Altes Handwerk
Lange Familientradition: Kilian Trenkle (28) aus Pfronten schmiedet Kuhschellen

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In der heutigen Zeit wissen die meisten Leute gar nicht mehr, wie man mit den Händen was macht, sagt Kilian Trenkle, Schellenschmied aus Pfronten. Und wenn man mit dem Hammer und einem glühenden Eisen in der Hand vor dem Amboss steht - das ist so ein männliches Gefühl, da gibt's wirklich nichts Schöneres.

Die Atmosphäre beim Betreten der Werkstatt ist beeindruckend. Es ist halbdunkel, ein Feuer brennt, neben der Feuerstelle steht ein massiver Amboss. An der Wand hängt ein kleines Schwarz-Weiß-Bild in einem alten verschnörkelten Rahmen, darauf sind zwei Männer. "Das ist mein Großvater mit seinem Meister damals, hier draußen vor der Schmiede", erklärt der 28-Jährige. Mit ihm steht die Familie bereits in sechster Generation in der Werkstatt am Feuer. Seit 1839 gibt es die Schlosser- und Schellenschmiede "Beim Hummelbaur" schon.

Eigentlich ist Trenkle Produktdesigner und hat eine eigene Firma in Pfronten-Ried. Aber seit fünf Jahren stellt er in der Familienschmiede auch handgefertigte Kuhschellen her. "Das ist einfach der beste Ausgleich zum Schreibtisch, den man sich vorstellen kann", sagt der 28-Jährige. "Mit dem Hammer auf einem heißen Blech rumprügeln, das macht einen Mordsspaß", und den merkt man ihm richtig an. Sein Vater Philipp Trenkle freut sich darüber, dass "sein Bua" irgendwann doch noch die Begeisterung für das Traditionshandwerk entdeckt hat. "Er schmiedet inzwischen sogar die besseren Schellen als ich", sagt der 64-Jährige Schlossermeister stolz.

Glocke oder Schelle?

Kilian Trenkle erhitzt ein zugeschnittenes Stück Blech im Feuer, bis es rot zu glühen beginnt. "Man muss aufpassen, dass es nicht weiß wird, sonst verglüht das Material." Konzentriert blickt er ins lodernde Feuer, um den richtigen Moment abzupassen. Dann hebt er das Blech aus der Flamme und dreht sich zum Amboss um. Schlag um Schlag klöppelt er eine Wölbung in das heiße Blech. Wieder erhitzen, wieder klöppeln. So lange, bis eine Schellenhälfte entsteht.

Schelle oder Glocke, viele sehen da keinen Unterschied. "Eine Glocke wird gegossen, meistens aus Bronze oder Messing", sagt der 28-Jährige. "Die klingt dann ganz hell, wie Engelsgeläut." Die Schelle gibt dagegen durch das rustikale Blech, aus dem der Schmied sie herstellt, tiefere Töne ab. "Das ist dann eher so der erdige Sound", sagt er lachend. Der Klang ist es auch, der eine gute Schelle auszeichnet. "Der Hirte muss oben auf der Alpe am Geläut erkennen, ob seine Herde noch beisammen ist. Wenn alle Schellen gleich klingen, dann hat er keinen Überblick mehr."

Die Schellen "Beim Hummelbaur" werden nur noch auf Anfrage gefertigt. "Das ist ein Handwerk mit viel Liebe und keine Massenproduktion", sagt der Schmied. Wenn sich Vater oder Sohn an die Arbeit machen, muss klar sein, dass die entstehende Schelle auch wirklich einer Kuh um den Hals gehängt wird.

Diskussion um das Schellengeläut

Ganz in der Nähe hört man leises Gebimmel. Eine kleine Kuhherde grast auf der Weide, jedes Tier trägt eine Schelle oder eine Glocke um den Hals. Vor allem jetzt, zur Viehscheid-Zeit, entfacht jedes Jahr aufs Neue. "Ich kann's total verstehen, wenn Leute meinen, das Geläut sei zu laut für die Kuhohren", sagt Kilian Trenkle. "Aber wenn ich mir so eine Kuh anschaue, wie sie mit ihrer Schelle um den Hals gemütlich im Gras liegt, dann sieht die nicht unzufrieden aus." Der 28-Jährige lächelt und nickt in Richtung der Herde.

Von hinten kommt eine Kuh mit Gebimmel auf ihn zu und schnuppert neugierig. Eine andere legt wiederkäuend den Kopf schief und wendet sich gelangweilt wieder ab. Im Hintergrund hört man das Geläut weiterer Kuhschellen. Blauer Himmel, Bergpanorama und mittendrin die klingende Herde beim Grasen: Da könnte man es auch schlechter erwischen, so als Kuh.

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