Kirchenkonzert
Passion mit Steigerungen

Die harte, mehrmonatige Probenarbeit hat sich für die Kantoreien aus Füssen und Pfronten gelohnt. Denn die Zuhörer in der fast voll besetzten Christuskirche bedankten sich begeistert für die Aufführung der Markuspassion des Barockmeisters Reinhard Keiser (1674 bis 1739). Der gemischte Chor und die Solisten fanden schnell die Sicherheit für dieses 90 Minuten dauernde Werk. Und sie waren am Schluss noch zu einer weiteren Steigerung fähig. Der erschütternden Volkesstimme «Kreuziget ihn» setzte der Schlusschor die Kraft der Hoffnung entgegen, die jedem Menschen durch seinen Glauben gegeben ist: «O Jesus du, mein Hilf und Ruh».

Meditative Stille als Beifall

In die sich anschließende kurze meditative Stille hinein sprach mit bewegter Stimme Pfarrer Joachim Spengler ein modernes Gebet. Das «Vater unser» schloss sich an. Und auf dem Heimweg nach dem Segen klangen das Recitativo aus dem Evangelium nach Markus, die entsprechende Aria oder der Choral zu den einzelnen Leidensstationen des geschmähten und zum Tod am Kreuz verurteilten «Königs der Juden» nach. Dem vierseitigen Programm war ein Blatt beigelegt - zur Information in aller Ruhe über das «musizierte Passionsgeschehen im Wechsel der Zeiten».

Premiere als Quartett

Die vier blutjungen Solisten dieses Passionskonzerts wurden sehr sensibel begleitet von einem Kammerorchester und sangen so gut wie Profis. Katharina Garcia (Sopran), Johanna Zechmeister (Alt), Florian Karl (Tenor) und nicht zuletzt Franz Weindler (Bass) gehören dem Vokalensemble Cantabile, Regensburg, an. «Jeder von uns kann als Solist auftreten. Dass wir in Füssen alle vier zu hören waren, war eine Premiere», so Altistin Zechmeister, Jahrgang 1988.

Einen stürmischen Sonderapplaus hätte sich Kathrin Schubert von der Kantorei der Pfrontener Auferstehungskirche verdient, die im Laienchor mitsang. Denn die Musiklehrerin hatte - gemeinsam mit Kirchenmusiker Wolfgang Pröbstl - die Einstudierung der Choräle geleitet.

Reinhard Keiser gilt als bedeutender Opernkomponist. Der als «Hamburger Barockmeister» gefeierte Künstler schrieb freilich nicht nur Opern, sondern auch Kantaten, Messen, Oratorien und sechs Passionen. Die «Markuspassion» entstand zu Beginn des 18. Jahrhunderts höchstwahrscheinlich ebenfalls aus seiner Feder. Doch Keisers Urheberschaft wird nicht hundertprozentig nachgewiesen. Verbürgt ist, dass der große Bach die «oratorische Passion» bearbeitet und seine eigene Fassung an Karfreitagen in der Nicolai- und Thomaskirche in Leipzig geleitet hat.

«Verstehen uns als Kirchenchor»

In der Füssener Christuskirche wurde von Konzertmeister Reinhard Schmied und Wolfgang Pröbstl (Gesamtleitung) jetzt die Urfassung der Keiserschen Passion zu Gehör gebracht. Dieses Werk regt durchaus dazu an, mitsingen zu wollen. «Wir verstehen uns als Kirchenchor, der Gottesdienste umrahmt», so Kirchenmusiker Pröbstl. Bei den Proben werden geistliche Lieder, Motetten oder kleinere Kantaten einstudiert. Höhepunkte sind die Aufführungen zu den kirchlichen Festen und die gemeinsamen «Chorfreizeiten».

Neue Sängerinnen und Sänger sind bei den beiden Kantoreien herzlich willkommen. Pfronten: 08363/927420, Füssen: 08362/819431.

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