Füssener Tafel
Nicht alle Produkte sind genießbar

Immer mehr Kunden zählt die Füssener Tafel, die immer donnerstags in der Rupprechtstraße 8 ½ Lebensmittel an Bedürftige ausgibt. In letzter Zeit häuft sich freilich die Kritik an der Qualität der Lebensmittel: Manche müsse man sofort in der Biotonne entsorgen, klagen Kunden. Die Tafel-Teams mit Vertrauensmann Michael Wollnitza nehmen die Kritik ernst und überlegen, wie die Ausgabe von Lebensmitteln für Bedürftige noch verbessert werden könnte.

«Ich finde es gut, dass es seit über zwei Jahren die Tafel in Füssen gibt», betont eine 60-Jährige, die von Anfang an zur Stammkundschaft zählt. Doch: «Vor einigen Wochen habe ich leider das Vertrauen in die Menschen verloren, die hier Obst und Gemüse kontrollieren, das in die Körbe für uns Kunden kommt. Ich musste vieles davon nach dem Einkaufen sofort in der Biotonne entsorgen. Zweimal wurde mir speiübel, als ich Würste gegessen habe, die in Folie eingefroren weiter gegeben worden sind.»

Die Füssenerin ist kein Einzelfall. «Dass Kartoffeln angeschimmelt sind, das spricht bestimmt nicht für ein sorgfältiges Auge bei den Tafel-Leuten», meint eine 49-Jährige. Sie ärgere sich, wenn aus den beiden Tüten, die sie mit dem Fahrrad transportiert, daheim in der Küche nicht alles verwertbar sei.

«Ich möchte Gemüse einkochen, aber das lohnt sich oft nicht. Die verwertbaren Mengen sind zu klein.»

Einiges könnte besser werden

Auch andere Kunden äußerten sich gegenüber unserer Zeitung kritisch in Bezug auf die Frische von Schalen mit Früchten, Kopfsalat oder Gurken. «Da freut man sich mit den Kindern auf die Erdbeeren und muss alles wegwerfen», ärgert sich ein Familienvater. Kritik wird laut, «weil doch noch einiges anders und besser werden könnte», wie es eine berufstätige Mutter ausdrückt. Sie ist alleinerziehend, verdient sehr wenig und hat deshalb einen Anspruch auf die Karte, die zum Einkaufen bei der Füssener Tafel berechtigt. Sie sei «kein Bittsteller».

Man werde sehr unfreundlich angeschaut, wenn man aus dem gepackten Korb etwas umtauschen möchte. «Das gilt nicht für alle, die sich ehrenamtlich bei der Tafel engagieren, aber ich habe es jetzt schon einige Male erlebt», sagt die Frau.

Vertrauensmann Wollnitza nimmt solche Berichte über die negativen Erfahrungen der Kunden sehr ernst. «Bei uns gilt der Grundsatz: Wir geben nur Lebensmittel weiter, die wir selbst kaufen und essen würden», betont er. Vier Biotonnen der Tafel werden donnerstags voll, bevor das Geschäft die Tür öffnet. «Weil es Kritik gibt, die berechtigt ist, sprechen wir das Thema Qualitätskontrolle und Hygiene in den Teams nochmals an», versichert Wollnitza. Dass beide Seiten freundlichen Umgang miteinander pflegen, sei die Regel. Leider gebe es wie überall Ausnahmen.

«Alle arbeiten hier ehrenamtlich.» Daher könnten Kunden nicht erwarten, dass sie «von Fachverkäufern bedient werden», nimmt er jeden einzelnen Mitarbeiter in Schutz.

Unmissverständlich widerspricht Wollnitza den Gerüchten, dass es für den Einsatz in der Tafel gelegentlich Aufwandsentschädigungen gäbe. «Alle arbeiten hier unentgeltlich, weil wir sehen, dass auch in unserer Region immer mehr Menschen in Armut leben.»

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