Allgäuerin beruflich auf Tour
Vivian aus Füssen ist Reise-Influencerin: Traumjob mit Schattenseiten?

Die Reise-Influencer Vivian Velle und Johannes Richter in Jaipur, Indien.
  • Die Reise-Influencer Vivian Velle und Johannes Richter in Jaipur, Indien.
  • Foto: jovi_travel / Johannes Richter & Vivian Velle
  • hochgeladen von Stephanie Eßer

Reisen das ganze Jahr über, die atemberaubendsten Orte der Welt entdecken und damit auch noch Geld verdienen – für viele ein Traum. Aber: "Es ist natürlich nicht alles Gold, was glänzt", erzählt die gebürtige Füssenerin Vivian Velle. Sie ist gerade mit ihrem Freund Johannes Richter, der aus der Nähe von Hamburg kommt, in Mexiko unterwegs – als Reise-Influencer. Auf ihrem Instagram-Kanal "jovi_travel" teilen die beiden die schönsten Augenblicke auf ihren Reisen mit ihren aktuell fast 300.000 Followern. In ihren Instagram-Stories zeigen sie seit zwei Jahren aber auch, wenn es mal nicht so gut läuft.

Was macht ein Reise-Influencer?

Allgemein sind Influencer ("Beeinflusser") Personen, die regelmäßig Bilder oder Videos in Sozialen Medien wie Youtube, Instagram oder Facebook teilen und damit eine große Anzahl an Menschen erreichen. Wie der Name schon sagt legen Reise-Influencer ihren Fokus auf das Reisen, neue Länder zu entdecken und ihre Eindrücke dann bei Instagram und Co. zu teilen.

Wie haben es die beiden geschafft?

Bevor sie sich auf die große Reise gemacht haben, hat die gebürtige Füssenerin in einer Beratung für Bankenregulierung gearbeitet, ihr Freund Johannes in einer amerikanischen Wirtschaftskanzlei. Sie wollten zunächst etwas Geld sparen, um dann einen Masterstudiengang im Ausland zu beginnen. Schnell bemerkte das Paar, wie unglücklich es mit dem Job und dem Büroalltag war, ohne große kreative Möglichkeiten. "Da dachten wir, wir versuchen es einfach mal", so die Reise-Influencerin zu der Entscheidung.

Bis zum Ende des Jahres haben sie noch gearbeitet, Geld gespart und sich nebenbei viel mit den Themen Fotografie, Fotobearbeitung und Social Media beschäftigt. Am Ende haben Vivian und Johannes eine Fotoausrüstung gekauft, ihre Möbel verkauft und ihre Wohnung aufgegeben – und dann ging es für die beiden neun Monate am Stück nach Südostasien.

Und wie funktioniert das finanziell?

"Die ersten 1,5 Jahre haben wir praktisch komplett aus unseren Ersparnissen bezahlt", erklärt Vivian. Hin und wieder kamen sie eine Nacht kostenlos in einem netteren Hotel unter, im Gegenzug teilten sie ein Bild mit entsprechender Markierung auf ihrem Instagram Account. Geld habe das Paar während der ersten Zeit nach eigenen Angaben aber praktisch nicht verdient.

Als Reise-Influencer kann man leider auch nicht auf ein geregeltes Einkommen hoffen, da es von vielen Faktoren wie der Anzahl und Demographie der Follower oder auch den Interaktionsraten, also wie vielen Personen beispielsweise ein Betrag gefällt, wie viele diesen teilen oder kommentieren, abhängt. Geld verdient das Reise-Influencer-Paar unter anderem mit Werbe-Inhalten. Kooperationen mit Unternehmen wie Hotels seien aber oft nur Austauschgeschäfte. Das heißt: Für ein paar Nächte im Hotel posten die beiden ein Bild, manchmal auch mehrere, und markieren es darin.

Im Rahmen von bezahlten Kooperation können Vivian und Johannes, bei der Reichweite ihres Accounts von fast 300.000 Followern, "schon mal um die 1.000 Euro" für einen Werbepost verlangen. Das passiere allerdings nur sehr selten, weil sie ihren Instagram-Account nicht in eine "Dauerwerbesendung" verwandeln wollen.

Ihre Haupteinnahmequelle ist aber die Social Media Agentur, die die beiden Reise-Influencer vor einiger Zeit gegründet haben. Sie beraten andere Unternehmen, managen Social-Media-Accounts und betreuen Influencer-Kampagnen.

