Schultheater
Schüler organisieren klassisches Drama in Füssen

«Wir wollten das einfach machen, ein klassisches Drama spielen und alles selbst organisieren als Höhepunkt unserer Schulkarriere», sagen die Macher Manuel Kunkel und David Czudnochowski. «Der Faust ist so ein Superstück - und teilweise total modern.» Theatermäßig sind die zwei Kollegiaten der K13 des Gymnasiums Füssen sozusagen alte Hasen. In den vergangenen Jahren standen sie mit der Theatergruppe von Uwe Favero im «Schlössl am Wolfgangsee», in der Zwanziger-Jahre Revue und zuletzt im ultramodernen «Haltestelle: Geister» auf der Bühne. Doch das war halt nicht genug. Es musste einfach der «Faust» noch sein.

«Wenn Ihr Euch das antun wollt»

Die Vorbereitungsphase am Text machte ebenso viel Mühe und Spaß wie die Probenphase mitten im Abistress. «Die Resonanz der Lehrer war durchweg positiv, wenn ihr euch das auch noch antun wollt, hieß es. Mich hat die Rolle des Faust restlos fasziniert, und den David der Mephisto - schon, seit wir es in der 11. Klasse gelesen haben,» sagt Manuel. «Absolut», meint David, «da ist vieles so aktuell, das hat Biss und Tiefgang. Das war es, was wir nach den turbulenten leichten Stücken wollten.»

Zusammen haben sie sich dafür starkgemacht, andere aus der Theatergruppe für das Projekt gewonnen. Auch auf die Unterstützung von Uwe Favero, soweit nötig, können sie bauen. Dass ungeheuer viel Text zu lernen war, ach, das sahen sie auch als Ausgleich zum Repetieren des Abistoffs.

Überhaupt, so ist die Erfahrung der beiden Hauptdarsteller, wenn man sich einmal in das Versmaß eingearbeitet hat, fällt es oft sogar leichter als Prosatexte. Wie bei den großen Regisseuren auch wurden Längen gekürzt immer mit den zumeist jungen Zuschauern im Auge, denen der Handlungsablauf verständlich werden soll. Freilich befassten sich die beiden mit den bedeutenden Aufführungen und Verfilmungen des Stoffs, ließen sich aber nicht von ihrem Weg abbringen. Beim Besuch unserer Zeitung gab es eine Kostprobe in der Aula, und - ganz ohne Maske, Kostüm und Kulisse - war die Szene mit «des Pudels Kern» schauspielerisch voll überzeugend.

Nicht nur gestrichen und gestrafft wurde in dem Stück, das zweieinhalb Stunden dauern wird, es kamen auch aktuelle Anspielungen dazu. «Massenszenen wie in der Walpurgisnacht gibts nicht, wir sind sechs Darsteller, die zum Teil in verschiedene Rollen schlüpfen. So wird Christopher Dehn den Wagner, den Schüler und einen Kardinal spielen «den haben wir hineingeschmuggelt». Patrick Bade, Anna Heer und Elke Stoschek sind in Hauptrollen dabei. Es wird eine Haupt- und eine Nebenbühne geben, Umbauten etwa von Fausts Studierzimmer in die freie Natur können damit entfallen.

Ironische Seitenhiebe

Für den erfrischenden Zugang der jungen Leute spricht auch, dass sie ein paar ironische Seitenhiebe austeilen auf geistreiche Interpretationen, die seit 200 Jahren jedes Goethesche Wort zerlegen. Denn «Vielleicht wollte Goethe einfach nur einen tollen Text schreiben.»

Gespielt wird der Gymnasiums-Faust am Sonntag und Montag, 10. und 11. April, jeweils um 19 Uhr in der Aula. Karten gibt es nur an der Abendkasse.

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