Interview
«Riesige Fußstapfen»

Pflege der Tradition und Förderung heimatlicher Mundart ist das Ziel des Vereins «Mundart Allgäu». Als neuestes Projekt bringt der Verein in Kooperation mit unserer Zeitung, RSA Radio, TV Allgäu, Allgäu Plus und Allgäuer Autoren die CD «Allgäuer Dialektfarben 2» heraus. Gedichte von 37 Autoren sind darauf zu hören. Wir sprachen mit Andrea Lotter (47) aus Füssen, der Tochter des vor zwei Jahren verstorbenen Mundartpioniers und Kräuterexperten Pius Lotter. Sie hat ein Gedicht ihres Vaters für die CD eingesprochen und beschäftigt sich auch selbst mit Dialekt und Brauchtum.

Welche Rolle spielte der Dialekt in Ihrer Familie?

Lotter: Eine sehr große. Bei uns zu Hause wurde nur Dialekt gesprochen. Wobei ich dabei sogar zweisprachig aufgewachsen bin. Meine Eltern waren beide aus Pfronten, aufgewachsen bin ich aber in Seeg. Da gibt es markante Unterschiede: in Pfronten sagt man etwa «hinet» und «dinet» für herüben und drüben, in Seeg «heana» und «deana». Bedauerlicherweise geht die Muttersprache immer mehr verloren. Man muss das den Kindern und Jugendlichen wieder schmackhaft machen.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Mundart?

Lotter: Leider bin ich erst kurz bevor mein Vater gestorben ist dazu gekommen. Als es ihm bereits gesundheitlich nicht mehr gut ging, habe ich einige Termine aus seinem sehr vollen Kalender übernommen und Lesungen gehalten. Ab da war mir klar, dass ich in seine Fußstapfen treten möchte. Auch wenn diese riesig sind.

Haben Sie das Gefühl im Schatten Ihres berühmten Vaters zu stehen?

Lotter: Nein. Ich bin natürlich froh, dass mein Vater mir den Weg so bereitet hat. Ich trage sehr gerne seine Gedichte vor. Aber ich möchte auch selbst schreiben, mir einen eigenen Namen machen und meinen Vater nicht kopieren.

Das Gedicht auf der CD heißt «Jetzt dicht i oh!». Warum haben Sie genau dieses Stück aus dem großen Fundus Ihres Vaters gewählt? Lotter: Ich habe es sehr bewusst ausgewählt, weil ich das, was er ausdrücken wollte, genauso sehe. Mein Vater hat sich nämlich sehr darüber geärgert, dass sogar viele Mundart-Gedichte immer mehr Büttenreden gleichen und nicht mehr zum Nachdenken anregen. Manche Autoren waren nur noch auf Lacher aus. Dabei ist im Leben wahrlich nicht immer alles zum Lachen.

Präsentation der CD «Allgäuer Dialektfarben 2» am Dienstag, 16. November, 19.30 Uhr, Veranstaltungsraum im Seniorenzentrum, Durach. Der Eintritt ist frei.

 

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