Neuschwansteinkonzert
Stuttgarter Philharmoniker entzücken mit Raritäten bei Neuschwansteinkonzert

Der erste Auftritt der Stuttgarter Philharmoniker während der Neuschwansteinkonzerte stand unter dem Motto 'Raritäten und fast Vergessenes'. Das Orchester mit seinem Dirigenten Gabriel Feltz und der Solofagottist Michael Roser gestalteten einen Abend, der im musikalischen Gedächtnis der Zuhörer als köstliche Erinnerung zurückbleiben wird.

Da war etwas los, in Joseph Haydns Sinfonie Nr. 60 (der Zerstreute), die mehr einer Bühnenmusik für das gleichnamige Theaterstück glich! Beim Vortrag der musikalischen Scherze Haydns wurde die Fantasie der Hörer farbig und abwechslungsreich angeregt.

Sich immer wiederholende kräftige Unisono-Abschnitte vermittelten den Eindruck, dass die Musiker nicht mehr wussten, wie es weitergeht. Es war widersinnig, dass beim elegant vorgetragenen Andante und bei der zarten Serenadeninnigkeit des Adagios dramatische, fanfarenartige Einwürfe das schöne Gefühl der Entspannung zerrissen.

Da gab es auch eine dynamisch bestens arrangierte Stelle, in der die Musik so leise wurde, dass sie fast verschwand, um sich dann wieder zu fangen und anzuschwellen. Im Chaos des furiosen Prestissimo-Wirbels beim Finalsatz schockierte die inszenierte Verstimmung der Violinen.

Erst in den 1990er Jahren stieß man im Archiv einer Bibliothek auf das Konzert für Fagott und Orchester in B-Dur, dessen Komposition man Gioacchino Rossini zuschreibt. Es diente angeblich als Prüfungsaufgabe für Studenten des Konservatoriums in Bologna.

Bei der Wiedergabe durch den Solisten Michael Roser kam man ins Staunen. Mit Souveränität zeigte er, was in diesem Instrument steckt. In dem fröhlichen Werk mit liedhaften, aber auch dramatischen Zügen, wird nicht nur Virtuosität, sondern auch Ausdruckskraft gefordert.

In sanftem Ton verwirklichte Roser herrliche Legatobögen ließ die Läufe sprudeln und erreichte dabei hohe und extrem tiefe Lagen, zudem modulierte er mit Intensität und Feingefühl langsame Passagen. Besonders schön waren Zwiegespräche, etwa mit der Flöte. Das Orchester unterstützte dezent.

In Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie verbergen sich klassische Heiterkeit, rhythmische Raffinesse und virtuose Orchestermusik. Die Philharmoniker zeigten eindrucksvoll, dass dieses Werk zu Unrecht als Außenseiter gilt. Unter der umsichtigen Leitung ihres Dirigenten gab das Orchester der Fülle der Gedanken den richtigen Anstrich.

Flächige Synkopenklänge mit pointiertem Rhythmus der Streicher und Holzbläser sowie sorgsam gepflegte episodische Seitenthemen kennzeichneten den 1. Satz. Einprägsam ausformuliert stellte die 1. Violine das kantable Thema des Adagios vor.

Nicht ganz so versonnen waren die Klarinetten bei der Weiterführung. Schön angesetzt war das Echo mit fernem Paukenklang. Beim Finale verriet die Oboe Beschaulichkeit beim Seitenthema. Die Bewegtheit der Figurationen im kreisenden Kopfmotiv sorgte für einen vehementen Schluss. Mehrfach wurde der Dirigent auf die Bühne gerufen.

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