Neuschwanstein
Märchenschloss als Party-Hochburg?

Verkommt das Märchenschloss zur Party-Meile? Diese provokante Frage stellt sich derzeit nicht nur der Füssener Hotelier Wilhelm Schwecke. Denn seit ein ehemaliger Manager eines deutschen Chemiekonzerns hoch über Schwangau eine exklusive Party feierte, kursieren rund um Neuschwanstein die wildesten Gerüchte.

Fakt ist: Im September fand im Innenhof des markanten Gemäuers tatsächlich ein luxuriöses Geburtstagsfest statt. Doch das wird laut Bayerischem Finanzministerium keinesfalls zur Routine werden.

Was allein schon an den Nutzungsgebühren für die edle 'Location' liegen dürfte: Neben 32 500 Euro Miete und 2500 Euro Personalkosten musste das Geburtstagskind eine 'zweckgebundene Zuwendung' in Höhe von 340 000 Euro berappen – Geld, das in die Restaurierung der historischen Textilien des Schlosses (allen voran Vorhänge und Wandbehänge) fließen wird.

Diese Details hat das Finanzministerium auf Anfrage des SPD-Landtagsabgeordneten Dr. Paul Wengert mitgeteilt. 'Es darf nicht sein, dass Menschen mit dickem Geldbeutel ein öffentliches Kulturgut diesen Ranges für ihre privaten Zwecke nutzen', lehnt Wengert eine Vermarktung des Märchenschlosses in breitem Umfang ab.

Wobei er besagte Geburtstagsparty nun gar nicht mehr anprangert. Denn zum einen habe die Feier im Innenhof des Schlosses und damit ohne Beeinträchtigung der Besucher stattgefunden. Zum anderen komme die erhebliche Zuwendung der Allgemeinheit zugute. Dennoch müsse die Feier eine Ausnahme bleiben: 'Das Schloss gehört allen, da darf es keine Privilegien geben.'

Auch wenn niemand Genaues schildern mag: Das Wiegenfest des Ex-Managers war keine Party von der Stange. Rund eine Woche lang liefen die intensiven Vorbereitungen für die nächtliche Luxus-Feier. Rund 250 Mitarbeiter waren im Einsatz, um die etwa 150 prominenten Gäste im eigens angefertigten Zelt mit transparentem Dach zu bewirten. Der Innenhof wurde speziell ausgeleuchtet – die regulären Halogenstrahler, die das Schloss nachts zur weithin sichtbaren Attraktion machen, wurden ausgeschaltet.

Doch genau das ärgert Hotelier Schwecke maßlos. Denn auch an besagtem Abend seien mehrere asiatische Reisegruppen eigens nach Hogau aufgebrochen, um das Ziel ihrer Sehnsucht in nächtlicher Pracht fotografieren zu können.

'Diese romantischen Fahrten sind bei vielen Reiseveranstaltern im Programm – es kann nicht sein, dass die Gäste wegen so einer Party in die Röhre schauen', so Schwecke. Ganz zu schweigen vom fehlenden Stilgefühl, wenn das Erbe Ludwigs II. für solchen Rummel herhalten müsse.

So streng sieht Bürgermeister Reinhold Sontheimer die Sache nicht, zumal auch früher in Einzelfällen auf dem Schloss gefeiert wurde – so lud der Maschinenbauer MAN zum 100. Geburtstag des Dieselmotors zum exklusiven 'Event'. Dennoch plädiert Sontheimer dafür, derlei 'Sondernutzungen sehr, sehr in Grenzen zu halten'. Dabei denkt er auch an die Feuerwehr, die angesichts der vielen Termine 2011 langsam an ihre Kapazitätsgrenze stoße.

Dass bald der nächste Millionär auf Neuschwanstein zur Party lädt, sei unwahrscheinlich, erläutert Tina Dangl, Sprecherin des Finanzministeriums. 'Solche besonderen Anfragen kommen selten vor', erläutert sie. Entschieden werde im Einzelfall, auch über die Konditionen werde individuell verhandelt. Wobei stets gelte: Die Nutzung müsse der Örtlichkeit entsprechen.

'Schwangau profitiert von so einem Ereignis nicht. Diese Gäste werden meist in der Limousine gebracht – da übernachtet keiner im Ort.'

Bürgermeister Reinhold Sontheimer

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