Festspielhaus
König-Ludwig-Musical II ist insolvent: Musical-Mitarbeiter sind am Boden zerstört

Text und Fotos: Gisela Schroeder Füssen 'Also, mach’s gut', 'Man sieht sich' und 'Melde dich mal' waren die meist gehörten Sätze nach der Demonstration. Im 'Schiff' trafen sich Mitarbeiter und Fans zum Gedankenaustausch. Gemeinsam wurde 'Geliebte Berge', allerdings mit 'Füssener' Text gesungen. Trotz der Abschiedsstimmung lag ein trotziger Optimismus im Raum.

'Das Stück muss weitergehen' und 'vielleicht findet sich ja doch einer, der ein Herz für die Region hat?', so die einhellige Meinung. Wir sprachen mit den Mitarbeitern über die Entwicklung und wie es für sie jetzt weitergeht.

Espen Nowacki, der Schwan schlechthin, stand als 'Otto', 'Rettenberg' und im Swing mit auf der Bühne. Er war ein halbes Jahr künstlerischer Leiter für selbst produzierte Sonderveranstaltungen. Er sieht für sich, ohne einen Spielbetrieb im Festspielhaus, keine Zukunft in Füssen. 'Ich würde wahnsinnig gerne hier bleiben', so Nowacki.

Weht tat ihm am vergangenen Freitag, dass die wichtigste Information erst der Presse mitgeteilt wurde und erst dann den betroffenen Mitarbeitern. Ebenso bedauerte er, dass nie ein Mitarbeitergespräch mit der Geschäftsleitung gewünscht war. 'Wir haben so viele Ideen, was sich unter anderem in den erfolgreichen Auftritten von 'Swinging Ludwig' zeigt', meint Nowacki, der zur Freude der Fans ankündigte, dass er an Ostern in der alten Klosterküche des ehemaligen Klosters St. Mang in Füssen mit 'Swinging Ludwig' zumindest die Musik des Musicals am Leben halten wolle.

Bernd Schmidtke ist am Boden zerstört. Der ehemalige Hartz IV-Empfänger hatte mit seiner Frau Anne auf selbstständiger Basis im Januar die Mitarbeiter-Kantine im Festspielhaus übernommen. 'Wir haben unsere Ersparnisse da rein gesteckt in Deko, Warenbestand und, und, und. Wir wollten, dass sich die Menschen bei uns wohl fühlen. Die Gerüchteküche hat uns zwar vor zuviel Engagement gewarnt, doch wir wollten uns voll einbringen. Für uns ist die Frage ja auch, falls es weitergehen würde, nehmen die uns überhaupt wieder?'

Hedwig Bühler gehört zu den Frauen der ersten Stunde. 'Ich habe schon die Baustellenführungen beim ersten Musical gemacht. Das ist die zweite Insolvenz, die ich erleben muss. Ludwig hat mich aus Franken hierher geholt. Ich bin noch immer mit vollem Herzblut dabei.

Das Festspielhaus ist viel mehr als nur mein Arbeitsplatz, hier habe ich auch in der großen 'Festspielhaus-Familie' mein soziales Umfeld gefunden. Ich war für die Busse und Reisebüros verantwortlich. Ich habe auf den Messen festgestellt, dass wir außerhalb der Region viel zu wenig bekannt sind. Die Bus-Besucher waren vom Stück immer restlos begeistert, aber das Marketing hat uns zu wenig unterstützt'.

Diana Debus, ehemals Backoffice, sieht das Festspielhaus wie eine Insel. 'Von überall her sind die Mitarbeiter gekommen, haben internationales Flair in die Region gebracht. Ganz toll waren auch die Feste, die die Gesellschafter für die Mitarbeiter veranstaltet haben.

Wie im Herbst 2005 das Mitarbeiter-Fest von Gräfin Pocci. Wir sind dankbar, dass die Gesellschafter diesen Mut hatten, für die Region so viel Geld zu geben. Ganz vergessen wird, dass 'Ludwig²' im Jahr 2006 zum 'Musical des Jahres' gekürt wurde. Ich bedaure die jetzige Entwicklung sehr und bin sehr gespannt auf den Montag. Ob wir da unsere Kündigungen erhalten? Für die Region und die Menschen ist es ein großer Verlust.'

Dietmar Ziegler war eineinhalb Jahre als 'Hanfstengel' beim ersten Musical dabei. Er ging danach zum 'König der Löwen', um dann beim zweiten Musical als 'Schattenmann', 'Gudden' und 'Lutz' die Bühne zu erobern. 'Ich habe mich hier so wohl gefühlt im Ensemble.

Ich glaube, die Leute haben immer noch nicht begriffen, dass diese Kombination von Stück, Haus und Ensemble ein einmaliger Schatz ist. Das ist nicht wie in anderen Häusern. In Füssen herrscht ein ungeheurer Idealismus für das Stück. Selbst in meiner Freizeit war ich in anderen Städten unterwegs und habe für das Musical geworben.

Die Vermarktung hat nicht funktioniert, weil wir nicht auch in Thüringen, Sachsen, Schweiz und Österreich bekannt sind. Warum schnürt man kein Packet 'Märchenwochenende' mit Schlösser- und Musicalbesuch, Besuch der königlichen Kristalltherme und Himmelbett? Dieses Stück hat es verdient, dass es lebt.'

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