Pfrontener Lawinentag
Tourengeher üben den Ernstfall am siebten Pfrontener Lawinentag

Ein traumhafter Wintertag: verschneite Gipfel und unverspurte Hänge lassen das Herz jedes Schneesportlers höher schlagen. In eleganten Schwüngen fährt ein Snowboarder in steiles, felsdurchsetztes Gelände und springt über eine Kante. Plötzlich gerät der Hang in Bewegung. Schneemassen gleiten ins Tal – reißen ihn mit. Er hat ein Schneebrett ausgelöst und wird verschüttet: leider kein seltener Unfall.

Auf dem 7. Pfrontener Lawinentag am Wochenende kommentierte Didi Kotlaba von der Firma Ortovox den Fall im Beispielvideo: 'Er hat die falsche Entscheidung getroffen. Jetzt muss es schnell gehen.'

Vor rund 50 Teilnehmern aus dem gesamten Ostallgäu erläuterte er den Ablauf der Kameradenhilfe – von der Signalsuche mit dem Lawinen-Verschütteten-Suchgerät bis zur Punktortung per Sonde.

In den ersten 15 Minuten haben 90 Prozent der Verschütteten eine relativ hohe Überlebenschance, danach bricht sie drastisch ein: Nach einer Stunde sind es weniger als ein Drittel – wenn es eine Atemhöhle gibt.

Wirksame Kameradenhilfe kann nur leisten, wer als Skitourengeher, Snowboarder, Freerider oder Schneeschuhgeher nicht nur die komplette Notfallausrüstung dabei hat, sondern auch damit umgehen kann. 'Das bedeutet viel Training.

Je öfter umso besser', so Kotlaba. In die gleiche Kerbe schlug Teilnehmer Christof Wismath aus Roßhaupten: 'Wer im freien Gelände unterwegs ist, muss sich mit dem Thema beschäftigen. Auch wenn immer mehr Tourengeher mit dem VS-Gerät ausgerüstet sind, bedeutet das noch nicht, dass sie im Notfall damit auch was anfangen können.'

Risikomanagement heißt das Zauberwort, erklärt Bergführer Thomas Hafenmair: Es beginnt mit der Tourenplanung, mit der Auswahl des Ziels, dem Lawinenlage- und Wetterbericht. Wie lassen sich vor Ort die Risiken einschätzen und vermindern? Welche Alarm- und Gefahrenzeichen sind unterwegs erkennbar? Wie verhalte ich mich, um das Risiko zu minimieren?

Neu in der Lawinenausbildung: Abhängig von der Schneeart lassen sich Gefahrenmuster ausmachen. Eine kritische Belastung der Schneedecke ist meist die Ursache für die Lawinenauslösung. Entlastungsabstände vermindern das Risiko. Stürze bringen das sechs- bis siebenfache des Körpergewichts auf die Schneedecke. Ein Schneeschuhgeher belaste die Schneedecke höher, als ein Skitourengeher im Aufstieg, so Hafenmair.

Im Anschluss an den Theorieabend übten die Teilnehmer in Kleingruppen unter Anleitung von Bergführern und Ausbildern der Alpenvereinssektion Pfronten auf einer Tour zum Schönkahler den Ernstfall. Sogar das effektive Ausgraben will gelernt sein, denn dreiviertel der Rettungszeit geht mit Schaufeln drauf.

Nicht nur Einsteiger besuchten den von Schuh-Sport Trenkle, Firma Ortovox, Pfrontener Alpenvereinssektion und Bergführervereinigung Altissimo veranstalteten, bis auf den letzten Platz ausgebuchten, Lawinentag, sondern auch erfahrene Tourengeher und 'Wiederholer'.

Wissen immer wieder auffrischen

Das einhellige Fazit: 'Man nimmt viel mit.' So auch Maximilian Hasper aus Seeg: 'Man sollte sein Wissen immer wieder auffrischen, denn im Gelände und in kritischen Situationen entscheiden oft Kleinigkeiten.'

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen