Projekt
Naturschutz im Naturpark

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Spaziergängern werden in den nächsten Monaten Veränderungen im Auwaldbereich und im Lech bei Oberpinswang auffallen. Lokale Uferverbauungen haben dazu geführt, dass sich der Lech um drei bis vier Meter eingetieft hat. Bei jährlich wiederkehrenden, höheren Wasserständen erreicht er daher den Auwald in diesem Bereich nicht mehr.

Gleich zwei größere Renaturierungsmaßnahmen werden dort zur Wiederbelebung der Lechau von Anfang November 2013 bis voraussichtlich März 2014 durchgeführt. Zum einen wird eine 60 Meter breite und 25 Meter lange, Sohlrampe im Flussbett errichtet, durch die die Flusssohle angehoben werden soll. Gleichzeitig wird an einigen Stellen das rechte Flussufer flussabwärts gezielt abgesenkt.

Im Auwald selbst werden Rodungsarbeiten auf einer rund 2,3 Hektar großen Fläche durchgeführt und die Bodenstrukturen so geöffnet, dass die eine 660 Meter lange Flutmulde entsteht, die bei wiederkehrenden, höheren Wasserständen geflutet wird.

Der Umsetzungsphase gingen umfangreiche Planungsarbeiten voran. In Zusammenarbeit mit Mag. Martin Kyek und dem Planungsbüro DonauConsult wurde die Planung für geeignete wasserbau-technische und ökologische Maßnahmen ausgearbeitet, die ein kontrolliertes Anbinden der Au an die natürliche Dynamik des Tiroler Lechs möglich machen.

Bei einer Gebietsbegehung mit Vertretern der Bezirksforstinspektion, des Baubezirksamtes Reutte und der Geschäftsführung des Naturparks Tiroler Lech wurden zusammen mit der ökologischen Bauaufsicht erste Schritte besprochen.

Der Naturpark Tiroler Lech nimmt als letzte Wildflusslandschaft in den Nordalpen eine absolute Alleinstellung innerhalb der Naturparke in deutschsprachigen Raum ein. Er ist das größte zusammenhängende Naturschutzgebiet im Talbereich von Tirol und besitzt zusammen mit seinen Seitenbächen Abschnitte von höchstem Natürlichkeitsgrad. Als "Natura2000"-Gebiet ist er Heimat für viele seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen. Charakteristisch für eine solche Wildflusslandschaft ist unter anderem die natürliche Dynamik eines Flusses.

Der Tiroler Lech macht als alpiner Wildfluss über weite Strecken noch das, was vor langer Zeit jeder Gebirgsfluss durfte – sich ausbreiten und aus eigener Kraft seinen Lauf selbst gestalten. In seinem breiten Flussbett inszeniert er sich immer wieder von Neuem. Flussarme verzweigen und vereinen sich. Steine aus seinen Seitentälern lagert er ständig zu Kies- und Schotterbänken um.

Wichtiger Lebensraum

Doch nicht nur innerhalb seines Flussbetts zeigt der Lech seine natürliche Dynamik. Auch weite Teile seiner Auwälder überflutet er bei höheren Wasserständen vorübergehend. Wasser fließt dann durch Gebüsch und Bäume, Geländestrukturen werden umgestaltet, Schwemmholz wird aufgehäuft und offene Böden entstehen. Was, nachdem der Wasserstand wieder gesunken ist, für manchen Betrachter auf den ersten Blick dann wüst aussieht, ist Lebensgrundlage für streng geschützte Tier-und Pflanzenarten, die sich an diesen so stark veränderlichen Lebensraum angepasst haben, wie die deutsche Tamariske, der Flussregenpfeifer, der Zwergrohrkolben, der Flussuferläufer und der Kiesbankgrashüpfer.

Im Auwaldbereich bei Oberpinswang liegt eines der drei letzten bundesweiten Vorkommen der Kreuzkröte Bufo calamita. Sie ist das seltenste Amphib in Österreich. Als akut vom Aussterben bedrohte, streng geschützte Tierart steht sie im besonderen Focus dieses Artenschutzprojekts. Zum Überleben und Ablaichen benötigt sie kleinere Laichgewässer und offene, sandige Böden, wie man sie in immer wieder überfluteten Auwäldern finden kann.

Gespräche mit den entsprechenden Behörden, der Gemeinde Pinswang und anderen lokalen Akteuren wurden geführt. Das Projekt ist seitens der Behörden forstrechtlich, wasserrechtlich und naturschutzrechtlich bewilligt. Die Projektpartner sind das Land Tirol, Abteilung Umweltschutz und Abteilung Verkehr und Straße, das Baubezirksamt Reutte, Abteilung Wasserwirtschaft und Schutzwasserbau, die Bezirksforstinspektion und der Naturpark Tiroler Lech.

Die Maßnahmen kosten rund 417 000 Euro, die aus Mitteln der Europäischen Union, des Straßenbaus, des Regionalwirtschaftlichen Programms und des Tiroler Naturschutzfonds stammen.

Autor:

Redaktion extra aus Kempten

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