Gesundheit
Typische Sportverletzung: Operation des vorderen Kreuzbandes in der St.-Vinzenz-Klinik in Pfronten

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Viele Fußballer, Skifahrer und Handballer kennen die Diagnose: Kreuzbandriss. Alle sechseinhalb Minuten reißt in Deutschland ein Kreuzband. In 97 Prozent der Fälle ist das vordere Kreuzband betroffen. Die Verletzung wird dabei durch eine Knieverdrehung hervorgerufen und das eben häufig beim Ausüben von Pivot-Sportarten, wozu fast alle Ball-Sportarten gezählt werden. Pivot steht dabei für (Ver-)Drehung.

Ein Riss des hinteren Kreuzbandes ist sehr viel seltener. Nur drei Prozent aller Kreuzbandrisse betreffen das hintere Band. Dieser Riss wird durch eine andere Art der Verletzung ausgelöst: "Mann muss direkt mit dem Knie aufprallen, damit das hintere Kreuzband reißt", sagt Dr. Michael Geyer, Leiter der Orthopädischen Chirurgie in Pfronten. Das passiert etwa, wenn man mit dem Knie auf eine Stufe fällt oder bei Autounfällen, bei denen der Wagen gegen einen Baum prallt und das Knie eingequetscht wird.

Ein gerissenes Kreuzband wird heute nicht mehr vernäht. "Das hat man 50 Jahre lang versucht", sagt Dr. Geyer, "das bringt überhaupt nichts. Danach ist das Kreuzband viel zu kurz und das Knie nicht mehr voll funktionstüchtig." Die Kreuzbandoperation wird mittlerweile minimalinvasiv durchgeführt, also über einen Monitor mithilfe von Mini-Schnitten. Die Ärzte beginnen mit einer Arthoskopie. Bei der Gelenkspiegelung wird nicht nur die Diagnose bestätigt, sondern auch abgeklärt, inwiefern noch Schäden am Meniskus oder an den Knorpeln bestehen. Diese Verletzungen sind nämlich häufig mit einem Kreuzbandriss verbunden.

Kreuzband-Ersatzplastik

In der Akutklinik St. Vinzenz in Pfronten werden etwa 80 Kreuzband-OPs im Jahr durchgeführt. Die moderne Methode ist eine Kreuzband-Ersatzplastik: Dabei werden Kanäle ins Schienbein und in den Oberschenkelknochen gebohrt, das alte Kreuzband wird entfernt und andere körpereigene Sehnen werden als Transplantat durch die Kanäle eingezogen.

Die erste Wahl der Ärzte sind dabei die Hamstring-Sehnen von der Knie-Innenseite. Dort liegen drei Sehnen, die über das Knie zum Oberschenkel laufen und das Innenband unterstützen. Anders als das Kreuzband sind diese Sehnen aber durchaus entbehrlich. "Zwei davon können wir entnehmen, die werden dann jeweils doppelt genommen und als Ersatz für das Kreuzband in den Bohrkanal eingezogen", erklärt Dr. Geyer. Für bessere Stabilität des Knies werden oft die Hamstring-Sehnen der Gegenseite entnommen.

Wenn diese Sehnen nicht zur Verfügung stehen, weil sie bereits für eine vorangegangene OP entnommen wurden oder vernarbt sind, können die Ärzte ersatzweise die sogenannten Patella-Sehnen oder als dritte Wahl auch die Quadrizeps-Sehnen als Transplantat benutzen. Beide liegen ebenfalls im Knie.

Nach der Operation dauert es bis zu einem Jahr, bis das Knie wieder in vollem Umfang funktionsfähig ist. Bei Sportlern manchmal auch nur sechs Monate, "das kommt darauf an, wie motiviert und fit der Patient ist", sagt Dr. Geyer. Außerdem macht es einen Unterschied, wenn auch Verletzungen am Meniskus oder den Knorpeln behandelt wurden. Der Chirurg erklärt, dass es in diesem Fall oft von Vorteil sei, wenn die OP in zwei Schritten durchgeführt wird: "Zuerst operieren wir dann den Meniskus oder die Knorpelverletzung und wenn das verheilt ist, etwa nach sechs Wochen, anschließend das Kreuzband."

Arthrose ist immer die Folge

Dr. Michael Geyer rät generell jedem Patienten mit gerissenem Kreuzband zur Operation. "Bei Sportlern und Leuten, die körperlich arbeiten, ist das unabdingbar. Wir richten auch beim 70-jährigen Skifahrer noch das Kreuzband." Wenn jemand keinen Sport macht, einen Bürojob ausübt und es zuerst ohne Operation versuchen möchte, ist das möglich. "Ich rate da aber ab", sagt Dr. Geyer, "das Knie wird dann nie wieder so einsatzfähig sein wie vorher".

Ob mit oder ohne OP, auf lange Sicht hat ein Kreuzbandriss immer eine Arthrose, einen Gelenkverschleiß, zur Folge. "Eine Operation vermindert aber den Zeitpunkt und das Ausmaß der Arthrose", sagt der Chirurg. Egal ob Fußballer oder Bürohengst – unterm Strich hat deshalb jeder Patient bessere Chancen auf Genesung, wenn er sich unters Messer legt.

Autor:

Anja Lachenmayer aus Kempten

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