Kaleidoskop
Mitwirkende an Flügel und Schlagwerk ernten viel Applaus im Kleinen Kursaal in Füssen

Es wurde nicht gesungen. Beim 'Musikalischen Kaleidoskop' im ausverkauften 'Kleinen Kursaal' in Füssen stand nach den vielerorts wunderschön gestalteten Chorkonzerten zur Weihnachtszeit eine gänzlich andere Kunstform im Vordergrund: die Improvisation am Flügel und Percussion-Instrumenten.

Die Zuhörer ließen sich nicht zuletzt durch das „Hang“ zu Jubelstürmen mitreißen, das Stephan Jung zwischen den Stuhlreihen spielte.

Das vor allem für die meditative Entspannung eingesetzte, noch eher unbekannte Instrument besteht aus zwei Halbkugelsegmenten aus Stahlblech. Auf der oberen Halbschale befinden sich Tonfelder. Das 'Hang' wird waagerecht oder senkrecht auf dem Schoß gehalten. Gespielt wird es mit Fingern und Händen. Jung erzeugte perlende Töne in harmonischen Reihen, kreierte aber auch den für das 'Hang' typischen warmen sphärischen Klangteppich.

Enormen Beifall erntete Jung für einen flotten Auftritt gemeinsam mit Miguel Gato Lopez am Schlagzeug.

Schon bei den 'Klangexperimenten' im vergangenen Sommer von Herbert Biller in den Kunsthallen am Lech feierte der in Bayern heimisch gewordene Westerwäldler mit seinem zwölfjährigen Schüler aus Bad Faulenbach ein rhythmisches Intermezzo. Erneut zogen die beiden das Publikum mit allerlei Trommelklang in den Bann.

Es wurde aber noch besser. Jung und ein im Füssener Raum auf der Bühne unbekannter außergewöhnlicher Pianist zogen alle Register beim über 20-minütigen Finale 'Summertime', das mit einer beschwingten 'Zugabe' am Klavier solo auf Zuhörerwunsch verlängert wurde.

Am schwarzen Flügel hatte Martin Vatter, Jahrgang 1963, den Abend melodisch mit einer eigenen Komposition aus seiner CD 'Ask the Piano' eingeleitet. Im Spiel mit Jung, der verschiedene Schlaginstrumente einsetzte, entpuppte sich der aus dem oberbayerischen Etting stammende Künstler mehr und mehr als Pianist ohne Frack(-zwang).

Vatter springt vom Hocker vor den Tasten auf, um mit der anderen geschulten Hand herauszufinden, welcher Klangreichtum im aufgeklappten Flügel stecken könnte. Seine 'Night Impressions' wurden im August 2006 von einer Zeitschrift als 'Audiophile Pop-CD des Monats' gefeiert.

Etwas aus dem Rahmen des Konzerts fiel der halbstündige Auftritt von Johanna Hengg. Die Pädagogin der Landesmusikschule Reutte lud in Füssen zu einem 'Kaleidoskop vom Barock bis zur Moderne' ein. Von Bach, Haydn und Brahms führte ihr musikalischer Ausflug bis zu Georg Gershwins 'I got Rhythm'. Die schwere russische Seele eines Sergei Rachmaninoff liegt der Tiroler Pianistin ebenso wie die Vitalität des kubanischen Komponisten und Orchesterchefs Ernesto Lecuona (1895 – 1963).

Henggs 'hohe Kunst der Interpretation', die auch ihr Kollege Vatter zu würdigen wusste, verzückte das Publikum. Für den von ihr erstmals riskierten Parforceritt durch die neuere Musikgeschichte bekam die danach erschöpfte Pianistin tosenden Applaus.

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