Erwartung vs. Realität

"Einige unserer Freunde oder Follower denken immer noch, wir liegen den ganzen Tag am Strand und lassen uns in luxuriösen Hotels verwöhnen", sagen Vivan und Johannes. Das entspreche aber nicht der Realität. Sie übernachten fast immer in günstigen Unterkünften und benutzen häufig langsame Verkehrsmittel. In Luxushotel übernachten die beiden nur im Rahmen von Kooperation und auch nur dann, wenn sie dort besondere Aufnahmen machen können. "Sonst bezahlen wir lieber selbst eine einfache Unterkunft und nehmen eben auch mal eine Kakerlake im Badezimmer in Kauf", erzählt die Reise-Influencerin.

Einen "normalen Arbeitstag" gibt es bei dem Paar nicht. Durch das Reisen ist kaum ein Tag wie der andere. Allerdings müssen sie in der Regel sehr früh aufstehen, um den Sonnenaufgang nicht zu verpassen. Das Licht ist dann besonders gut für Fotos und meistens sind noch keine Touristen unterwegs, die ins Bild laufen könnten. Gegen Mittag muss dann die Büroarbeit erledigt werden, wie Nachrichten und Kommentare beantworten, E-Mails checken sowie Inhalte und die Reise planen. Nach dem Essen geht es dann direkt wieder an den Computer und danach zur nächsten Foto-Location, um Bilder beim Sonnenuntergang zu machen. "Auch wenn einige Freunde zu Hause immer noch denken, dass wir den lieben langen Tag am Strand liegen, arbeiten wir heute wohl sicher mehr als in einem regulären Beruf in Deutschland", so Vivian. Allerdings, gesteht sie, sind sie dabei immer an den schönsten Orten der Welt und haben auch noch Spaß an der Arbeit.

In ihren Bildern zeigen sie atemberaubende Orte und die schönsten Momente der Reise. Dabei geht natürlich auch mal etwas schief. Deshalb haben sich Vivian und Johannes dazu entschieden, ihren Followern in ihren Instagram-Stories einen realistischen Einblick in ihren Alltag zu geben.

Die Schattenseiten des Dauer-Reisens

Das Reisen als Influencer hat neben den tollen Orten und schönen Bildern aber auch seine Schattenseiten. Man ist ständig unterwegs, hat kein richtiges Zuhause und sieht Familie und Freunde nur selten. Außerdem haben Influencer praktisch keinen Urlaub, so Vivian, da immer Inhalte erstellt und hochgeladen werden müssen. Ansonsten könne die Reichweite sinken. "Das erzeugt natürlich einen gewissen psychischen Druck und auch der ständige Vergleich mit anderen Influencern war für uns am Anfang nicht ganz einfach", erklärt die gebürtige Füssenerin.

Tipps für angehende Reise-Influencer

Schafft man es heute überhaupt noch, sich neben den zahlreichen anderen Reise-Influencern in der Branche zu etablieren? "Wenn man es wirklich will, kann man es auch heute noch schaffen", sagt das Paar von "jovi_travel". Man darf dabei nur den Aufwand nicht unterschätzen. Bis man damit wirklich erfolgreich ist, dauere es außerdem wahrscheinlich mehrere Jahre – von heute auf morgen klappe so etwas nicht. Angehende Reise-Influencer müssen laut Vivian und Johannes damit rechnen, extrem viel Zeit und Mühe zu investieren, ohne anfangs große Resultate in Form einer Explosion der Reichweite zu sehen.

"Wer damit klarkommt und es sich wirklich wünscht sollte einfach loslegen", erklärt Vivian weiter. Wenn man sich dazu entschieden hat, könne man auf Youtube oder anderen Internetseiten alle notwendigen Informationen kostenlos bekommen. Man kann sich vieles selbst aneignen, richtig lernen würde man es aber erst, wenn man losgefahren ist. Hilfreich wäre zudem ein finanzielles Polster. Ansonsten gäbe es laut dem Influencer-Paar auch genügend Jobs, die man von überall machen könne. "Das Ganze ist letztlich kein Hexenwerk, sondern eher ein Handwerk, das man mit viel Fleiß und Ehrgeiz erlernen kann", erklären die beiden.

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