Geigenbau
Sonderausstellung über Antonio Stradivaris Heimatstadt Cremona in Füssen

Stradivari. Auch wer noch nie eine Geige in der Hand hatte, verbindet Großes mit diesem Namen. Und doch ist er in der norditalienischen Stadt Cremona nur einer von vielem Meistern, die sich dem Instrumentenbau widmeten. 'Cremona – 500 Jahre Metropole des Geigenbaus' lautet so auch der Titel einer Sonderausstellung im Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang. Eine Reminiszenz an die jahrhundertealten Beziehungen der Instrumentenbauer beider Städte.

Lautenmacher aus Füssen waren es einst, die ihr Handwerk über die Alpen getragen hatten. Bis sich dort die Geigenbauer emanzipierten. Von Andrea Amati (1505 – 1577) bis Enrico Ceruti (1806 – 1883) reicht der Bogen von fünf historischen Instrumenten, die bei der Ausstellung in Füssen einen Querschnitt durch die Geschichte des Cremonenser Geigenbaus geben.

Dass diese Tradition bis heute lebendig ist, davon künden fünf weitere Instrumente, darunter eine Viola, ein Violoncello und ein Kontrabass, die in den vergangenen 25 Jahren den Internationalen Geigenbauwettbewerb in Cremona gewonnen haben.

Einen Einblick in die Werkstatt, in der Antonio Stradivari (1644 – 1737) und seine Söhne Omobono und Francesco zwischen 1680 und 1743 rund 1300 Instrumente schufen, geben Materialien und Werkzeuge. Dazu laufen in der Ausstellung Videos über Geschichte und Gegenwart des Instrumentenbaus in Cremona.

Die junge Kultur-Partnerschaft soll vertieft werden

Für Füssen zahlt sich mit der Ausstellung erneut aus, dass im Vorfeld der Landesausstellung 'Bayern – Italien' eine Delegation in die 72 000 Einwohner zählende Geigenbaustadt am Po fuhr. 'Mit weichen Knien', wie sich Bürgermeister Paul Iacob erinnert. Die Füssener wurden – zu ihrer Erleichterung – herzlich aufgenommen.

Die noch junge Kulturpartnerschaft beider Städte wolle man weiter vertiefen, betonte Paolo Bodini, Präsident der Stradivari-Stiftung in Cremona, nun bei der Ausstellungseröffnung in Füssen.

'Wir docken an ein Kompetenzzentrum an', freut sich der Füssener Kulturamtsleiter Thomas Riedmiller. Denn in der Lombardei widmen sich nicht nur zahlreiche Nachfahren der alten Geigenbaumeister in deren Tradition ihrem Handwerk. Mit weltweit vernetzten Institutionen und Stiftungen ist dort auch die Forschung zu Hause.

Neben der Stradivari-Stiftung, die auch die internationalen Geigenbauwettbewerbe in Cremona veranstaltet, ist das beispielsweise das musikwissenschaftliche Zentrum Walter Stauffer, das auf das Vermächtnis eines Schweizer Industriellen mit Cremonenser Wurzeln zurückgeht. Dank dieser Kontakte war es nun auch möglich, so hochkarätige Instrumente für die Ausstellung nach Füssen zu holen.

Die Tradition des Instrumentenbaus am Lech, wo die Gründung der ältesten Lautenmacherzunft Europas im Jahre 1562 in diesem Jahr den Anlass für das Jubiläum '450 Jahre Lautenbau in Füssen' liefert, präsentierte man seinerseits bereits im vergangenen Jahr in Cremona.

Dass bei der Ausstellung historischer Lauten Füssen als 'Cremona des Nordens' bezeichnet wurde, empfand man am Lech als Adelsschlag.

Auch bei den Musikern läuft bereits ein Austausch. Während Cello-Professor Julius Berger am Po schon ein Begriff ist, gastierte anlässlich der Ausstellungseröffnung das 'Quartetto di Cremona', eines der renommiertesten Streicherquartette Italiens, schon zum zweiten Mal am Lech. Zum Abschluss der Sonderausstellung am 9. September wird dort die 'Camerata di Cremona' erwartet.

Die Sonderausstellung 'Cremona – 500 Jahre Metropole des Geigenbaus' ist bis zum 9. September im Museum der Stadt Füssen im Barockkloster St. Mang zu sehen. Geöffnet hat sie täglich von 11 bis 17 Uhr.

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