Winterurlaub
Polarkreis statt Palmenstrand

Während andere vor dem Allgäuer Winter an exotische Palmenstrände fliehen, zog es Reiner Augsten mit seiner Frau Erika diesmal genau in die entgegengesetzte Richtung: Mit dem Kombi als rollendes «Motel» fuhren sie rund 3000 Kilometer teils auf komplett gefrorenen Straßen in Richtung Norden, um jenseits des Polarkreises ihr Urlaubsquartier im schwedischen Teil Lapplands zu beziehen - am äußersten Rand der Zivilisation. «Ich bin doch der Ortsexzentriker», kommentiert der Pfronten-Kappeler die vermeintlich abstruse Idee, Urlaub in der vermeintlichen Polarnacht zu verbringen. Denn die endlose Dunkelheit im hohen Norden ist wegen der Lichtbrechung nur eines von vielen falschen Klischees, wie er meint: «Man vermisst keine Sonne», erzählt er: «Es ist hell wie bei einem ewigen Sonnenuntergang.» Stundenlang zeige sich der Himmel orangerot. «Es ist ein wunderbares Licht, es gibt im ganzen Jahr herrliche Lichteffekte.» Das berühmte Polarlicht ist nur einer davon.

Frostige Hotelzimmer

Und noch ein besonderes Schauspiel erwartete die Urlauber: das Eishotel in Jukkasjärvi, das größte und älteste seiner Art. Was vor zwanzig Jahren als Iglu bei einer Eisskulpturenausstellung begann, ist heute ein großes Hotel aus Schnee und Eis aus dem Fluss Torne. Geblieben ist die Verbindung mit Eiskünstlern: Sie reisen jedes Jahr Ende Oktober aus aller Welt an, um bei der Gestaltung der Hotelzimmer ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. 2900 Kronen, das sind etwa 310 Euro, kostet am Wochenende die Nacht in einem Doppelzimmer pro Person bei fünf bis acht Grad unter null im Schlafsack auf Rentierfellen. Relativ milde minus 18 Grad erwarteten die Augstens bei der Ankunft in ihrer Holzhütte auf einer Insel im Torne. «Einen Tag hat es gedauert, bis es warm war», erzählt Augsten.

«Bei null Grad fängt man aber schon an, im T-Shirt herumzulaufen. Das liegt wahrscheinlich am Holz.» Einen Schnupfen oder Fieber könne man sich in Lappland mangels Erreger trotz der Kälte kaum holen, meint Augsten: «Höchstens Erfrierungen». Denn die Temperaturen sind extrem. Das Loch, das Augsten zum Wasserholen ins Flusseis geschlagen hatte, war in zwei Tagen wieder 45 Zentimeter tief zugefroren.

Und was macht man so den ganzen Tag, wenn die einzigen Verpflichtungen sind, das Feuer in Ofen und Sauna am Brennen zu halten, und aus dem tief zugefrorenen Fluss Wasser zu holen? «Man schläft lang», erklärt Augsten: «Kalender und Uhr spielen da oben keine Rolle.» Es bleibt viel ruhige Zeit um nachzudenken. Es ist wie im Werbespot eines friesischen Brauhauses: kein Stau, kein Stress, keine Termine - dafür eine absolut reine Luft.

Die Sauna ersetzt in Lappland übrigens das Badezimmer - und schon ist Reiner Augsten wieder bei einem Klischee: «Keine einziger Schwede ist so dumm, sich nach der Sauna im Schnee zu wälzen und die Wärme wieder aus dem Körper zu ziehen.» Nach dem letzten Saunagang wird sich warm abgespült - fertig.

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