andere Klangideale gefordert werden', so Andreas Ott. Mit den Streichinstrumenten werde eben noch das klassische Ideal vor 200 Jahren verbunden.

Kollege Oliver Radke kann sich vorstellen, dass die Welt des Rock und Jazz breiter auf die Streichinstrumente übergreift: 'Neue Impulse könnten am ehesten von der indischen Musik kommen.'

Öffnungszeiten der Ausstellung 'Cremona – 500 Jahre Metropole des Geigenbaus' im Barockkloster St. Mang (bis 9. September): täglich 11 bis 17 Uhr.

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