Ausstellung
Staatsgalerie im Hohen Schloss zeigt Bilder- und Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts

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Als einstige Sommerresidenz der Fürstbischöfe von Augsburg beherrscht das Hohe Schloss das Stadtbild Füssens. Es zählt zu den bedeutendsten Profanbauten der deutschen Spätgotik und besticht mit seinen großartigen illusionistischen Architekturmalereien.

Nachdem Füssen zwischen 1274 und 1286 das Stadtrecht verliehen wurde, begann 1291 der bayerische Herzog Ludwig der Strenge widerrechtlich mit dem Bau einer Burg.

Der Augsburger Bischof erwirkte die Einstellung der Bauarbeiten, erwarb 1322 den Schlossberg und ließ die unvollendete Burg zum Sitz eines Pflegamtes ausbauen.

Zwischen 1489 und 1504 wurde unter Bischof Friedrich II. von Zollern die alte Burg zu einem prächtigen und wehrhaften Burgschloss erweitert. An der Westseite brach man einen tiefen Halsgraben aus und versah das Burgareal mit Wehrgängen, Türmen und Zwingerbefestigungen.

Der Nordflügel der Dreiflügelanlage nahm die Residenzräume mit repräsentativem Festsaal auf, der Südflügel diente als Verwaltungstrakt, woran sich die Veitskapelle anschloss.

Bei der Säkularisation fiel das Schloss an das Königreich Bayern und wurde ab 1862/63 als Amtsgericht und heute als Finanzamt und Museum genutzt. Die Städtische Gemäldegalerie im Hohen Schloss nimmt die Besucher mit in die Bilder- und Gedankenwelt des 19. Jahrhunderts. Mit wechselnden Sonderausstellungen wird das zeichnerische Werk von Franz Graf von Pocci (1807 bis 1876) aus der Pocciana-Sammlung in Familienbesitz vorgestellt.

Der junge Pocci gehörte zum Personenkreis der Münchner Spätromantiker, die mit selbstironischer Begeisterung dem Mittelalter huldigten. Unter den drei bayerischen Königen Ludwig I., Maximilian II. und Ludwig II. bekleidete Pocci wichtige Hofämter.

In einem Raum mit Bildern der 'Münchner Malerschule', einer Dauerleihgabe von Dr. Hermann Probst, stechen besonders das Gemälde 'Die Wache' von Carl Spitzweg, die Landschaftsbilder von Adolf Lier und Joseph Wenglein sowie ein Mädchenporträt von Franz von Defregger hervor.

Mit dem Monumentalgemälde 'Prozession in Leukerbad' von Oskar Freiwirth-Lützow (1862 bis 1925) wird ein Hauptwerk dieses Künstlers, der im Stil des 'Bürgerlichen Realismus' malte, gezeigt. Geboren in Moskau, wuchs er in St. Petersburg auf, studierte in Genf, Düsseldorf, Paris und München. Seit 1914 bis zu seinem Tod 1925 lebte er in Bad Faulenbach.

Harmonisch fügen sich die spätgotischen Tafelbilder und Skulpturen der Staatsgalerie in die fürstbischöflichen Residenzräume ein. Diese Ausstellung bietet einen hervorragenden Überblick über die Kunst zur Zeitenwende des 15. und 16. Jahrhunderts im Allgäu und in Bayerisch-Schwaben. Ein großes Gemälde 'Salvator Mundi', eine Stiftung des Fürstbischofs Friedrich II. von Zollern, eröffnet diese Filialgalerie der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.

Das Stifterbild des Füssener Abtes Hieronymus Alber von 1570 dokumentiert detailgetreu das spätmittelalterliche Füssen, und auf fünf Tafeln wird das Leben des Heiligen Magnus nacherzählt. Der 'Rittersaal' mit seiner prachtvoll geschnitzten Kassettendecke, den Reliefs der Muttergottes und der Bistums-Heiligen Ulrich, Afra und Simpert sowie den seltenen Glasgemälden von Hans Holbein der Ältere und Hans Burgkmair lässt die kulturelle Blüte zur Zeit Kaiser Maximilians I. aufleben.

Dagegen ziehen eindringliche Darstellungen von Pest und Krieg, Geißeln der Menschheit, den Betrachter in die historische Wirklichkeit der frühen Neuzeit.

Vom Wehrgang aus, der über die Staatsgalerie zu erreichen ist, kann der Torturm bis ins Türmerzimmer im sechsten Stockwerk bestiegen werden, der Einblicke in die Lebensweise eines Türmers gibt. Von dort oben hat man die schönste Aussicht über die Stadt und das Füssener Land. Die schnurgerade nach Norden fluchtende Straße lässt den Verlauf der alten Römerstraße Via Claudia Augusta noch deutlich erahnen. Der ebenfalls geöffnete Fallturm auf der anderen Seite des Schlosshofes diente einst als Verlies. Um 1820 legte Apotheker Johann Schider einen Terrassengarten mit Heilkräutern an, der in den Sommermonaten über die 'Lange Stiege' öffentlich zugänglich ist.

Öffnungszeiten: von Oktober bis März 2017 von Freitag bis Sonntag 13 bis 16 Uhr, ab April bis Oktober Dienstag bis Sonntag, 11 bis 17 Uhr. Infos unter www.stadt-fuessen.de.

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