Großübung
Lawinenhunde haben die Nase vorn

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«Lawinenabgang. 6 Personen verschüttet, 4 bei der Abfahrt, 2 beim Aufstieg»: Mit knappen, aber präzisen Stichpunkten instruiert der Einsatzleiter die Rettungskräfte im «Grüble». Auch wenn das Szenario am Tegelberg bei Schwangau nur gestellt ist - die Bergwachtbereitschaften aus Füssen, Pfronten, Nesselwang und Kaufbeuren wissen genau, was zu tun ist. 35 Bergretter nehmen an der jährlichen alpinen Großübung teil, darunter auch Hundeführer der Lawinenhundestaffel «Allgäu» mit ihren Tieren, Notärzte, Vertreter der Lawinenkommission Schwangau und der alpinen Einsatzgruppe «Allgäu» der Polizei.

Das Zusammenspiel der Einsatzkräfte, die Organisation und Abläufe eines großen Rettungseinsatzes stehen an diesem Tag im Mittelpunkt. «Unsere Kameraden gewinnen bei einer solchen Übung Routine», erklärt Martin Steiner, Bereitschaftsleiter der Bergwacht Füssen. Unter realistischen Bedingungen werden die Suche nach Verschütteten in einem «Lawinenfeld» mit unterschiedlichen Suchmethoden trainiert, ebenso wie das Ausgraben und die Erstversorgung.

Dazu werden zwei Bergwachtler, ausgerüstet mit Verschüttetensuchgeräten (VS-Geräten), in Schneehöhlen eingegraben - sie haben über Funk Kontakt zur Außenwelt. Puppen mit und ohne VS-Geräte sind unter der Schneedecke vergraben. Sie alle müssen möglichst schnell gefunden und geborgen werden.

Dabei zeigt sich, dass im Kampf um Leben und Tod die besonders ausgebildeten Lawinenhunde wegen ihres feinen Geruchssinns die Nase vorn haben. Schon vier Minuten nach seinem Eintreffen zeigt das Tier Hundeführer Thomas Füss durch Scharren oder Bellen an, wo der Verschüttete liegt. Sofort beginnt der Hundeführer mit dem Sondieren und Ausgraben und fordert über Funk Verstärkung an. Für Hund und Mensch ist die Arbeit auf der Lawine Schwerstarbeit.

Auch die Suche mit dem VS-Gerät führt binnen weniger Minuten zum Erfolg. «Das A und O bei einem Lawinenunfall ist die Kameradenhilfe. In den ersten 15 Minuten hat der Verschüttete eine relativ hohe Überlebenschance. Voraussetzung ist, dass die Kameraden mit der Notfallausrüstung, dem VS-Gerät, Sonde und Schaufel umgehen können», erläutert Steiner.

Denn die organisierte Rettung muss erst alarmiert und auf den Weg gebracht werden. Dadurch verstreicht oft viel Zeit. «Das Ausgraben ist der zeitaufwendigste und anstrengendste Teil», so Steiner. Es will geübt sein, ebenso das systematische Sondieren. «Hier darf man sich keine Schlampigkeit erlauben, sonst ist das Sondieren umsonst.»

Nicht immer kommt es zur glücklichen Rettung. Dann bleibt den Rettern nur die Totenbergung. «Ein tödlicher Lawinenunfall wird polizeilich aufgenommen. Bei jedem unnatürlichen Tod stellt sich die Frage nach einem Fremdverschulden. Unsere Aufgabe ist die Dokumentation aller Umstände - etwa Schneedeckenbeschaffenheit, Zeugenbefragungen, Abfahrts- oder Aufstiegsspuren», erklärt Christian Pauker von der alpinen Einsatzgruppe der Polizei.

Bei der abschließenden «Manöverkritik» sind Ausbilder und Einsatzleiter zufrieden: Das Ziel, die Verschütteten umgehend zu bergen, sei erreicht worden.

 

Bei der winterlichen Großübung von Bergrettern aus Füssen, Pfronten, Nesselwang und Kaufbeuren wurde auch das Sondieren nach einem Lawinenabgang trainiert. Das Grobsondieren mit Abständen von etwa 60 Zentimeter bietet eine Trefferquote von 70 Prozent, das zeitaufwendigere Feinsondieren von nahezu 100 Prozent. Fotos: Ingo Buchelt

 

Der Hund hat den Verschütteten lokalisiert, die Bergretter arbeiten sich zum Lawinenopfer vor. Das Ausgraben ist der anstrengendste Teil der Rettung.

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