Gymnasium
Viel Szenenapplaus belohnt mutigen Schülerauftritt

«Wir haben auch an der Kasse noch aufgepasst, dass keiner aus der Unterstufe aufkreuzt, auf den Plakaten haben wir es ab 16 empfohlen», sagen die Schauspieler. Stark eingesetzt hatten sie sich für das starke Stück von Helmut Krausser, «Haltestelle.Geister». Der Erfolg gab ihnen recht. «Meine Oma ist 82», erzählt «Prinzessin» Iris Krafka, «und sie fand total cool, was wir geboten haben».

Wie die gesamte Truppe stehen auch Magdalena Rehm, die wohl die schärfste Rolle bewältigte, und Miriam Epp, als Tütenpenner mit wildem Applaus bedacht, klar hinter dem Konzept: Modernes Sprechtheater bieten, ohne Ablenkung durch Musikberieselung oder Extraeffekte. So vollzog sich das provozierende Spiel der schrägen Gestalten in kaltem blauen Licht vor schwarz-weißer Kulisse. Nur beim Auftauchen der Geister durfte Nebel aus der Gruft wabern und nur, als am Ende Prinzessin und Grillmann sich annähern, war von Ferne die «zerkratzte Platte» vom King zu hören.

Mit einem goetheschen «Prolog im Himmel» hob Regisseur Uwe Favero mit seinen beiden Kolleginnen die grotesken Abgründe und Abstürze auf eine andere Ebene, geistig und sprachlich. An der Bushaltestelle tummeln sich nachts die Gestrandeten, warten auf nichts. Die gänzlich verunglückte Kommunikation, drastischer «Trash», wird gekontert von viel Spielwitz. Jana Schienhammer im lässigen Skater-Outfit gibt den Dealer Rico, cool, gefährlich, von Schnorrern umgeben und zu spät, viel zu spät, voller Sehnsucht nach der naiv-verschlagenen Conny (Sarah Zink). Dem wirren Planetengelaber der außerirdischen «Prinzessin» Gracia Gala steht das alberne Gelaber der Disco-Tussis gegenüber.

Alte tauchen auf, der «ältere Mann», ausdruckslos und leise gespielt von Natalie Hannah und der «ganz Alte» (Roman Krafka) auch im Tod auf der Suche nach seiner Frau (Ulrike Klemm), die als Blinde durchs Bild geistert. Der Mann vom Grillimbiss, Eva Weidinger in einer schwierigen Rolle, kifft, schwadroniert über Gott und die Welt, schaut zu und findet schließlich doch Nähe. Der «Großinquisitor» Manuel Kunkel im Trachtenlook, «als Mann» am stärksten im Suff, hat ein frustrierendes Internetdate. Seine exaltierte Dame ist mit dem 1,90-Meter-Mann David Czudnochowski großartig besetzt, und die Fast-Vergewaltigung wird zur Posse verfremdet. Das «Paar aus der Oper», Magdalena Rehm und Christian Anzenhofer, ergeht sich in Porno- und Gewaltfantasien, hohl und leer bis zur Verzweiflung.

Ungerührt, und damit kommt der Bezug zum Prolog ins Spiel, geht der geheimnisvolle Mann im schwarzen Mantel durchs Bild, auch noch, als die Toten nach Autocrash und Mord weiß geschminkt und starr dasitzen. Nur einer hört sie, der von ganz unten, das Medium, der Penner mit seinen Tüten. Miriam Epp ist clownesk, bizarr und großartig absurd zugleich.

Viel Szenenapplaus gab es für das Wagnis, so krasses Theater umzusetzen, für die treffsicheren Pointen, für Maske, Kostüme und Technik. Mit ungeheurem Enthusiamsus, ernsthaft und bedingungslos setzten sich die Gymnasiasten mit dem Stück auseinander und es gelang ihnen der poetische Schluss, den das Potenzial des Textes hergibt, in der einsamen Suche nach Zukunft oder Vergangenheit. Abschiednehmen war am Ende angesagt. Uwe Favero wird im nächsten Schuljahr nur vier seiner Darsteller behalten.

Im April führt der Kurs Dramatisches Gestalten als Abschluss der schulischen Theaterkarriere Goethes Faust auf.

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