Teuflisch, diese Gestalten

Füssen/Ostallgäu Laute Schellen, raue Gesellen, die die Straßen unsicher machen, fiese Fratzen mit grün glühenden Augen - so manche Klausen, Teufel und Krampusse rumpelten und rasselten in den vergangenen Tagen durch die Gegend. Vor allem im benachbarten Reutte und Heiterwang zogen Umzüge Menschenmassen an. Doch für Magnus Peresson, Vorsitzender des Historischen Vereins «Alt Füssen», haben viele dieser wilden Gestalten kaum noch mit Brauchtum zu tun: «Sie mögen zwar im Einzelnen meisterhaft geschnitzt sein. Trotzdem erinnern sie mich eher an Horror- und Fantasyfilme der Marke Hollywood.»

Zwar gebe es auch positive Beispiele: «Beim Klausentreiben in Füssen sind jüngst wilde Gestalten mit prächtigen Bärten und fliegenden Haaren aus Flachszöpfen durch die Innenstadt gezogen. Das hatte Stil.» Manch andere Gestalt sei davon jedoch weit entfernt.

In die gleiche Kerbe schlägt Rudolf Zwick, der Kreisheimatpfleger des Ostallgäus: «Wenn man manche Teufels-Masken sieht, hat das nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Brauch der Klausen zu tun.» Der verstärkte Trend zum Teuflischen sei erst in den vergangenen Jahren aufgekommen.

«Mit der Zeit gehen»

Dass sich bei der Gestaltung der Masken etwas verändert hat, sei völlig normal, findet dagegen Dominik Lutz, der Obmann des «Krampusvereins Reutte»: «Die Vereine gehen mit der Zeit.» Früher seien Krampusse mit Fellfetzen auf dem Kopf daher gekommen. «Wenn man das heute noch macht, lachen einen die Kinder aus», so der 22-Jährige. Deshalb müsse sich Brauchtum verändern. Wobei die Masken von Tiroler Holzschnitzern stammten. Für die Kritik der älteren Generation hat er gleichwohl Verständnis: «Früher gab es solche Masken wie heute nicht», gibt er zu.

Der Pfrontener Heimatforscher Bertold Pölcher hat eher eine neutrale Haltung: «Letztlich muss jeder selber wissen, wie er seine Bräuche umsetzt.» Die Frage, ob Klausen mit Masken ähnlich wie in Horrorfilmen durch die Orte ziehen sollten, stelle sich für ihn nicht: «In Pfronten zum Beispiel wird der Brauch des Klausentreibens kaum noch gepflegt.

» Einzelne Gestalten würden zwar ihr Unwesen treiben - «im Oberallgäu oder in Tirol ist das aber ein viel größeres Spektakel».

Lieber den «Scheckenreiter»

Dass es hierzulande keine derartigen Massenaufläufe gibt, stört Pölcher nicht: «Wir sollten lieber andere Bräuche wie den ,Scheckenreiter pflegen.» In der Fastnacht zogen einst wilde Gesellen auf Holzpferden durch Pfronten. Dieser örtliche Brauch aus dem Mittelalter habe sich leider längst verloren. Und auch Rudolf Zwick spricht sich für ein Klausentreiben ohne kommerzielle Begleitmusik aus: «Das soll ruhig im kleinen Rahmen ablaufen. Sonst kommt es noch zu Ausschreitungen wie teilweise im Oberallgäu.»

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