Vielsaitig
Pianist Hatem Nadim und das Verdi-Quartett lassen Herzen beim Füssener Festival «Vielsaitig» höher schlagen

Der renommierte Pianist Hatem Nadim ist als regelmäßiger Gast beim Füssener Festival «Vielsaitig» nicht mehr wegzudenken. Er bewährte sich im zweiten Konzertabend der Veranstaltungsreihe als exzellenter Kammermusikpartner der Künstler des Verdi Quartetts und ließ mit ihnen die Herzen der Zuhörer im Kaisersaal in einem außergewöhnlich fesselnden Programm höher schlagen.

Seltenheitswert besitzt die Sonate mit dem kennzeichnenden Motto der Romantik << Frei, aber einsam >>. Drei Komponisten haben sie gemeinsam ihrem Freund Joseph Joachim gewidmet. Den Zuhörern blieb die ihm gestellte Aufgabe erspart, die Abschnitte den entsprechenden Komponisten zuzuordnen.

Die Individualität der gleich gesinnten Freunde Albert Dietrich, Robert Schumann und Johannes Brahms war auch für weniger geschulte Ohren zu erkennen. Schmerzvolle Sehnsucht nach Freiheit bildete die Keimzelle des Stückes. Im kongenialen Zusammenspiel von Susanne Rabenschlag und Hatem Nadim erlebte man die sich aufbäumenden großen Intervalle bei der Violine, die verzögernden Sechzehntelakkorde des Klaviers und die zuckenden, punktierten Rhythmen in den wechselnden Hauptthemen von Dietrich. Dazwischen blühten in zartem Ton die lyrischen Momente auf.

Beide Künstler stachelten sich beim innerlich aufgewühlten wildromantischen Teil Brahms mit extremen virtuosen Läufen auf. Der tragende musikalische Fluss in Schumanns Intermezzo gefiel durch die gewährte Transparenz im Spiel. Im Finale schließlich ließen die beiden Künstler seiner Euphorie im schwelgenden Taumel freien Lauf. Robert Fuchs, ein Freund Brahms, ist als Komponist heute weithin in Vergessenheit geraten.

Seine Sonate für Viola und Klavier verdient jedoch schon deswegen Aufmerksamkeit, weil in ihr die sonore Ausdrucksfähigkeit der Viola sehr schön zur Geltung kommt, besonders dann, wenn das Klavier seinen Part behutsam angeht. Dies war der Fall. Die liedhaften Melodien mit versponnenen, verträumten Ausweitungen fanden eine überzeugende Interpretation mit Hatem Nadim und Karin Wolf.

Verwirrende Themenfülle

Differenzierte Ausdrucksfülle einer sinfonischen Anlage kennzeichnet das Klavierquintett in f-Moll von Johannes Brahms. Der im 1. Satz verschwenderische Reichtum an Nuancen in der verwirrenden Fülle thematischer Gestalten und Entwicklungen wurden vom Verdiquartett und Hatem Nadim lustvoll aufgegriffen. Bezaubernd war die Expressivität im entspannenden 2. Satz. Kontrastreich und hymnisch erklang das Scherzo.

Die Steigerung im 4. Satz war beeindruckend mit seinem verhaltenen sanften Beginn, den pathetischen Oktavsprüngen, der Chromatik, den in der Weiterführung lyrischen Umgestaltungen, die schließlich zum furiosen, Macht strotzenden Presto führten. Eine gewaltige Leistung der Künstler, die am Ende immer wieder auf das Podium gerufen wurden.

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